CREMATORY
Titel: GREATEST HITS
Label: ROAR
Spieldauer: 133:51 Minuten
VÖ: 15. Mai 2026
Als “Kind der Region” sind mir CREMATORY natürlich bestens vertraut – und eigentlich kennt jeder, der sich mit Metal und seinen verschiedenen Spielarten beschäftigt, die Kurpfälzer Gothic-Metaller um Felix Stass (Vocals), Rolf Munkes (Gitarre), Oliver Revilo (Bass), Katrin Jüllich (Keyboards, Samples) und Markus Jüllich (Drums, Programming), die gemeinsam das Line-up des Jahres 2026 bilden. Die Band wurde im Januar 1991 in Westhofen von Schlagzeuger Markus Jüllich und Gitarrist Lothar Först gegründet und ist eine der prägendsten und bedeutendsten deutschen Metal-Bands. Als “Heimat” wird oft die Quadratestadt Mannheim, Baden-Württemberg, angegeben – ich denke jedoch, dass man sie durchaus als Kinder der Metropolregion Rhein-Neckar bezeichnen kann, also als echte Kurpfälzer. Ob nun Westhofen oder Mannheim – Hauptsache, es gibt die Band und ihr berühmtestes Lied ‘Tears Of Time’, das natürlich auch auf dem “Greatest Hits”-Album enthalten ist, über das wir heute berichten möchten.
Das “Greatest Hits”-Album ist in “Deutsche Hymnen” und “Englische Hymnen” gegliedert und erscheint am 15. Mai 2026 über ROAR! – als Doppel-LP, 3-CD-Set und in digitaler Form. Passend dazu gehen CREMATORY auf Tour, die sie unter anderem nach Mannheim, Wacken und Spanien führt – denn auch international ist die Kultband, die 2025 ihr aktuelles Album “Destination” veröffentlichte, nach wie vor gefragt. On top wurde der Backkatalog neu aufgelegt, was zahlreiche neue Fans ins CREMATORY-Lager holte und die “alten” in Jubel ausbrechen ließ ob der vielen Perlen, die nun wieder verfügbar sind. 35 Jahre sind eine lange Zeit – und mittlerweile sieht man Großväter, die mit ihrem Nachwuchs und dem Nachwuchs vom Nachwuchs zu Konzerten gehen. Großartig, dass sich Musik von Generation zu Generation quasi vererbt.
In diesen über drei Dekaden veröffentlichten CREMATORY insgesamt 17 Studioalben sowie zahlreiche Live-Veröffentlichungen und Compilations – eine beeindruckend konstante Diskografie, die die Band zu einem der langlebigsten Acts des deutschen Gothic Metal macht. Hier eine kompakte Übersicht der Studioalben:
1993 – “Transmigration” – 1994 – “…Just Dreaming” – 1995 – “Illusions” – 1996 – “Crematory” – 1997 – “Awake” – 1999 – “Act Seven” – 2000 – “Believe” – 2004 – “Revolution” – 2006 – “Klagebilder” – 2008 – “Pray” – 2010 – “Infinity” – 2014 – “Antiserum” – 2016 – “Monument” – 2018 – “Oblivion” – 2020 – “Unbroken” – 2022 – “Inglorious Darkness” – 2025 – “Destination”
Live / Compilations:
“Live … at the Out of the Dark Festivals” (1997), “Early Years” (1999), “Remind” (2001), “Live Revolution” (2005), “Black Pearls” (2010)
Demo: 1992 – “Demo”
Wer sich intensiver mit der Bandgeschichte beschäftigt, stößt zwangsläufig auch auf zahlreiche Besetzungswechsel – ein Blick darauf lohnt sich.
Die Geschichte von CREMATORY beginnt im Jahr 1991, als sich die Band um Gerhard “Felix” Stass (Gesang), Lothar “Lotte” Först (Gitarre, bis 1998), Markus Jüllich (Schlagzeug), Katrin Jüllich (Keyboards) und den damaligen Bassisten Marc Zimmer formierte. Bereits in dieser frühen Phase legte man den Grundstein für den charakteristischen Sound, der sich aus Härte, Atmosphäre und einem Gespür für Melodie zusammensetzt. In den darauffolgenden Jahren kam es zu ersten personellen Veränderungen, insbesondere am Bass: Nach Heinz Steinhauser (1992–1993) übernahm Harald Heine diese Position und prägte den Sound der Band über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg bis 2016 maßgeblich. Eine weitere wichtige Phase begann mit dem Einstieg von Matthias Hechler (Gitarre, Clean Vocals) im Jahr 1999, der bis 2015 Teil der Band war und mit seinem klaren Gesang entscheidend zur stilistischen Weiterentwicklung beitrug – insbesondere hin zu einem stärker melodischen und gothic-geprägten Sound. Ab 2016 folgten mehrere Besetzungswechsel: Tosse Basler (Gitarre, Gesang) war bis 2018 Teil der Band, während Jason Mathias (Bass, 2016–2021) und Connie Andreszka (Rhythmusgitarre, Gesang, 2018–2021) die modernere Phase mitprägten. Auf der Bassposition folgte anschließend Patrick Schmid (2021–2024), bevor es erneut zu einer Veränderung kam. In der aktuellen Besetzung präsentieren sich CREMATORY heute mit Gerhard “Felix” Stass (Gesang), Rolf Munkes (Lead-Gitarre, seit 2016), Oliver Revilo (Bass, seit 2024), Markus Jüllich (Schlagzeug) und Katrin Jüllich (Keyboards) als gefestigte Einheit, die ihre langjährige Erfahrung mit einem modernen Sound verbindet und die Entwicklung der Band konsequent weiterführt.
