BEHEMOTH
Titel: I, SCVPLTOR
Label: Massacre Records / New Aeon Musick
Spieldauer: 40 Minuten
VÖ: 04. September 2026
BEHEMOTH sind nicht gerade dafür bekannt, zwischen zwei Studioveröffentlichungen lange den Fuß vom Gaspedal zu nehmen, trotzdem ist es schon ein bisschen ungewöhnlich, dass gerade einmal ein Jahr nach „The Shit Ov God“ bereits neues Material aus dem polnischen Lager kommt. 2025 legten Nergal, Inferno und Orion mit Album Nummer 13 ein verdammt starkes Werk vor, das für mich mit seiner Mischung aus schwarzer Atmosphäre, brachialen Gitarrenattacken, rasenden Drums und Nergals giftigen Vocals genau das lieferte, was man von BEHEMOTH erwarten darf. Schon der Opener ‚The Shadow Elite‘ kam wie ein Schlachtruf für Ausgestoßene, Anarchisten und Freigeister aus den Boxen, während ‚Sowing Salt‘ atmosphärisch tief ging und ‚The Shit Ov God‘ selbst mit martialischen Screams und düsterer Brutalität keine Fragen offenließ. Songs wie ‚Lvciferaeon‘, ‚To Drown The Svn In Wine‘, ‚Nomen Barbarvm‘ und ‚O Venvs, Come!‘ zeigten gleichzeitig, dass BEHEMOTH mehr können, als einfach nur alles niederzublasten. Für mich gingen die Polen ihren Weg mit „The Shit Ov God“ konsequent weiter und machten genau das, was sie seit Jahren auszeichnet: polarisieren, provozieren und dabei musikalisch auf höchstem Niveau abliefern.
Dass nun bereits ein Jahr später mit „I, Scvlptor“ eine neue Veröffentlichung ansteht, macht die Sache umso interessanter. Zumal es sich nicht einfach um irgendwelche übrig gebliebenen Songs aus den „The Shit Ov God“-Sessions handelt, sondern um ein eigenständiges Werk, das laut Nergal eine Brücke zwischen der Vergangenheit und dem Neuen, Frischen schlagen soll. Und genau diese Vergangenheit von BEHEMOTH ist durchaus spannend. Ich hatte bereits „Grom“ aus dem Jahr 1996 und „Pandemonic Incantations“ von 1998 unter der Lupe. Gerade „Pandemonic Incantations“ markierte einen wichtigen Wendepunkt, denn BEHEMOTH verabschiedeten sich damals zunehmend von ihren frühen Black-Metal-Pfaden und entwickelten ihren aggressiveren, komplexeren Black/Death-Metal-Sound. Die Neuauflage zeigte zudem, wie viel DNA aus dieser Phase auch Jahrzehnte später noch in der Band steckt.
„I, Scvlptor“ greift nun genau diese verschiedenen Kapitel auf. Neben brandneuen Songs finden sich neu eingespielte Stücke aus der Frühphase, ein Outtake aus den Sessions zu „The Shit Ov God“ sowie zwei Coverversionen von Bands, die BEHEMOTH maßgeblich beeinflusst haben. Rund 40 Minuten dauert die Platte und stellt damit eine Verbindung zwischen dem alten BEHEMOTH und der heutigen Band her. Gerade dieser Spagat macht mich neugierig, denn hier treffen nicht einfach nur neue Songs auf Archivmaterial – die alten Stücke wurden mit dem aktuellen Sound und Spiel der Band neu aufgebaut.
Formate & Editionen
„I, Scvlptor“ erscheint am 4. September 2026 weltweit physisch über Massacre Records auf CD, LP, MC und als limitiertes Box-Set.
Massacre Records:
- CD-Digipak
- Mini-Kassette, limitiert auf 500 Exemplare
- schwarzes 12″-Vinyl im Gatefold
- Gold/Black-Splatter-LP, limitiert auf 170 Exemplare
- Black/Gold-Sunburst-LP, limitiert auf 170 Exemplare
- Black/White-Splatter-LP, limitiert auf 170 Exemplare
- Limited Box-Set, limitiert auf 550 Exemplare, inklusive LP, Digibook-CD, MC, T-Shirt und signiertem Kunstdruck
Darüber hinaus gibt es verschiedene exklusive Vinyl-Varianten über den BEHEMOTH-Webstore und weitere internationale Vertriebspartner.
