IN THIS MOMENT – WITCH

IN THIS MOMENT

Titel: WITCH

Label: Better Noise Music

Spieldauer: 49:48 Minuten

VÖ: 28. August 2026

IN THIS MOMENT wurden 2005 von Sängerin Maria Brink und Gitarrist Chris Howorth gegründet und haben sich seitdem zu einer festen Größe im modernen Metal entwickelt. Mit „Beautiful Tragedy“ erschien 2007 das Debüt, 2008 folgte „The Dream“ und 2010 „A Star-Crossed Wasteland“. Heute stehen neben Brink und Howorth Travis Johnson am Bass, Randy Weitzel an der Rhythmusgitarre und Kent Diimmel am Schlagzeug. Mit „Witch“ steht nun das neunte Studioalbum der US-Amerikaner auf dem Programm und gleichzeitig das Debüt bei Better Noise Music. Elf Songs und Gäste wie DAYSEEKER, KIM DRACULA und Kat Von D stehen diesmal auf dem Programm. Nachdem „Godmode“ bei mir vor allem mit seiner düsteren Atmosphäre, Goth-Pop-Vibes und Maria Brinks grandiosem Gesang punkten konnte, mir aber etwas mehr Geballer, Breakdowns und typische Metalcore-Elemente wie auf „Blood“ gefehlt haben, bin ich gespannt, was „Witch“ diesmal aus dem Hexenkessel holt.

Maria Brink beschreibt „Witch“ so:

„“Witch“ ist meine Erklärung für innere Transformation. Es geht darum, die Dualität in mir anzunehmen – Schmerz, Verfolgung und Kampf zu nehmen und sie in Stärke und Kraft zu verwandeln. Das Album spiegelt sowohl uralte Prüfungen als auch meine eigene Reise wider – wobei ‚Hexe‘ zu sein bedeutet, eine Schöpferin zu sein, die mit dem Universum verbunden ist und ihre eigene Realität manifestiert.“

Jetzt hören wir uns an, was IN THIS MOMENT aus ihrem Hexenkessel zaubern und ob „Witch“ wieder etwas mehr Feuer und Härte als „Godmode“ in die Bude bringt.

Möchte man die Verbindung zu Hexen und deren atmosphärischer Aura herstellen, so sind die ersten Sekunden von ‚Shame‘ absolut geeignet dafür – aber danach geben IN THIS MOMENT mächtig Dampf in Form aggressiver Gitarren, harscher und natürlich auch klarer Vocals. Wobei mir jene mit mehr Wut klar besser gefallen. In ‚I Want To Believe‘ wird jeglicher Druck des Openers zurückgefahren und mit DAYSEEKER ist die 2012 gegründete Metalcore-/Post-Hardcore-Band aus dem kalifornischen Orange County mit von der Partie. Das Lied weiß zu gefallen, kann mit seinen düsteren Vibes trumpfen und wird im Verlauf fordernder – trotzdem hätte ich mir auch im zweiten Song gewünscht, dass IN THIS MOMENT auf den Kessel hauen und mir die Boxen abfackeln. Als Nächstes haben die US-Metaller das als Single veröffentlichte ‚Crawl‘ im Gepäck. Maria Brink beschreibt den Song als eine Abrechnung mit denjenigen, die andere dominieren und Schmerz verursachen. Letztlich, so Brink, würden diejenigen, die einst hoch standen, auf die Knie gebracht und mit den Konsequenzen ihres Handelns konfrontiert. Checkt das Ding gerne inklusive Video ab, lohnt sich. Nach dem mehr oder minder langsamen ‚Into The Dark‘ geht es mit ‚Sleeping With The Enemy‘ endlich wieder knackiger zur Sache. Die Verzerrer bekommen Arbeit, der Nacken auch, die Vocals sind eindringlicher und die Bässe wemsen ordentlich. Maria erklärt zur neuen Single und dem kommenden Album: „Mit ‚Sleeping with the Enemy‘ und unserem kommenden Album stellen wir uns der Dunkelheit – sei sie nun in uns selbst oder außerhalb von uns. Es geht darum, dieser Dunkelheit ins Gesicht zu sehen und sie in Kraft zu verwandeln. (…)“

Die bedrohlichen Vibes in ‚Wrapped Around Your Finger‘ machen unheimlich Spaß, die Vocals sind geheimnisvoll, fast sehnsüchtig und so unter die Haut gehend, dass man sich darin verlieren kann. In ‚Heretic‘ ist KIM DRACULA dabei – mein bisheriger Highlightsong. Diese Schwärze des Künstlers, der auch auf dem Summer Breeze 2026 war, ist top. Die Atmosphäre, die er erschafft, passt zu IN THIS MOMENT und zu ‚Heretic‘. Emotional und tiefgängig sind ‚Father‘ und ‚Without Me There’s No You‘ – hier mag ich die ruhige und verletzliche Seite der Band sehr und kann nur einen absoluten Hörtipp raushauen. Das Cover von ‚Another Brick In The Wall (Feat. Kat Von D)‘ ist schon das zweite in diesem Jahr, das erste stammt von FINSTERFORST, und beide haben ihre Berechtigung, weil sie toll gemacht sind und die Liebe zum Klassiker hörbar ist. Die sieben Minuten von ‚Something I Can Never Have‘ beschließen „Witch“ und sind gleichzeitig einer der persönlichsten Momente des Albums. Der Song stammt ursprünglich von NINE INCH NAILS, deren Einfluss IN THIS MOMENT schon seit den Anfangstagen begleitet. Maria Brink wollte das Stück bereits auf dem Vorgänger veröffentlichen, wartete aber auf den richtigen Zeitpunkt. Jetzt ist er offenbar gekommen und das Cover passt richtig gut zum Album. Gleichzeitig zeigt die Nummer, dass Weiterentwicklung nicht immer bedeutet, die Vergangenheit komplett hinter sich zu lassen – manchmal darf man auch einfach zurückblicken und einen Klassiker auf seine eigene Art neu aufleben lassen.

„Witch“ gefällt mir besser als „Godmode“ und ist für mich ein Schritt in die richtige Richtung. Entscheidend druckvoller ist das Album zwar nicht geworden, dafür weniger poppig und deutlich düsterer. Gerade diese dunklere, bedrohliche Atmosphäre steht IN THIS MOMENT gut und eröffnet verschiedene Stimmungsebenen. Dazu kommen die starken Vocals von Maria Brink, die wütend, eindringlich, geheimnisvoll und verletzlich funktionieren können. ‚Heretic‘ feat. KIM DRACULA ist für mich ein Highlight, während ‚Father‘ und ‚Without Me There’s No You‘ die ruhige und verletzliche Seite der Band zeigen. Auch die beiden Coverversionen passen gut ins Gesamtbild und machen deutlich, dass IN THIS MOMENT ihre Einflüsse nicht verstecken müssen. Wenn das der Weg ist, den die Band weitergeht, darf gerne noch mehr davon kommen.

Tobi Stahl vergibt 8 von 10 Punkten