AZGAAL
Titel: DIVINE HITMAN
Label: Fetzner Death Records
Spieldauer: 55:05 Minuten
VÖ: 28. August 2026
AZGAAL ist ein französisches Black-Metal-Projekt, das bereits Anfang der 2000er Jahre von Naïwyn ins Leben gerufen wurde. Nach den ersten musikalischen Gehversuchen und einer frühen Demo veröffentlichte der Musiker 2011 mit „Solitude & Wisdom“ die erste offizielle EP. In den folgenden Jahren entstanden zahlreiche weitere Veröffentlichungen, darunter „A Matter of Death“ (2013), „Vier“ (2014), „Le sixième œil“ und „Naïwyn’s Book of Shadows II“ (beide 2017), „L’étendard des origines“ (2019), „Apotheosis“ (2022) und „Barzaiel“ (2023). Seit 2022 wurde die esoterische und okkulte Ausrichtung von AZGAAL dabei immer stärker zum prägenden Bestandteil des Projekts. Naïwyn ist seit der Gründung für sämtliche Instrumente verantwortlich und übernahm nach dem Ausstieg von Sänger Ibuprophet im Jahr 2012 auch den Gesang.
2025 folgte gemeinsam mit dem französischen Dungeon-Synth-Künstler Werna Wolf die EP „Holy Grail“, bevor AZGAAL nun bei Fetzner Death Records eine neue Heimat gefunden hat. Mit „Divine Hitman“ erscheint am 28. August 2026 das mittlerweile zehnte Studioalbum des Projekts. Inhaltlich widmet sich Naïwyn diesmal dem Engel Daovith aus dem „Sefer Ha-Razim“, der darin als Wesen beschrieben wird, das mit der Bestrafung der Menschheit beauftragt ist. Die zehn Songs beschäftigen sich mit der Macht dieser okkulten Instanz, ihrem göttlichen Urteil und der Strafe für die Verfehlungen der Menschen. Nach fast 55 Minuten Black Metal stellt sich damit die Frage, wie Naïwyn diese düstere Geschichte musikalisch umgesetzt hat.
Der knapp 55-minütige Brocken eröffnet mit ‚Versipellis‘ und ist in französischer Sprache gehalten. Black-/Death-Metal-Vocals klingen auch auf Französisch richtig stark, besonders bemerkenswert ist dabei, dass man den Gesang teilweise auch in klarer Version bekommt. Das verleiht der Nummer eine zusätzliche Tiefe und sorgt für einen interessanten Kontrast zu den harschen Vocals. Der Name des nächsten Titels spoilert auch die Sprache, in der er gesungen wird: ‚Dans Les Flammes Du Purgatoire‘ ist auch für Menschen ohne Französisch-Leistungskurs ein atmosphärisches Stück extremer Musik mit tollen Momenten. Mit kompaktem, nach etwas ranzigerem Heavy Thrash klingendem Metal geht ‚The Reaper Comes To You‘ auf Englisch zur Sache. Der Headbanger kommt mit atmosphärischen Vibes um die Ecke und handelt vom Sensenmann, der die Menschheit für ihre Fehler, ihren Hass, ihren Egoismus und ihre Verfehlungen zur Rechenschaft zieht. Der Tod steht bereits vor der Tür, eine Umkehr gibt es nicht mehr und so heißt es, sich dem eigenen Schicksal zu stellen. Der Mix aus räudigem Gesang, knackigen Riffs und atmosphärischen Momenten bringt Abwechslung ins Geschehen. Nach ‚La Marche Du Pénitent‘, was auf Deutsch „Der Marsch des Büßers“ bedeutet, ist ‚To The Ice Place‘ mein bisheriges Highlight. Die Kühle, die hier aus den Boxen kriecht, und das Tempo, das der Franzose vorlegt, reißen mich mit und begeistern mich. Die Clearvocals sind so großartig und passend gesetzt – das Spiel mit Atmosphäre beherrscht AZGAAL 1a!
‚Breaker Of The Tides‘ hat ebenfalls ordentlich Tempo zu bieten. Die Passagen, in denen AZGAAL das Tempo herunterdreht, sind tolle Brücken zu den schnelleren Momenten des Liedes, das teilweise auch auf einer DIMMU BORGIR-Platte seinen Platz finden könnte. ‚In The Bowels Of The Sunken City‘ ist instrumental gehalten und lädt dazu ein, sich zurückzulehnen. Während der sieben Minuten zeigt Naïwyn eindrucksvoll, was er instrumental draufhat. ‚The Bewitched Souls‘ kommt anschließend mit den bisher gehörten Qualitäten stark um die Ecke. ‚Finis Temporis‘ ist der letzte französischsprachige Song, bevor AZGAAL mit dem fast acht Minuten dauernden und abwechslungsreichen ‚The Occultist Error‘ das Grande Finale liefert.
„Divine Hitman“ ist ein starkes Black-Metal-Album, das mit düsteren Atmosphären, harten Vocals, klaren Gesangspassagen und immer wieder eingestreuten Heavy-Thrash-Einflüssen ordentlich Abwechslung in die knapp 55 Minuten bringt. Besonders die französischen Songs haben ihren eigenen Reiz, während Naïwyn mit seinem Instrumentalspiel zeigt, dass er das Projekt nicht nur kompositorisch, sondern auch an den Instrumenten voll im Griff hat. Die Wechsel zwischen rasenden Passagen, kompakten Riffs, atmosphärischen Momenten und bewusst heruntergefahrenem Tempo funktionieren richtig gut und sorgen dafür, dass „Divine Hitman“ trotz seiner langen Spielzeit nicht eintönig wird. Wer auf atmosphärischen Black Metal mit räudigem Einschlag, gelegentlichen Heavy-Thrash-Vibes und einer ordentlichen Portion Okkultismus steht, sollte AZGAAL definitiv eine Chance geben. Ein feines Stück extremer Underground-Musik!
Tobi Stahl vergibt 8,5 von 10 Punkten


