DISTANT
Titel: INTO DESPAIR
Label: Century Media Records
Spieldauer: 39:03 Minuten
VÖ: 06. November 2026
Seit ihrer Gründung im Jahr 2014 haben sich DISTANT kontinuierlich nach oben geballert: Nach dem Debüt „Tyrannotophia“ (2019 via Unique Leader Records) und dem Nachfolger „Aeons Of Oblivion“ (2021) folgte 2023 mit dem Einstieg bei Century Media Records das sackstarke Drittwerk „Heritage“. 2024 legte das niederländisch/slowakische Gespann mit „Tsukuyomi: The Origin“ nach – einer stark überarbeiteten Neuinterpretation ihrer ersten EP „Tsukuyomi“ aus dem Jahr 2017, garniert mit hochkarätigen Gastauftritten von Alex Erian (DESPISED ICON), Matt Heafy (TRIVIUM), David Simonich (SIGNS OF THE SWARM) sowie Travis Worland (ENTERPRISE EARTH). In der aktuellen Besetzung um Alan Grnja (Gesang), Nouri Yetgin (Gitarre), Elmer Maurits (Bass) und René Gerbrandij (Schlagzeug) haben DISTANT nicht nur unerbittliche Live-Abrisse auf Touren mit SYLOSIS, IN FLAMES und THROWN abgeliefert, sondern schlagen mit ihrem neuesten Werk „Into Despair“ nun ein spürbar anderes, tiefer gehendes Kapitel auf: Anstatt die bisherigen Sci-Fi-Pfade weiterzugehen, präsentieren sich die Musiker von ihrer persönlichen und emotionalen Seite. Im Epizentrum stehen diesmal reale emotionale Kämpfe, Verlust und die gemeinsame Trauer, die Menschen in dunklen Zeiten verbindet – verpackt im ultraschweren, hyper-dissonanten Sound. Hochkarätige Unterstützung holen sich die Jungs dabei von Ricky Myers (SUFFOCATION) und Tyler Beam (THE LAST TEN SECONDS OF LIFE). Neben der digitalen Version erscheint die Scheibe als Standard-CD im Jewelcase sowie in verschiedenen schicken Vinyl-Editionen (u. a. als auf 300 Stück limitierte „Iridescent Pearl Dawn“-LP).
Hell yes, ‚The World‘ ist ein 120-Sekunden-Intro, bei dem es ganze drei Wörter zu hören gibt und eine Gangart, die andeutet, welch DISTANT-Deathcore-Wucht auf „Into Despair“ zu erwarten ist. Mit ‚Nothing Left to Hate‘ steigen wir hinab in den grantigen Kosmos der Core-Kapelle und werden mit Pig Squeals, rohen Growls und einer instrumentalen Druckbetankung erwartet, welche die Band so kommentiert:
„‚Nothing Left To Hate‘ ist DISTANT in voller zerstörerischer Kraft – dickere Riffs, tiefere Grooves und ein roher Sprung in Selbstzerstörung und Chaos. Der Track ist wie geschaffen für Circle Pits, Wut-Workouts und um die Wut rauszulassen.“
„‚All Will Be (N)One‘ ist ein düsterer, atmosphärischer Track, der sich mit der Angst der Menschheit vor dem Tod und der Unausweichlichkeit des Zusammenbruchs der Zeit auseinandersetzt. Durch die Verschmelzung von vernichtenden Riffs mit unerbittlichen Rhythmen baut der Song ein Gefühl langsam aufkeimender Angst auf, bevor er in Momente roher Konfrontation ausbricht. Textlich verschiebt er die Perspektive vom Widerstand hin zur Akzeptanz. Der Gastauftritt von Ricky Myers von SUFFOCATION verleiht dem Track zusätzliche Intensität und Autorität und unterstreicht dessen zentrale Botschaft: everything fades, and all will be (n)one.“
Mehr muss man zu dieser krass-starken Nummer nicht sagen, also lassen wir uns weiter überrollen, und zwar von ‚Rat Torture‘, das es ebenfalls als Vorab-Happen gab. DISTANT richten ihren Blick auf die schleichende Entfremdung der modernen Welt, rechnen mit inszenierter Selbstdarstellung, digitalen Echos und der Verwechslung von bloßer Aufmerksamkeit mit echter Zuneigung ab. Musikalisch und inhaltlich spiegelt sich diese beklemmende Thematik in einem rohen, unerbittlichen Wutausbruch wider – bis ganz am Ende, tief unter dem kalten Bildschirmlicht, doch noch die Sehnsucht nach echtem Tageslicht durchdringt. Wer bis hierhin noch keinen warmen Nacken hat, der hat entweder nicht intensiv genug die tägliche Portion Nacken-Yoga durchgeballert oder ist ein Veteran, was DISTANTs Feuerwerk angeht. Auf alle Fälle gibt’s mit ‚Flesh and Nails‘ und ‚The Shared Grief‘ noch zwei weitere gewaltige Abreibungen, bevor das wütende Finale ‚Iron Knee‘ aus dem sonst so düsteren Albumkonzept ausbricht und ein gitarrengetriebenes, augenzwinkerndes Grind- und Beatdown-Gewitter entfesselt.
„Into Despair“ ist weit mehr als nur die nächste instrumentale Druckbetankung für das tägliche Nacken-Yoga: Während die DISTANT-Planierraupe unbarmherzig durch die Gehörgänge walzt und ein Breakdown nach dem anderen das Kopfdach wegsprengt, verleiht die gewachsene lyrische Tiefe der Scheibe ein völlig neues Gewicht. DISTANT gelingt die perfekte Symbiose aus roher Zerstörung und ehrlicher emotionaler Reife – ein kompromissloser Abriss, der selbst abgebrühten Szene-Veteranen ordentlich die Gesichtshaut strafft.
Tobi Stahl vergibt 8,5 von 10 Punkten


