NAVARONE – CODA LIVE AT DOORNROOSJE

NAVARONE

Titel: CODA LIVE AT DOORNROOSJE

Label: Suburban Records

Spieldauer: 150:21 Minuten

VÖ: 19. April 2024

Meine erste Begegnung mit dieser niederländischen Band ist schon eine ganze Weile her. Als im Juni 2014 Extreme in Mannheim spielten, war ich mit dabei und NAVARONE waren Vorband. Diese war tatsächlich eine große Überraschung und einer der besten unbekannten Opener, die ich erleben durfte. Mit nicht viel gerechnet haben die mich einfach umgeblasen. Als schlußendlich der psychedelische Longtrack ´Sage´ aus den Boxen schallte, gab es kein halten mehr.

Ein Album später, wieder waren sie in der Stadt. Nie davor und danach bin ich wegen der „Vorband“ in ein Konzert. Auch hier, ein begeistertes Publikum, auch wenn der Laden leider zu leer war. Typisch für diesen Abend war, beim Hauptact Wolvespirit war an der Theke mehr los als vor der Bühne. Danach entwickelten sich über den Fanclub viele Kontakte in unser schönstes Nachbarland. Einige Leute durfte ich dann auch bei einem Konzert in Rotterdam treffen. Und „Salvo“ war das erste Album, das ich je rezensieren durfte.

Später verfolgte ich, wenn auch nur übers Netz, die Teilnahme der Band an der holländischen Voice. Weltweit waren NAVARONE die erste Band, die teilnahm. Bis heute ist mir nicht klar, ob der Schritt richtig war, oder der Anfang vom Ende. Beim nächsten Album „V“ war nämlich auch zu spüren, dass irgendetwas nicht mehr stimmte. Es war nicht schlecht, aber irgendwie fehlte der Dampf. Auch die Corona-Zeit haben sie wohl nicht so ganz gut weggesteckt. Aber da will ich nicht spekulieren. Bis die Nachricht kam von der geplanten Auflösung und den Abschiedskonzerten. Der Verkauf ging so rasant, dass man auf drei Abende Anfang Januar 2024 gehen musste. Dabei wurde auch diese Doppel-CD aufgenommen. Ein Trostpflaster für Leute, die keine Chance hatten, dabei zu sein. Und Abschiedsgeschenk.

Natürlich ist außen wie innen alles NAVARONE. Das beginnt bei der traditionell einfachen Graphik. Doch vor allem ist es die Musik. Das Quintett aus Nijmegen hat schon immer viele Vorbilder und Einflüsse integriert. NAVARONE kommen aus dem Classic Rock, die ersten Förderer waren unter anderen Golden Earring. Die Band hat eine Schlagseite gen Alternative, können aber auch Blues und Pop. Säner Merijn van Haren kennt man auch von Projekten zu Queen und den Beatles. Auch die kommen gerne mal durch. Die Gitarristen Kees Lewiszong und Roman van Huijbreghs sind wahre Saitenhexer. Die Rhythmusgruppe Robin Assen (Drums) und Bram Versteeg (Bass) sorgt für ein solides und sicheres Fundament.

Der Hörer bekommt eine volle, schier ausführliche Setlist. 31 Songs finden sich auf zwei CDs, 31 Songs, die zumindest bei mir keine Wünsche aufkommen lassen. Alle Alben sind vertreten, auch ein paar selten gespielte Perlen wie ´Quarter Rest´ finden sich. Natürlich dürfen die Fanfavoriten nicht fehlen. Und je später der Abend, desto lauter das Publikum. Es ist NAVARONE gelungen, die Spannung stetig zu steigern, selbst wenn es zwischendurch auch ruhige Momente gibt. Die erste Scheibe ist schon echt stark, die zweite ist einfach nur noch grandios. Doch es spricht schon für die Qualität einer Truppe, wenn schon in der ersten Hälfte Mitsingknaller kommen wie ´Wander´ und ´Surrender´, oder Geheimtipps wie ´Indigo Blue´.

Spätestens mit ´December´ setzen NAVARONE zu ihrem letzten Siegeszug an. ´Sage´, ´Devil’s Ferry´, ´Snake´, ´Unmistakably Everything´, hier sind sicher Tränen geflossen. Es ist „nur“ das Ende der Band, nicht ´The End Of The World´. Dennoch, für Fans dürften viele ´Lonely Nights´ folgen, wenn nicht mehr nachkommt, von ihrer Band. Andererseits, es wurde versprochen, alle machen weiter Musik. So gibt es von Roman wohl schon erste Solosongs zu hören.

Dass mein absoluter Lieblingssong ganz am Ende steht, liegt in der Natur der Sache. ´Days Of Yore´ ist einfach zu groß, um mitten im Set zu verschwinden. Wie sagt die Band selbst: „It’s been loud and emotional.“ Da ist nichts hinzuzufügen. Außer die Feststellung meinerseits, neben Transatlantic und den Tygers Of Pan Tang ist „Coda“ das dritte für mich wirklich relevante, Gänsehaut erzeugende, Tränen drückende Livealbum in kürzester Zeit.

Dank je well und Tot ziens, NAVARONE

Foto: Femme de Schepper

 

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