THE QUILL – WHEEL OF ILLUSION

The Quill - Wheel Of Illusion

THE QUILL

Titel: WHEEL OF ILLUSION

Label: METALVILLE

Spieldauer: 44:48 Minuten

VÖ: 29. März 2024

Mit „Wheel Of Illusion“ veröffentlichen die – imho schon immer sträflich unterbewerteten, stilistisch meist nie ganz berechenbaren – schwedischen Rocker THE QUILL doch tatsächlich schon ihr elftes Album. Mittlerweile steuert die 1986 gegrĂĽndete Band tatsächlich auf ihre vierzigstes Jubiläum zu, klingt jedoch noch genauso frisch wie am ersten Tag.

The Quill

Die Band ist wirklich ein kleines Phänomen: Mit von Album zu Album und teilweise von Song zu Song unterschiedlicher Gewichtung schaffen es die Schweden immer wieder, Einflüsse von Led Zeppelin, Deep Purple, Black Sabbath, Thin Lizzy, Soundgarden, Monster Magnet, Spiritual Beggars, Kyuss und phasenweise sogar AC/DC und Krokus bis hin zu Southern- und Sleaze-Rock-Elementen zu einem stimmigen Gesamtsound zu vereinen.

Besetzungstechnisch sind THE QUILL erfreulich konstant: Neben den Urgesteinen Christian Carlsson (Gitarre) und Jolle Atlagic (Drums) sind auch die zwischenzeitlich ausgestiegenen Magnus Ekwall (Gesang) und Roger Nilsson (Bass) seit einigen Jahren und drei bzw. vier Alben wieder an Bord. Während mich Sänger Magnus Ekwall früher immer etwas an Chris Cornell (Soundgarden) erinnert hat, überraschen seine Gesangslinien auf dem neuen Album teilweise mit frappierender Ozzy-Schlagseite.

Wheel Of Illusion

„Wheel Of Illusion“ ist nach „Born From Fire‘ und „Earthrise“ das dritte bärenstarke Album in der jetzigen – neuen bzw. alten – Besetzung. Im direkten Vergleich sind THE QUILL auf „Wheel Of Illusion“ wieder etwas mehr „Retro“ unterwegs und klingen diesmal schwerpunktmäßig wie eine Mischung aus guten alten Black Sabbath (vor allem „Masters Of Reality“ und „Vol. 4“) und alten Monster Magnet.

So klingt der Opener ‚Wheel Of Illusion‘ gleich wie ein cooler Bastard aus alten Black Sabbath und Thin Lizzy: „Children Of The Grave“-Groove trifft auf „Emerald“-mäßige Twin-Gitarren – cool. Noch besser gefallen mir die abwechslungsreichen Kracher ‚Elephant Head, ‚Liber‘, ‚Sweet Mass Confusion‘ und ‚The Last Thing‘, die allesamt wie eine gelungene Kollaboration von Black Sabbath, Monster Magnet und den Spiritual Beggars klingen.

Weitere – weniger Sabbath-lastige, dafĂĽr fast schon AOR-mäßige – Highlights sind fĂĽr mich der Gute-Laune-Rocker ‚We Burn‘, der in der zweiten Hälfte zudem mit einer coolen Hookline besticht, die ein wenig an Led Zeppelins „Immigrant Song“ erinnert, sowie die kraftvolle, zum Träumen einladende Halbballade ‚Rainmaker‘.

Fazit

„Wheel Of Illusion“ wartet zwar nicht mit so vordergrĂĽndigen, sofort hängenbleibenden Uptempo-Hits wie ‚Snake Charmer Woman‘ oder ‚Keep On Moving‘ von den beiden Vorgängern auf, kommt durch diesen gewissen Sabbath-Touch dafĂĽr aber einen Zacken epischer um die Ecke. Soundtechnisch liefern THE QUILL hier meiner Meinung nach ihre bisher beste Leistung ab und klingen noch etwas dynamischer und wärmer als auf „Earthrise“.

Perfekt oder gar ein Klassiker ist das Album sicher nicht. Ob man manche relativ offensichtliche Sabbath/Ozzy-Referenzen jetzt als positiv oder negativ bewertet, sollte jeder Hörer fĂĽr sich entscheiden. Und stilistisch sitzen die Schweden eben immer zwischen den beiden StĂĽhlen „Retro/Rock“ und „Stoner/Groove“. Ich persönlich habe damit kein Problem, sondern finde das sogar ziemlich geil und ungemein spannend. Hoffe, die Band demnächst auch mal wieder live abfeiern zu können.

Joe Nollek vergibt 8,5 von 10 Punkten