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ARCANUS: “Ancient Woods” und der Weg zur eigenen Identität

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Mit ARCANUS habe ich heute eine Band im Interview, die sich ganz bewusst abseits ausgetretener Pfade im Melodic Black/Death Metal bewegt. Das Trio um Roman Zimmerhackel, Steffen Nevermann und Robert Beier hat mit “Ancient Woods” eine komplett in Eigenregie entstandene Debüt-EP vorgelegt, die nicht nur musikalisch, sondern auch in Sachen Produktion und Artwork zu 100 % DIY ist. Zwischen frostiger Atmosphäre, druckvollen Riffs und dem Anspruch, einen eigenen Sound zu formen, zeigen ARCANUS schon auf den ersten fünf Tracks, wohin die Reise gehen soll. Grund genug also, genauer nachzuhaken und mit Roman über die Entstehung der EP, die Idee hinter ARCANUS und die nächsten Schritte zu sprechen.

Tobias:
Hi Roman, schön, dass wir uns hier wieder sprechen – ich kenne dich ja noch von SOUL DEMISE. Wie geht’s dir aktuell, und wie blickt ihr auf die ersten Tage nach dem Release von “Ancient Woods”? Wie sind die Reaktionen bisher ausgefallen – sowohl bei dir persönlich als auch bei deinen Bandkollegen?

Roman:
Hi Tobi, erstmal vielen Dank. Mir persönlich geht’s gut – abgesehen von ein paar kleineren Alterserscheinungen 😉
Wir haben dem Release natürlich ziemlich entgegengefiebert und waren entsprechend gespannt, wie die EP ankommt. Als komplett neue Band fehlt uns noch die Reichweite, die man sich vielleicht wünschen würde, aber die bisherigen Reaktionen sind durchweg positiv – sowohl aus unserem Umfeld als auch von den Leuten, die bisher reingehört haben.

Tobias:
Wann kam bei dir der erste Kontakt zu ARCANUS zustande, und was hat dich letztlich dazu bewogen, bei dem Projekt einzusteigen?

Roman:
Steffen kenne ich schon länger, und ich weiß ehrlich gesagt gar nicht mehr genau, wann er mir die ersten Ideen von ARCANUS vorgespielt hat. Das Ganze war damals noch in der Entstehungsphase, die Songs waren noch nicht komplett fertig, aber man konnte schon gut erkennen, in welche Richtung es geht, und das hat mir direkt richtig gut gefallen. Ich war dann einfach so frech und habe gefragt, ob es okay wäre, auf einen Song einen Text zu schreiben und meine Vocals drüberzulegen. Das hat mir so viel Spaß gemacht, und zum Glück hatte Robert auch nichts dagegen *zwinker*, dass ich nach und nach immer mehr in ARCANUS reingerutscht bin. Ausschlaggebend war für mich vor allem die musikalische Richtung, das hat einfach sofort gepasst. Mit SOUL DEMISE bewege ich mich eher im Melodic Death Metal und mit BRLABL geht es mehr in die Stoner-Metal-Richtung, daher ist ARCANUS für mich nochmal ein anderer musikalischer Ausgleich.

Tobias:
Wie viel Einfluss konntest du noch auf die EP nehmen, als du eingestiegen bist – und in welchem Stadium befand sich “Ancient Woods” zu dem Zeitpunkt bereits?

Roman:
Wie bereits erwähnt, waren die Songs damals noch in der Entstehungsphase, sodass ich mich von Anfang an voll einbringen konnte, sowohl was das Arrangement angeht als auch die klangliche Ausrichtung. Zu dem Zeitpunkt waren sogar mehr Songs in Arbeit als letztendlich auf der EP gelandet sind, aber keiner davon war zu 100 % fertig. Das heißt, wir haben noch einiges in der Hinterhand und arbeiten parallel schon am ersten Album.

Tobias:
Inhaltlich steckt ja einiges in den Songs – von gefallenen Engeln bis hin zu Themen wie Wiedergeburt und inneren Konflikten. Kannst du uns ein bisschen tiefer mitnehmen: Worum geht es konkret in ‘Eternal Descent’, ‘Embracing The Northern Soul’, ‘Harmony In The Canopy’ und ‘Call Of The Void’?

Roman:
Bei ‘Eternal Descent’ kam die ursprüngliche Idee von Steffen. Er hatte mir damals das Gemälde “The Fall of the Damned” von Rubens gezeigt und meinte, dass er sich dazu einen Text vorstellen könnte. Das Bild hat mich direkt gepackt, dieses Chaos, die fallenden Körper und der Kontrast zwischen Licht und Dunkelheit. Daraufhin habe ich versucht, genau diese Stimmung und diesen Moment des Sturzes in Worte zu fassen.

