ARCANUS
Titel: ANCIENT WOODS
Label: EIGENPRESSUNG
Spieldauer: 26:27 Minuten
VÖ: 01. Mai 2026
Die Debüt-EP “Ancient Woods” von ARCANUS flatterte mir die Tage auf den Schreibtisch und ich muss sagen: Bereits das Artwork zu “Ancient Woods” ist ein Blickfang, gestaltet von Sänger Roman Zimmerhackel (SOUL DEMISE). Das Bild transportiert eine Reise in alte Wälder, die frostig anmuten und eine mystische Stimmung erzeugen – und das, ohne auch nur einen Ton gehört zu haben. ARCANUS ist eine Melodic Black/Death Metal Band, die sich aus Robert Beier, Steffen Nevermann und Roman Zimmerhackel zusammensetzt. Die drei haben in Eigenregie die 5-Track-EP “Ancient Woods” an den Start gebracht. Aufgenommen von Beier und Nevermann, gemischt und gemastert von Zimmerhackel – dieses Debüt ist zu 100 % im DIY-Style entstanden und das Ergebnis einer im Jahr 2023 geborenen Vision von Steffen Nevermann und Robert Beier. Hinter dem Projekt steckt also keine „Wir machen halt was“-Attitüde, sondern der klare Wille, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen – nach dem eigenen Geschmack eben. Statt sich blind an Genre-Schablonen zu hängen, versuchen ARCANUS, ihren Sound selbst zu definieren. Steffen Nevermann (Gitarre) steht für präzises Riffing und langjährige Erfahrung in der deutschen Metal-Szene, u. a. bei DETERMINATION, WEYLAND und ENDLESS DISTRUST, und bringt zudem einiges an Studio-Know-how mit. Robert Beier (Gitarre, Bass) liefert die rohe, energiegeladene Komponente und sorgt mit seinem Background u. a. im Umfeld von LED TO ROT für zusätzlichen Druck im Sound. Seit 2024 ist Roman Zimmerhackel (Gesang) im Line-up und gibt ARCANUS eine markante stimmliche Identität.
Wir steigen in die EP mit dem stimmungsvollen Intro ‘Into The Woods’ ein, das mit Glockenschlägen beginnt und sich langsam auf den Opener ‘Eternal Descent’ zuschleicht, der direkt aufs Gaspedal drückt. Die energiegeladenen Gitarren und Drums arbeiten den Growls zu und entfachen ein Feuerwerk aus Melo Black Metal, um diesen ersten Song ein bisschen einzuordnen. ‘Eternal Descent’ handelt vom Sturz gefallener Engel aus dem Himmel, angeführt durch Rebellion, Stolz und den Wunsch nach Gleichheit. Bildgewaltig werden der Kampf im Himmel und der anschließende Absturz in die ewige Dunkelheit beschrieben – ARCANUS liefern also nicht „nur“ knackigen Extreme Metal, sie packen auch noch eine starke Story in den Song. Eine Hommage an die Mythen des Nordens ist der treibende Nackenbrecher ‘Embracing The Northern Soul’. Hier setzen ARCANUS weniger auf Melo Death, sondern mehr auf Black Metal – räudiges Saitengehexe, dreckige Blastbeats und jene durchdringenden Vocals, die unter die Haut gehen und von nordischer Mythologie und Natur erzählen. Weiter geht es mit ‘Harmony In The Canopy’, dessen lyrische Inhalte sich um Transformation und Wiedergeburt drehen: jene Wiedergeburt, die durch den Tod eines Kriegers auf einem blutgetränkten Schlachtfeld erwächst. Im über zehn Minuten dauernden Lied verbinden ARCANUS den Tod und den Kreislauf der Natur, und am Ende entsteht ein friedlicher, fast heiliger Wald, der Hoffnung und Erneuerung symbolisiert – erwachsen aus dem Tod einstiger Kämpfer. Sehr poetisch und klasse musikalisch in Szene gesetzt. Wenn der innere Dämon ruft und die Entscheidung über Leben oder Tod ansteht – darum geht es in der letzten, sehr emotionalen und mit einer tiefgängigen Wucht versehenen Nummer ‘Call Of The Void’. Ob die EP mit einem Happy End ausgeht?
“Ancient Woods” ist ein Debüt, das widerspiegelt, was man beim genauen Blick auf das Artwork erahnt: etwas Ursprüngliches, Atmosphärisches und zugleich in Bewegung Befindliches. Die EP lebt von ihrer dichten Stimmung, den starken Melodien und dem gelungenen Zusammenspiel aus Black- und Death-Metal-Elementen. Besonders die Verbindung aus erzählerischen Konzepten, emotionaler Tiefe und druckvollem Songwriting macht Eindruck. Um beim Artwork zu bleiben: Wie die filigranen Strukturen in selbigem wächst auch die Musik von ARCANUS und entfaltet sich Stück für Stück. Nichts wirkt aufgesetzt, vieles scheint sich vielmehr natürlich aus der Atmosphäre heraus zu entwickeln – genau das macht den Reiz dieser EP aus. Natürlich merkt man hier und da noch, dass es sich um ein Debüt handelt; gerade in Sachen Feinschliff und Balance wäre stellenweise noch Luft nach oben, doch das fällt im Gesamtbild kaum ins Gewicht.
Mit “Ancient Woods” liefern ARCANUS ein starkes, eigenständiges erstes Lebenszeichen ab, das Lust auf mehr macht. Mehr Lieder, die wie eine Wanderung durch uralte, verwunschene Wälder klingen: kalt, geheimnisvoll und voller unheilvoller Energie.
Tobi Stahl vergibt 8 von 10 Punkten