New Aeon Musick – die exklusive BEHEMOTH-Edition
Besonders für Sammler ist die hauseigene Veröffentlichung über New Aeon Musick. Die exklusiven Editionen enthalten zusätzlich eine 7″ mit „I, Scvlptor / TSOG“, die es bei keiner anderen Pressung gibt. Auf der 7″ befinden sich ‚I, Scvlptor‘ als Rehearsal Extended Version sowie ‚The Shit ov God‘ als Liveaufnahme aus Athen 2026.
Die spezielle 12″-Edition kommt als 180-g-Gatefold-Vinyl bei 33 RPM, ist von Nergal, Inferno und Orion signiert und enthält ein handnummeriertes Zertifikat. Die dazugehörige 7″ ist auf klarem Aether-Vinyl bei 45 RPM gepresst. Das Artwork, die Sigillen und das Design stammen von Bartek Rogalewicz / LODGE.BLACK.
Zusätzlich gibt es über New Aeon Musick weitere limitierte Varianten, darunter eine auf 100 Exemplare limitierte Liquid-Vinyl-Ausgabe sowie ein auf 500 Exemplare limitiertes Deluxe-CD-Digibook.
Also dann: Nach „The Shit Ov God“ ist vor „I, Scvlptor“ – schauen wir mal, wie viel Vergangenheit in diesem neuen Kapitel steckt und ob BEHEMOTH damit erneut ordentlich unheiliges Feuer entfachen.
Mit dem infernalen Titeltrack eröffnet das Album so böse, so brachial, wie wir BEHEMOTH anno 2026 kennen. Der „Scvlptor ov aeons and worlds“ formt Giganten nach seinem Ebenbild und kämpft dabei gegen die eigenen Grenzen. Untermalt von rasenden Gitarren, Schlagzeugsalven und Basslinien, die sich ihren Weg in eure Synapsen suchen und ihn finden, steht der Song in der Tradition monumentaler BEHEMOTH-Nummern wie ‚O Father O Satan O Sun!‘, ‚Lucifer‘ oder ‚Nieboga Czarny Xiądz‘, eröffnet aber gleichzeitig ein neues Kapitel. Das dazugehörige Video ist absolut sehenswert und passt mit seiner düsteren Bildsprache perfekt zur Wucht des Songs. ‚Lord ov the Horizons‘ beginnt nicht ganz mit der unheiligen Feuerlanze, die Nergal, Orion, Inferno und Seth entfachen können. Man wird erst langsam an die Wucht des zweigeteilten Liedes herangeführt, die mit vier blitzartigen Gitarrenparts eingeläutet wird – danach wird es heiß. Der zweite Part wird dabei direkt und kämpferisch angekündigt und katapultiert den Song endgültig in eine andere Dimension. Der luziferische Faden von BEHEMOTH wird hier aufgegriffen, während sich das Stück musikalisch deutlich experimenteller zeigt. In ‚Rise of the Blackstorm of Evil‘ reisen wir nach 1992 zurück – BEHEMOTH in Kinderschuhen und mit dem Demo „The Return of the Northern Moon“ am Start. Die Portierung in die Neuzeit macht aus dem alten Stück keine völlig neue Nummer, aber einen verdammt dampfwalzigen Brecher. Die Grundstruktur und der rohe Geist des Originals bleiben erhalten, gleichzeitig wurde der Song mit dem heutigen Sound und Spiel von BEHEMOTH neu aufgebaut. Ich sehe das Bühnenbild schon vor mir: Nergal auf einem Podest, „Satan give me thee Power“ to rise – und danach bricht die Feuerhölle aus sägenden Gitarren, knurrendem Nergal, hagelnden Bässen und schwarzer, Death-Metal-getränkter Dunkelheit über die Bühne herein.
‚In Thy Pandemaeternum‘ stammt ursprünglich von „Pandemonic Incantations“ aus dem Jahr 1998 – und genau dieses Album hatte ich damals bereits unter der Lupe. Deshalb ist es für mich besonders spannend, das Stück jetzt in dieser neuen Version wiederzuhören. Die starken Riffs, die schon auf dem Original ordentlich Bock machten, kommen in der Neuaufnahme noch mal ganz anders zur Geltung und der aktuelle Sound von BEHEMOTH steht dem Song verdammt gut. Beide Versionen haben für mich ihren eigenen Reiz und machen ordentlich Bock – die alte wie die neue! Neue satanische Kunst trifft auf „alte“ satanische Kunst – und genau hier passt ein persönlicher Moment perfekt dazu: Nergal schrieb mir einst auf ein von mir gemachtes Foto „Neue satanische Kunst“. Und genau diese Verbindung zwischen dem heutigen BEHEMOTH und den eigenen satanischen Wurzeln bekommt man bei ‚In Thy Pandemaeternum‘ gleich mehrfach zu hören.
