ARABS IN ASPIC – SORGENS KAPITTEL

ARABS IN ASPIC

Titel: SORGENS KAPITTEL

Label: Karisma Recods

Spieldauer: 42:37 Minuten

VÖ: 21. Oktober 2026

Allein der Anfang. Schon nach den ersten Klängen bin ich hin und weg. Diese geile Purple-Orgel, das fette Riff. Es ist Samstagmorgen, ich sitze in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit. Draußen ist noch nicht einmal die Dämmerung angebrochen. Regentropfen perlen an den Scheiben herunter. Und aus meinen Kopfhörern perlt das neue Album der Trondheimer Formation ARABS IN ASPIC. Was soll ich sagen. In mir herrscht der Kontrast zur Welt da draußen. Ein warmes Gefühl macht sich breit. Ein Gefühl von Zuhause und Glück, heimelig und familiär.

Während andere Bands irgendwann mal anfangen zu schwächeln, scheint dieses Quartett immer und immer noch stärker zu werden. Hier sitzt jeder Ton, jede Note. Eingerahmt zwischen zwei Neunminüter finden sich noch zehn weitere Stücke, manche nur Impressionen von gerade 60 bis 120 Sekunden. „Sorgens Kapittel“ ist ein Album, das wirklich als Album gehört werden will. Gehört werden soll. Werden muss.

Einzelne Stücke hervorzuheben verbietet sich fast, weil alles geht ineinander über. Es gibt so kleine Momente, die würde man gern noch einmal hören. Luftige Passagen, bei denen ich mich frage, erinnert das gerade an alte Genesis oder eher an frühe Grobschnitt. Leider sind die eigentlich fließend gedachten Übergänge im aktuell gehörten Stream respektive Download etwas grob, ich hoffe, auf CD kommen die so fließen, wie sie eigentlich gedacht sind. Das ist jedoch nur ein kleines eher technisches Detail.

Wie gesagt, hier sind vierzig Minuten Hörvergnügen garantiert. Das beginnt bei den altmodischen Orgelklängen, geht weiter bei den tollen, fantasievollen Gitarren. Da ist diese tolle funky Passage, die sicher nicht nur ´Nudisten´ zum Tanze zwingen würde. Ich vermute einfach mal, das norwegische Wort bedeutet Gleiches, wie man es hierzulande mit Freikörperkultur umschreibt. Die seit geraumer Zeit zum Bandsound gehörenden Percussions treiben die Musik zusätzlich an. Aber ganz vorneweg macht mir am meisten Spaß die Sprache. Endlich singen ARABS IN ASPIC wieder in Muttersprache. Ich verstehe kein Wort. Doch es klingt irgendwie exotisch. Hier gibt es noch mehr Ös und Äs als im Deutschen.

Eines allerdings stört mein Hörvergnügen. Vielleicht einfach, weil ich es nicht verstehe. Diese lange Passage am Ende, die klingt wie, wir lassen mal im Studio einfach noch das Aufnahmegerät mitlaufen. Das macht künstlerisch vielleicht Sinn, nimmt mir aber ein wenig den Fluß. Aber ich jammere hier auf höchstem Niveau.

Es gibt Bands, auf die kann man sich als Fan verlassen. Da kommt immer Qualität. Das sind die Franzosen Lazuli. Da sind Submasq aus Israel. Und eben die Norweger ARABS IN ASPIC, die den schon formidablen Vorgänger „Madness And Magic“ hier noch einmal toppen konnten. Die Vorfreude war schon groß beim Lesen der ersten Ankündigung. Aber das Ding ist ja noch spannender, als ich erwarten, erhoffen wagte. Ich habe hier für mich einen Höhepunkt des Jahres gefunden.

 

Mario Wolski vergibt 10 von 10 Punkten