HOLLYWOOD VAMPIRES
Titel: AT MONTREUX JAZZ FESTIVAL
Label: EARMUSIC/EDEL/KONTOR NEW MEDIA
Spieldauer: 95:18 Minuten
VÖ: 14. August 2026
Dem Vorurteil, als reine Freizeitbeschäftigung einiger abgehalfterter Rockstars und eines Hollywood Beaus zu dienen, dürften die HOLLYWOOD VAMPIRES so langsam entwachsen sein. Auch wenn sie selbst manchmal mit dem Ruf der teuersten Coverband unseres Planeten kokettieren.
Die Rock-Supergroup besteht aus Alice Cooper, Johnny Depp, Joe Perry (Aerosmith) und Tommy Henriksen. Die vier Herren veröffentlichen mit “At Montreux Jazz Festival“ ein eindrucksvolles Live-Dokument ihrer legendären Performance bei der 2018er Ausgabe des seit 1967 in der am Genfer See gelegenen Stadt ausgetragenen Musikereignis.
Gitarrist Tommy Henriksen, der auch festes Mitglied in der ALICE COOPER-Band ist, wurde erst vor vier Jahren in den elitären Kreis aufgenommen, ist hier also noch als einer von vielen Gästen auf der Bühne zu hören. Das selbstbetitelte Debüt (2015) enthielt fast nur Cover-Songs, während das zweite Studioalbum “Rise“ (2019) zum weit überwiegenden Teil eigene Stücke enthielt. Mit `I Want My Now´ und `Raise the Dead´ starten zwei dieser eigenen Songs das Set, gefolgt von der ersten, zeitlosen `I Got a Line on You´ Coverversion der L.A. Rocker Spirit.
Die Live-Potenz der illustren Truppe wurde erst 2023 durch das CD/Blu Ray Konzert-Dokument “Live In Rio“ in Bild und Ton dokumentiert. Über Sinn und Unsinn des nun bereits zweiten Live-Albums, das im Übrigen nur als Doppel-CD und Vinyl, aber nicht fürs Heimkino erscheint, lässt sich also trefflich streiten. Wenigstens sind nur wenige Songs auf beiden Aufnahmen enthalten.
Das bluesige `My Dead Drunk Friends´ wird gefolgt von einer kraftvollen Version von ´Five to One/Break On Through´. Alice Cooper erweist sich wie gewohnt als passionierte, unterhaltsame Rampensau und läutet den Song mit einer kurzweiligen Anekdote über ein Treffen mit den Doors ein. Danach zollt die Band AC/DC mit einer donnernden Interpretation von `The Jack´ ihren Tribut und setzt mit dem von Basser Chris Wyse stark vorgetragenen Motörhead-Cover `Ace Of Spades´ als Tribut an Lemmy noch einen drauf, was das Publikum entsprechend goutiert.
Die Live-Aufnahme bringt rohe Energie, Spielfreude und ehrliche Verbeugungen vor einigen legendären Künstlern zum Ausdruck. Ein Alice Cooper Gassenhauer wie das umjubelte `I’m Eighteen´ sowie die beiden, gerne auch mal von Perry intonierten Aerosmith Hits `Combination´ und ´Sweet Emotion´ dürfen in der Setliste des Abends natürlich auch nicht fehlen. Bei der von Jonny Depp performten David Bowie Hommage `Heroes´ ereilt mich allerdings so ein kurzer „Schuster bleib bei deinen Leisten“ Moment, aber gut…
Ihre unverwechselbare Mischung aus theatralischem Rock, Respekt vor ihren musikalischen Vorbildern sowie großer Energie und Kameradschaft bringt das Quartett mit weiteren gefeierten Neuinterpretationen wie `People Who Died´ (The Jim Carroll Band) und `Train Kept A-Rollin’´ Tiny Bradshaw) zum Ausdruck, bevor `School´s Out´ gespickt mit `Another Brick in The Wall´ Versatzstücken das fulminante Finale bildet.
Das Album enthält neben `Ace Of Spades´ weitere bisher unveröffentlichte Coverversionen. Ob diese Dokumentation jetzt wirklich unbedingt nötig ist, bleibt dem geneigten potenziellen Käufer und Fan wie immer selbst überlassen. Spaß und Spielfreude aller Beteiligten ist jedenfalls deutlich hör- und spürbar. Gute 90 Minuten zeitlose Rockmusik mit dem Potential, Generationen zu verbinden. Großartige Songs, herausragende Musikalität und echte Leidenschaft kommen eben niemals aus der Mode.
Michael Gaspar vergibt keine Bewertung