‚Begotten‘ rast durch die Gehörgänge und passt definitiv zur Gangart von „The Shit ov God“ – sowohl musikalisch als auch lyrisch. Kein Wunder, denn der Song entstand im Umfeld der Sessions zu „The Shit ov God“, wurde damals aber nicht für das Album verwendet. Jetzt bekommt der eingängigere Track mit seinen New-Wave-Einflüssen und post-gotischen Elementen auf „I, Scvlptor“ seinen Auftritt und fügt sich verdammt gut in das eigenständige Gesamtwerk ein. Da ich euch nicht alle Inhalte detailreich spoilern will, bekommt ihr zum nächsten Lied nur die Info: Es macht so brutal Bock und der Refrain ist so herrlich martialisch! ‚In League With Satan‘ ist das VENOM-Cover, das im Zusammenhang mit der BEHEMOTH-Tour 2026 ausgewählt wurde. Neu eingespielt mit siebensaitigen Gitarren und mit Shagrath von DIMMU BORGIR als Gast am Gesang. ‚The Return of Darkness and Evil‘ (Live) wurde 2026 live in Athen aufgenommen und war gleichzeitig die offizielle Hymne des polnischen Mystic Festival 2026. Spannend wird die Live-Version vor allem durch Sakis Tolis von ROTTING CHRIST, der hier den Gastgesang übernimmt. Gemeinsam mit Nergal liefert er bei diesem BATHORY-Klassiker eine gnadenlos starke Performance ab – zwei markante Stimmen des Extreme Metal, die in diesem Live-Abriss verdammt gut miteinander funktionieren. Das Finale bildet ‚Lord ov the Horizons‘ (Studio Rough Mix) – eine rohe und unpolierte Studiofassung des Songs, die noch einmal einen Blick auf das Stück vor dem finalen Mix ermöglicht. Die Vocals klingen hier so dämonisch, dass sich die Welt verdunkeln könnte – einfach grandios! Und dass man diesen Mix mit seinen langsamen Passagen und den teuflischen Momenten tatsächlich aufs Album gepackt hat, finde ich richtig stark.
„I, Scvlptor“ ist ein verdammt starkes Kapitel in der Geschichte von BEHEMOTH, das Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbindet und gleichzeitig zeigt, dass die Reise der Polen noch lange nicht beendet ist.
„I, Scvlptor“ ist für mich deutlich mehr als nur ein Zwischenwerk oder eine Veröffentlichung, die man nach „The Shit Ov God“ eben noch schnell hinterherschiebt. BEHEMOTH machen hier die Übergänge zwischen Vergangenheit, Gegenwart und dem, was noch kommen kann, fließender und geben gleichzeitig tiefe Einblicke in die musikalische Reise der Polen. Gerade die neu eingespielten alten Songs zeigen, wie sich die Band entwickelt hat. Dazu kommen die starken Coverversionen, die Gastauftritte von Shagrath und Sakis Tolis sowie die Live- und Rough-Mix-Momente, die „I, Scvlptor“ zu einem abwechslungsreichen und verdammt spannenden Gesamtwerk machen. Besonders stark finde ich, dass hier eben nicht einfach Archivmaterial aufgewärmt wird, sondern alte Songs mit dem heutigen BEHEMOTH-Sound neu zum Leben erweckt werden und dadurch wunderbar mit dem neuen Material harmonieren. Für Fans der Polen ist diese Veröffentlichung deshalb ohnehin Pflichtprogramm, aber auch wer die musikalische Entwicklung von BEHEMOTH nachvollziehen möchte, bekommt hier einiges geboten. Und dann ist da noch die zusätzliche 7″, die ausschließlich bestimmten Vinyl-Editionen beiliegt und auf klarem Aether-Vinyl bei 45 RPM gepresst ist. Mit ‚I, Scvlptor‘ (Reh Extended Version) und ‚The Shit ov God‘ (Live in Athens, 2026) gibt es hier zwei exklusive Stücke, die uns nicht zum Test vorlagen – was den Sammlerwert dieser Veröffentlichung noch einmal erhöht.
Tobi Stahl vergibt 9 von 10 Punkten