‘Embracing The Northern Soul’ ist deutlich stärker von nordischer Natur und Mythologie geprägt. Es geht weniger um eine konkrete Story, sondern eher um die Atmosphäre, diese kalte, raue Welt und die Verbindung dazu. Themen wie Stärke, Ausdauer und auch Einsamkeit spielen da eine große Rolle. Gerade diese harsche Umgebung steht für mich auch sinnbildlich dafür, sich durch schwierige Phasen durchzukämpfen.

‘Harmony In The Canopy’ geht im Grunde darum, dass sich die Natur alles zurückholt. Ausgangspunkt ist ein Schlachtfeld, das mit der Zeit einfach überwachsen wird. Mich hat dabei vor allem dieser Kontrast gereizt, dass aus so einem Ort voller Zerstörung wieder etwas Ruhiges und Lebendiges entsteht.

‘Call Of The Void’ beschäftigt sich mit diesem Gedanken, den man vielleicht kennt, wenn man irgendwo steht und plötzlich so ein kurzer Impuls kommt, einfach einen Schritt weiterzugehen. Es geht dabei aber nicht darum, dem nachzugeben, sondern eher um diesen Moment, in dem man merkt, dass man die Kontrolle darüber hat. Dieser Gedanke ist da, aber man entscheidet sich bewusst dagegen. Der Song ist für mich daher eher ein Ausdruck von innerer Stärke und Kontrolle, auch wenn man mit solchen dunkleren Impulsen konfrontiert wird.

Tobias:
Ihr greift in euren Texten ja auch nordische Mythen auf – welchen persönlichen Bezug habt ihr dazu? Und wie steht ihr zum Konzept hinter ‘Harmony In The Canopy’, gerade dieses Zusammenspiel aus Tod, Natur und Wiedergeburt? Beim letzten Track ‘Call Of The Void’ wird es dann sehr persönlich und emotional: Steckt dahinter eine konkrete Erfahrung aus der Band oder ist das eher allgemein gehalten? Am Ende haben wir ja alle unsere eigenen Dämonen.

Roman:
Die nordische Thematik kommt bei uns vor allem aus der Faszination für diese ganze Welt, also die Natur, die Mythen und diese raue, ursprüngliche Stimmung, die das Ganze ausstrahlt. Das passt einfach sehr gut zu unserer Musik. Ich persönlich habe aber auch einen kleinen Bezug dazu, da ich mit einer Schwedin verheiratet bin *zwinker*, was das Ganze natürlich nochmal etwas greifbarer macht.

Bei ‘Harmony In The Canopy’ war für mich vor allem dieser Gedanke wichtig, dass die Natur sich alles zurückholt. Dieses Zusammenspiel aus Tod und neuem Leben ist ja etwas, das man auch im echten Leben ständig sieht. Es ist nichts Endgültiges, sondern eher ein Kreislauf.

‘Call Of The Void’ ist da schon etwas persönlicher, aber nicht auf eine konkrete Situation bezogen. Ich denke, solche Gedanken kennt jeder in irgendeiner Form. Wichtig war mir dabei eher zu zeigen, dass man diese Impulse wahrnimmt, aber trotzdem die Kontrolle behält und sich bewusst dagegen entscheidet.

Tobias:
Du hast ja auch das Artwork zu “Ancient Woods” gestaltet – wie gehst du grundsätzlich an solche visuellen Konzepte heran, und woher ziehst du deine Inspiration? Wenn man dich von SOUL DEMISE kennt, erkennt man beim letzten Album durchaus Parallelen – war das bewusst so angelegt oder ergibt sich das einfach aus deinem eigenen Stil?

Roman:
Beim Artwork gehe ich meistens ziemlich intuitiv ran. Ich versuche zuerst, ein Gefühl für die Musik zu bekommen und daraus eine Grundstimmung zu entwickeln, die sich dann auch visuell widerspiegelt. Bei “Ancient Woods” war relativ schnell klar, dass es in eine eher düstere, naturverbundene Richtung gehen soll. Viel Wald, Nebel, etwas Mystisches – also genau das, was auch musikalisch transportiert wird.

Ich mache solche Sachen ansonsten eher für mich selbst und entwerfe nur hin und wieder etwas. Da wir bei ARCANUS alles in Eigenregie umsetzen wollten, ist das Thema Artwork am Ende bei mir gelandet. Was die Parallelen angeht: Das ergibt sich, glaube ich, einfach aus meinem eigenen Stil und ist nichts, was ich bewusst so geplant habe.

