SUBMASQ
Titel: SPIRIT ANIMAL
Label: Willowtip
Spieldauer: 41:57 Minuten
VÖ: 18. September 2026
Noch unter ihrem vollen Bandnamen Subterranean Masquerade, der mittlerweile stark gekürzt wurde, habe ich diese Band aus Israel 2019 live erleben dürfen. Zusammen mit ihren Landsleuten von Orphaned Land feierten sie an jenem Abend ein Fest des Lebens und der Zuversicht. Zu der Zeit gab es, trotz aller schwelenden Konflikte, noch Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben im Nahen Osten. Spätestens mit dem 07. Oktober ist diese Hoffnung Geschichte geworden. Hamas und Paliwood haben ja klar bewiesen, wer keinen Frieden will. Dennoch gibt es weltweit, vor allem aus sogenannten antikolonialen Bewegungen, Bestrebungen, Musiker aus Israel zu boykottieren.
Jetzt herrscht in Israel eigentlich Krieg. Kann man im Krieg Musik machen? Ja, wie SUBMASQ eindrücklich zeigen. Hat der Krieg Einfluss genommen auf den Sound? Davon ist auszugehen, klingen SUBMASQ doch heute stellenweise etwas finsterer als ich sie in Erinnerung habe. Auch wenn „Spirit Animal“ bei weitem nicht finster und böse klingt. Die aktuelle Lage ist auch gar nicht mal so Thema. Es ist eher eine autobiografische Reise durch Trauma, Sucht, bipolare Störung und kollektives Gedächtnis. Im Kern geht es um die ständige Suche nach Identität und Zugehörigkeit.
Für den Opener ´Cardamom´ wurde als Gast Ron Bumblefoot Thal gewonnen, der mich vor allem bei den Sons Of Apollo schwer beeindruckt hat mit seinem Spiel. Das Stück beginnt mit einheimischen Klängen, die zum Tanze locken, ehe sich daraus eine schwer rockende Nummer entwickelt. Orientalische Klänge verleihen diesem Stück Musik die Würze, die der Titel schon verspricht. Wäre das mal ein Thema für ein Album? Wie klingen Kreuzkümmel, Chilli oder geräucherte Paprika? Ein gefühlvolles Gitarrensolo setzt dem Stück die Krone auf. Und erst der Chorus!
Eher metallisch klingt die erste Single ´Monuments´. Drama, Zorn, da passen auch die eingestreuten Growls von Sänger Davidavi Dolev. Der Chor im Hintergrund bringt eine gewisse „spooky“ Note ein. ´Mechanical Prayers´ glänzt mit einem funky tanzbaren Refrain, ehe Morsetöne in ´Calypso´ einleiten. Die Nymphe Calypso war eine Station der Odyssee. Sieben Jahre hielt sie den Schiffbrüchigen fest. Irgendwie habe ich beim Hören Naomie Harris vor Augen in den „Piraten der Karibik“. Der Beginn von ´Anger´ klingt so gar nicht wütend. Diesen Beat könnte ich mir auch in einer klassischen Rockdisco vorstellen.
SUBMASQ legen hier ein wirklich starkes Album hin. Man bekommt neun neue Songs, die mutiges, eingängiges Songwriting zeigen und gleichzeitig ethnische Instrumente mit zukunftsweisendem progressivem Rock nahtlos verbinden. Vor allem beeindruckt der Gesang. Davidavi erreicht eine Tiefe, die selten erreicht wird. Irgendwie fühlt es sich an, als würde man das gemeinsame Kind von David Bowie und Andrew Eldritch. Hört einfach mal in ´Sanctified´ rein.
Und immer wieder. Bei allem Zweifel, bei allem Zorn, so wunderschöne positive Momente. Das Leben geht weiter. Im Großen wie im Kleinen. Oder, um mit Boy George zu sprechen, wir werden alle wieder tanzen. SUBMASQ live erleben, wenn sie auf Tour kommen, im Winter zusammen mit Rhapsody Of Fire. Spätestens dann dürfen wir es wieder feiern. Das Leben. Die Zuversicht.
Mario Wolski vergibt 9,5 von 10 Punkten