Nicht nur, dass die heutigen Gothic-Metaller zahlreiche Alben veröffentlichten und sich als Band immer wieder neu erfanden, sie gingen auch konsequent den Weg vom Death-Metal-Genre hinüber in die Gothic-Szene und machten bereits früh mit intensiven Liveshows auf sich aufmerksam. Dabei gelang es CREMATORY von Anfang an, die Aggression des Death Metal mit melodischen und düsteren Elementen zu verbinden – eine Entwicklung, die sich über die Jahre hinweg zu einem atmosphärischen, teils industriell geprägten Sound verdichtete, der schwere Riffs, prägnante atmosphärische Klangflächen und unterschiedliche Gesangsstile gekonnt miteinander vereint, ohne dabei an Emotionalität oder Härte einzubüßen. Thematisch bewegen sich CREMATORY seit jeher zwischen Leben, Schmerz und innerer Zerrissenheit, getragen von einem Sound, der den Wechsel aus tiefen Growls, cleanem Gesang und atmosphärischen Klangflächen unverwechselbar miteinander verbindet. Bereits in den 1990er-Jahren erspielte sich die Band europaweite Anerkennung, gestützt von intensiven Live-Auftritten und einer treuen Fanbasis im Gothic- und Melodic-Metal-Bereich. Ein besonderes Merkmal bleibt dabei die Zweisprachigkeit: Songs auf Deutsch und Englisch erweitern die stilistische Bandbreite und sorgen für zusätzliche Reichweite.
Mit “Greatest Hits”, das am 15. Mai 2026 erscheint, blickt die Band nun auf diese Karriere zurück und bündelt zentrale Songs ihres Schaffens zu einem Überblick, der sowohl für langjährige Fans als auch für Neueinsteiger funktioniert – und genau diesen werfen wir nun als “Kind der Region”, das CREMATORY seit Jahren kennt und sich freut, über dieses Album berichten zu dürfen, einmal genauer in den Blick.
Tobi Stahl vergibt 9 von 10 Punkten


Mit ‘Greed’, dem brachialen Banger ‘Pray’, der treibenden Nummer ‘Shadowmaker’, dem tiefgängigen ‘Ravens Calling’ und ‘Rise And Fall’ geht’s einmal quer durch die moderneren CREMATORY-Jahre. ‘Greed’ vom 2004er Album “Revolution” bringt Themen wie Gier, Abhängigkeit und Selbstzerstörung direkt auf den Punkt – roh, treibend und mit klarer Aussage. Mit ‘Pray’ (2008) wird es noch deutlicher und entwickelt sich zu einem Abgesang auf falsche Propheten, Manipulation und blinden Glauben. Mit ‘Shadowmaker’ (“Antiserum”, 2014) zieht die Band ihren Sound hörbar in die Gegenwart – mehr Industrial-Anteile, mehr Elektronik, ohne die typischen Trademarks zu verlieren. ‘Ravens Calling’ (“Monument”, 2016) führt diesen Weg konsequent weiter, während ‘Rise And Fall’ (“Unbroken”, 2020) CREMATORY in ihrer modernen Phase zeigt: klar strukturiert, druckvoll produziert und mit der gewohnt starken Mischung aus Härte, Melodie und Atmosphäre. Mit ‘Inglorious Darkness’ geht’s dann weiter zum gleichnamigen Album aus dem Jahr 2022, das über Napalm Records erschienen ist und optisch schon mit seinem starken, düsteren Artwork sofort ins Auge fällt. Eingespielt wurde die Platte von Markus Jüllich (Drums), Felix Stass (Vocals), Katrin Jüllich (Keyboards, Samples), Rolf Munkes (Gitarre) und Patrick Schmid (Bass). Der Titeltrack steht dabei exemplarisch für diese Phase der Band: kompakter, moderner Gothic Metal mit klarer Struktur, elektronischen Elementen und diesem typischen Wechselspiel aus Härte, Melodie und Atmosphäre – reduziert auf das Wesentliche, aber mit ordentlich Druck dahinter.
Mit ‘Engulfed In Darkness’, ‘Face The Unknown’, ‘Prophecies Of The Last Days’ und ‘Bury All Life’ geht’s am Ende nochmal ganz zurück zu den Wurzeln von CREMATORY. Die Songs stammen ursprünglich von der ersten Demo “Crematory”, die im Februar 1992 in Eigenregie als Kassette veröffentlicht wurde, und wurden später unter dem Titel “Engulfed In Darkness” erneut aufgegriffen bzw. 2025 nochmals offiziell zugänglich gemacht. Hier hört man die Band noch tief im Death-Metal-Untergrund verwurzelt: roh, ungeschliffen und deutlich aggressiver als alles, was später kam. Genau dieser Abschluss zeigt nochmal eindrucksvoll, wo CREMATORY herkommen – bevor sich ihr Sound über die Jahre in Richtung Gothic Metal, Elektronik und Atmosphäre weiterentwickelt hat. Gerade diese Zusammenstellung als eigenständige EP auf CD 3 ist dabei eine ziemlich coole Sache und dürfte vor allem für Sammler und langjährige Fans ein echtes Highlight sein – auch wenn sie im vorliegenden Review-Paket nicht enthalten war, sodass wir an dieser Stelle leider keinen eigenen Höreindruck dazu liefern können.