SAGENBRINGER
Titel: SAGENDARIUM (EP)
Label: NoCut
Spieldauer: 13:56 Minuten
VÖ: 11. September 2026
Endlich darf ich eine VÖ von SAGENBRINGER besprechen, auch wenn es „nur“ eine EP ist – die sich jedoch Tolkiens Mittelerde widmet. Ein Paradies für mich, denn ich habe die Bücher gelesen, die Filme verschlungen und das MMORPG gezockt – auch wenn WoW die Überhand behielt. Warum die sympathische Band und ihre tolle Musik bisher nie den Weg auf meinen Schreibtisch gefunden haben, weiß ich nicht. Vielleicht steckt ja Sauron, der böse Wicht, dahinter. Letzten Endes siegt das Licht und ich bin gespannt auf das „Sagendarium“! Doch zunächst möchte ich euch – wie es in meinen Artikeln gang und gäbe ist – SAGENBRINGER vorstellen. 2021 gegründet, gehören SAGENBRINGER mittlerweile zu den spannendsten Vertretern der deutschsprachigen Folk- und Pagan-Metal-Szene. Was als kreatives Projekt von Gitarrist Skjomi begann, entwickelte sich nach dem Einstieg von Sänger Haldruhir sowie Bassist Azaril und Schlagzeuger Trygve schnell zu einer festen Band. Bereits mit ihrer Debüt-Single ‚Blutmarsch‘ und dem selbstbetitelten Debütalbum „Sagenbringer“ (2022) machten die vier erstmals auf sich aufmerksam. Mit „Zeit der Geschichten“ (2024), der EP „Gefährten“ (2025) und zuletzt „Zwischen den Welten“ (2026) bauten sie ihren Ruf kontinuierlich aus und erspielten sich mit Auftritten beim Wolfszeit Festival, Dark Troll, Ragnarök, Sternenklang, Rockharz und Wacken Open Air sowie Tourneen mit VARG, NACHTBLUT und TANZWUT einen festen Platz in der Szene.
Mit „Sagendarium“ schlagen SAGENBRINGER nur wenige Monate nach ihrem dritten Studioalbum „Zwischen den Welten“ das nächste Kapitel auf. Statt nordischer Mythologie und klassischer Volkssagen widmen sich die vier diesmal erstmals der Welt von J. R. R. Tolkien und zollen dem Begründer der modernen Fantasy mit drei neuen Songs Tribut. Bilbos legendärer hundertundelfzigster Geburtstag, der Ritt der Rohirrim sowie die Haradrim an der Seite Saurons bilden dabei die Grundlage der EP, die pünktlich zum Start der „Herz aus Stein“-Tour mit TANZWUT erscheint. Genug der Vorrede – packen wir das Lembas-Brot ein, gürten die Schwerter und folgen SAGENBRINGER auf ihrer musikalischen Reise durch Mittelerde.
Mit ‚Hundertundelfzigster Geburtstag‘ haben SAGENBRINGER eine tolle und liebevolle Version dessen gezaubert, was Leseratten und Filmfans zu Beginn der „Herr der Ringe“-Trilogie sofort in den Bann von Tolkiens Universum zieht: Bilbos legendärer hundertundelfzigster Geburtstag. Es ist der Tag, an dem ganz Hobbingen zusammenkommt, ausgelassen feiert und Bilbo Beutlin nach seiner berühmten Abschiedsrede mithilfe des Einen Rings spurlos verschwindet. Gleichzeitig beginnt damit die Geschichte, die schließlich das Schicksal ganz Mittelerdes verändern sollte. Das Lied sprüht nur so vor Folkvibes, tollen Flötentönen und jeder Menge guter Laune. Sogar Zitate der Hobbits haben ihren Weg in den Song gefunden und sorgen dafür, dass man sich unweigerlich auf Bilbos Festtafel zwischen reichlich Essen, Met und Pfeifenkraut wiederfindet. Fans der Bücher und Filme bekommen sofort die Bilder vor Augen, die Tolkien einst mit seinen Worten erschaffen und Peter Jackson später eindrucksvoll auf die Leinwand gebracht hat. Genau dieses Gefühl fangen SAGENBRINGER hervorragend ein und machen den Opener zu einer liebevollen Hommage an einen der bekanntesten Momente der Fantasy-Geschichte – ein toller Auftakt dieser EP.
Als die ersten Töne von ‚Reiter Rohans‘ erklingen, kommt mir schon bei den ersten Rufen „Reiter Rohans, Reiter Rohans“ die Gänsepelle. Die Nummer ballert anschließend mächtig nach vorne, kommt mit knackigen Riffs und dem legendären Schlachtruf „Ein Schwerttag, ein Bluttag“ um die Ecke – auf in die Headbanger-Schlacht! Galoppierende Drums, treibende E-Gitarren und das regelrechte Kriegsgeheul aus der Kehle von Sänger Haldruhir lassen die gewaltige Attacke der Rohirrim auf den Pelennor-Feldern musikalisch wieder aufleben. Spätestens jetzt sieht man Éomer und seine Reiter förmlich auf die Reihen Mordors zustürmen. Ein verdammt starker Song, der die Wucht einer der ikonischsten Schlachten aus Tolkiens Mittelerde hervorragend einfängt.
Mit ‚Haradrim‘ sind wir bereits am Ende der EP angekommen. Vor uns liegt jedoch ein Lied, das düster, kraftvoll und wuchtig aus den Boxen knallt. SAGENBRINGER widmen sich darin den Haradrim – den Kriegern aus dem Süden Mittelerdes, die unter dem Einfluss Saurons in den Krieg gegen Gondor ziehen. Druckvolle Riffs, epische Folk-Klänge und jede Menge Atmosphäre sorgen dafür, dass man die marschierenden Heere förmlich vor sich sieht. Bang your Head, Krieger!
Eine bockstarke EP mit jeder Menge Verweisen auf Tolkiens Mittelerde, die cineastisch das in die Ohren bringt, was Millionen Leser zuvor in den Büchern und Zuschauer später auf der Leinwand erleben durften. SAGENBRINGER fangen die Atmosphäre der Geschichten hervorragend ein und verwandeln sie in drei mitreißende Folk-Metal-Hymnen. Live werden die drei Songs sicherlich ebenfalls mächtig Bock machen. Ob nun der Ruf „Reiter Rohans!“ oder „Ha-ra-drim!“ durch die Konzerthallen und über die Festivalgelände schallt – ein Fest wird es auf alle Fälle. Und das feiert man am besten gemeinsam mit seinen Gefährten mitten im Battlefield vor der Bühne.
Tobi Stahl vergibt 8,5 von 10 Punkten