Tobias:
Wie haben deine Kollegen von SOUL DEMISE eigentlich auf deinen Ausflug mit ARCANUS reagiert – gab es Feedback aus dem Bandumfeld?

Roman:
Wir haben da ehrlich gesagt gar nicht so viel drüber gesprochen. Jeder hat ja seine eigenen Sachen am Laufen, auch abseits der Band, daher ist das bei uns ziemlich entspannt. Das fertige Material haben sie vorher noch nicht gehört, und seit dem Release haben wir uns auch noch nicht alle wieder gesehen. Zumindest hat sich bisher keiner gemeldet und gesagt, dass es scheiße ist *zwinker*.

Tobias:
Wie geht es denn bei ARCANUS und auch bei SOUL DEMISE in nächster Zeit weiter – kannst du uns einen kleinen Ausblick geben, was Fans von beiden Bands erwarten dürfen?

Roman:
Bei ARCANUS liegt der Fokus aktuell ganz klar auf neuem Material und dem weiteren Promoten von “Ancient Woods”. Wir arbeiten bereits an Songs für das erste Album, auch wenn sich das durch die Entfernung manchmal etwas zieht.

Bei SOUL DEMISE liegt der Fokus momentan darauf, unser aktuelles Album “Against The Abyss”, das jetzt etwa ein Jahr draußen ist, weiter live zu präsentieren. Leider konnten wir zuletzt ein paar Shows nicht wahrnehmen, daher hat sich das Ganze etwas verschoben. Alles Weitere ergibt sich dann mit der Zeit.

Tobias:
Wie sieht es bei ARCANUS mit der Zukunft in Sachen Label aus – seid ihr aktiv auf der Suche oder wollt ihr den eingeschlagenen DIY-/Independent-Weg erstmal weitergehen?

Roman:
Bei der EP haben wir uns ehrlich gesagt noch keine großen Gedanken über ein Label gemacht. Für uns ging es erstmal darum, ein erstes Lebenszeichen zu setzen und die Zeit komplett in die Musik zu investieren. Aktuell arbeiten wir ja schon am Album, was sich aber noch etwas ziehen wird, da wir teilweise rund 750 km auseinander wohnen. Auch wenn heute vieles digital läuft, ist es manchmal schon einfacher, sich bei einem Bier zusammenzusetzen und im selben Raum an den Songs zu arbeiten. Was das Thema Label angeht, sind wir grundsätzlich offen. Natürlich kann man über ein Label auch eine größere Reichweite erzielen, aber aktuell liegt unser Fokus erstmal darauf, die nächsten Songs fertigzustellen und unseren Weg weiterzugehen.

Tobias:
Gibt es noch etwas, das wir im Interview nicht angesprochen haben, das dir aber wichtig ist und das du unbedingt noch loswerden möchtest?

Roman:
Im Grunde wurde alles angesprochen. Für uns war es erstmal wichtig, mit der EP ein erstes Lebenszeichen zu setzen. Alles Weitere wird sich ergeben.

Tobias:
Wo und wie können Fans die CD zu “Ancient Woods” aktuell bekommen – und gibt es bei entsprechender Nachfrage vielleicht auch Pläne für eine Vinyl-Version der EP?

Roman:
Wenn jemand Interesse an einer physischen Version hat, könnt ihr euch gerne über Facebook per PN melden oder uns unter arcanus.band bei web.de schreiben. Die Songs könnt ihr euch natürlich auch auf Spotify oder YouTube anhören. Eine Vinyl-Version ist aktuell nicht geplant, da wir alles selbst produzieren und finanzieren und eine LP für uns im Moment einfach zu aufwendig und teuer wäre. Auch wenn es natürlich der Knaller wäre, das Ganze irgendwann mal auf Vinyl zu haben.

Tobias:
Vielen Dank für deine Zeit und die offenen Antworten! Die letzten Worte gehören dir: Was möchtest du euren Fans, Hörern und unseren Lesern noch mit auf den Weg geben?

Roman:
Erstmal vielen Dank, Tobi, für das Interview und die Möglichkeit, unsere Band bzw. die EP etwas näher an die Leute zu bringen. Es ist nicht selbstverständlich, einer neuen und noch unbekannten Band so eine Plattform zu geben. Hört in die EP rein und macht euch euer eigenes Bild. Wenn es euch taugt, erzählt es weiter – wir freuen uns über jeden Support.

Interview: Tobias Stahl
Photocredit: Arcanus