WALKWAYS – A REMINDER

WALKWAYS

Titel: A REMINDER

Label: Wild Thing Records

Spieldauer: 47:43 Minuten

VÖ: 28. August 2026

WALKWAYS stammen aus Tel Aviv und haben sich seit ihrer Gründung 2006 innerhalb der israelischen Metal-Szene einen Namen gemacht. 2013 erschien mit „Safe In Sound“ das Debüt, bevor 2019 mit „Bleed Out, Heal Out“ das zweite Album bei Nuclear Blast folgte und die Band auch international auf sich aufmerksam machte. Touren durch Europa und Großbritannien, Auftritte unter anderem beim Wacken Open Air sowie Shows mit Bands wie AVENGED SEVENFOLD, DISTURBED, IN FLAMES, DEVIN TOWNSEND und JINJER folgten. Nun steht nach einer längeren Albumpause mit „A Reminder“ das dritte Album der Tel Aviver auf dem Programm. Schon das interessante Coverartwork macht neugierig darauf, was sich hinter den 13 Songs verbirgt. Laut Promo-Info schlagen WALKWAYS mit „A Reminder“ ein sehr persönliches Kapitel auf. Die Band verarbeitet Themen wie Rückfälle und Genesung, Wut und Akzeptanz, Trauma, innere Dämonen und die Veränderungen, die schwere Erfahrungen mit sich bringen können. Sänger Ran Yerushalmi beschreibt das Album als eine Platte, die er selbst gerne gehört hätte, als es ihm extrem schlecht ging und niemand da war, an dem er sich festhalten konnte. Schmerz und Rückschläge sollen dabei nicht einfach als Hindernisse betrachtet werden, sondern als Erfahrungen, aus denen man wachsen und an denen man sich weiterentwickeln kann. Eine intensive Grundlage für ein Album, das sich laut WALKWAYS mit den Narben beschäftigt, die das Leben hinterlässt. Musikalisch bewegen sich WALKWAYS zwischen groovigem Alternative Metal, wuchtigen Riffs, aggressiven Vocals, großen Melodien und fragileren Momenten. Die Band verbindet dabei ihre harte Seite mit cineastischer Tiefe und lässt auch ruhigere Passagen zu, ohne den Druck aus dem Sound zu nehmen. 47:43 Minuten und 13 Songs stehen auf dem Programm. Nach der langen Albumpause darf „A Reminder“ nun also zeigen, was WALKWAYS 2026 zu erzählen haben.

Mit Atemübungen starten wir ins Album und können beim Titeltrack ‚A Reminder‘ erst einmal entspannen, denn WALKWAYS stehen hier sehr ruhig und mit zarten Gesängen am Wegesrand, um den Hörer abzuholen. Im Verlauf wird das Lied etwas dramatischer, kommt aber noch nicht mit dem Dampfhammer um die Ecke – den haben die Israelis dann bei ‚A F**k You, A Thank You‘ ausgepackt. WALKWAYS verbinden hier rohe Intensität mit nachdenklichen Lyrics und machen aus Fehlern, Wunden und falschen Entscheidungen den Treibstoff für persönliches Wachstum. Chaotisch, wütend, aber gleichzeitig mit einem Hoffnungsschimmer – ein interessanter Einstieg in die neue Scheibe und eure Boxen sind übrigens am Ende nicht zerstört, aber das müsst ihr selber rausfinden. ‚A Devil’s Mist (Fire)‘ macht seinem Namen alle Ehre, denn hier gibt’s weiter knackigen Alternative Metal und treibende Beats auf die Ohren. Inhaltlich gehen WALKWAYS diesmal mit der modernen Menschheit ziemlich hart ins Gericht, prangern hohle Fassaden, selbstverliebten Narzissmus und den maßlosen Konsum an, der auf dem Rücken derer ausgetragen wird, die im Hintergrund ausgebeutet werden. Auch die ausgebeutete Natur und Arten, die durch die Gier des Menschen an den Rand der Ausrottung getrieben werden, bekommen ihr Fett weg. Ein ordentliches Brett mit einer deutlichen Ansage!

So ein bisschen Five Finger Death Punch steckt in ‚A Virus. Prove Me Wrong‘ – aber eher die Ära zu Beginn der jetzigen Megastars, macht Bock der Song! In ‚Abiding Stress to Unstress‘ nehmt ihr euch 97 Sekunden Zeit und hört gut zu, denn nach dem deftigen ‚Again & Again & Again‘ und dem kurzen, aber emotionalen Zwischenspiel ‚Alone Together‘ ist ‚All For You‘ der nächste Alternativetrack, der unter die Haut geht, aber auch seine druckvollen Momente hat. Und wo wir bei Momenten sind: Musikalisch ist ‚A Kiss on the Forehead‘ gefühlvoll, hat tolle Melodiebögen und lyrisch? Findet es heraus. Jetzt gibt’s aber wieder auf die Fresse! ‚A Programmed Mistake‘ kommt mit Schmagges und drückt euch in einigen Passagen an die Wand. Die Nummer beschäftigt sich mit zerbrochenem Vertrauen, Bitterkeit und Reue. Die Narben bleiben auch dann, wenn die Wunden längst verheilt sind, doch WALKWAYS zeigen gleichzeitig, dass selbst aus solchen Erfahrungen Wachstum entstehen kann. Musikalisch jedenfalls wieder deutlich mehr Dampf auf dem Kessel! Wenn die ersten ruhigen und sanften Töne von ‚Autonomic Wrath‘ aus den Boxen klingen, sind wir beim finalen Lied-Triple angekommen, wobei ‚Another Relapse, Another Release‘ eine erneut kurze Interlude ist und ‚A Smile (Soul Deep)‘ einzuleiten scheint, das euch nochmal eine Gänsepelle verschaffen wird.

„A Reminder“ ist definitiv eines der interessantesten Alben, die ich bis jetzt in diesem Jahr auf dem Tisch hatte. WALKWAYS liefern hier einen emotionalen, kraftvollen und tiefgehenden Silberling ab, der mich mit seinen 13 Songs ordentlich packt. Groovige Riffs, fette Gitarren, aggressive Vocals, große Melodiebögen und immer wieder diese ruhigen, fragilen Momente sorgen für ordentlich Abwechslung und machen die Scheibe verdammt eindringlich. Mal gibt’s auf die Fresse, dann wird wieder Tempo rausgenommen und die Israelis lassen Raum für Atmosphäre und Emotionen. Genau dieses Wechselspiel macht „A Reminder“ für mich so interessant. Die Platte ist hochgradig emotional, ohne dabei auf die nötige Härte zu verzichten. Ich kam beim Anhören nicht umher, Wasser in den Augen zu bekommen, an anderer Stelle wütend zu werden – dieses Album berührt die Seele. „A Reminder“ ist definitiv keine Platte für nebenbei, sondern eine Scheibe, auf die man sich einlassen muss. Wer das tut, bekommt nicht einfach nur fette Riffs und geile Melodien serviert, sondern ein Album, das etwas mit einem macht.

Tobi Stahl vergibt 8,5 von 10 Punkten