VANAHEIM – ROEDE VOOR DE BORST

VANAHEIM

Titel: ROEDE VOOR DE BORST

Label: FIREFLASH RECORDS/EDEL

Spieldauer: 38:45 Minuten

VÖ: 04. September 2026

Das niederländisch-belgisch deutsche Folk Metal Quintett VANAHEIM ist mir erstmals bei der letztjährigen Ausgabe des Castle Rock Festivals in Mülheim an der Ruhr untergekommen. Nach einem unterhaltsamen Auftritt habe ich sie damals erstmal in der Schublade „mitreißender, tanzbarer Pagan Folk Death“ im Stile von Ensiferum, Korpiklaani, Heidevolk und Co. verstaut.

Seit ihrer Gründung im Jahr 2015 ist die internationale Folk Metal Karawane mit ihrem Mix aus folkigen Elementen und (Melodic) Death Metal Riffs und Vocals unterwegs und weckte mit den ersten beiden selbst veröffentlichten Werken, einer EP im Jahr 2017 (“The House Spirit”) und einer LP im Jahr 2022 (“Een Verloren Verhaal”), die Aufmerksamkeit der Szene.

Nun veröffentlicht die Band ihr zweites Konzeptalbum “Roede voor de Borst”, das „tragische, emotionale, aber fesselnde Geschichten erzählt“. Auf der Platte sind Keyboarder Coen Janssen (Epica) und Flötist Nils Fischer (Eluveitie) als Gastmusiker zu hören. Produziert, aufgenommen und abgemischt wurde das Album von der niederländischen Symphonic und Melodic Metal Koryphäe Joost van den Broek (After Forever, Star One, Arjen Lucassen), die finnische Mastering-Legende Mika Jussila erledigte den technisch notwendigen Rest.

Die sechs Songs entführen die Hörenden in eine niederländische Kulisse des 19. Jahrhunderts, wo eine fesselnde Geschichte über Reue, Verzweiflung, Hoffnung und Erlösung erzählt wird. Dieses setzt der Gesang in niederländischer Sprache um und verleiht den Stücken einen besonderen Touch und eine enorme emotionale Ehrlichkeit und Tiefe.

Musikalisch ist die mitreißende, tanzbare Mischung aus Härte, eleganten, folk-inspirierten Melodien und erdigen Death-Metal-Riffs nicht verlorengegangen, wird aber durch umfangreiche symphonisch-epische Elemente ergänzt und abgerundet.

Während `Kroos en Slijk´ (Froschlaich und Schlamm) sowie `Het Laatste Licht´ (Das letzte Licht) eher die harte Schiene bedienen, aber eben auch nicht nur, besticht gleich der grandiose Opener `Geestenmist´ (dt.: Geisternebel) mit einem perfekt ausbalancierten Mix aus Härte, Melodik und symphonischer Opulenz, der die gesamte Platte ausmacht. Epische Orchestrierungen, atmosphärische Instrumentalklänge und üppige Chöre ergänzen traditionell folkige Passagen von Akkordeon, Flöten, Klavier und Violinen.

`Eendracht maakt macht´ (Einigkeit macht stark) ist seinem Titel entsprechend vor allem durch maritime Streicher, tiefe Growls und mächtige „Seemannschöre“ gekennzeichnet, bevor `De Overtocht´ (Die Überfahrt) dramatisch und vielseitig eine wilde Reise zu verkörpern scheint, bei der man Wind und Wellen förmlich spüren kann.

Die Stücke bewegen sich allesamt zwischen fünf und sieben Minuten und wirken sehr gut austariert, stimmig und zeigen, dass hier alle musikalischen Räder ineinandergreifen. Spaß an der Sache und der historischen Dimension werden praktisch hörbar. Der abschließende großartige Titeltrack setzt dem Ganzen die epische Krone auf. Mit ihrer neuen Scheibe überzeugen VANAHEIM auf ganzer Linie, beweisen enormes Können und große Überzeugung und Eigenständigkeit und zünden zugleich die nächste Ausbaustufe ihres Sounds mit der sie ein neues Niveau ihres epischen-symphonischen Folk-Metals erreichen.

Michael Gaspar vergibt 9 von 10 Punkten