GENERATION STEEL
Titel: STEELMACHINE
Label: Fireflash Records
Spieldauer: 41:44 Minuten
VÖ: 16. Oktober 2026
Heavy Metal made in Germany – ein Begriff, der seit den Achtzigern mit Bands wie ACCEPT, RUNNING WILD, GRAVE DIGGER, STORMWITCH und HELLOWEEN verbunden ist. Auch die 90er brachten mit u.a. PRIMAL FEAR richtig starke Kapellen hervor. Da die Zeit aber – gottlob – nicht stehenbleibt und sich Musik genauso weiterentwickelt und neue Stahl-Kappellen dazukommen wie in jedem anderen Bereich, gründeten sich GENERATION STEEL aus Wetzlar. Ins Leben gerufen 2019 von Gitarrist Jack the Riffer veröffentlichten sie „The Eagle Will Rise“ (2021) und „Lionheart“ (2023), beides Underground-Aufwühler und Ausrufezeichen, mit denen sich GENERATION STEEL ihren eigenen Platz im traditionellen Heavy Metal sicherten. Jetzt folgt mit „Steelmachine“ der dritte Streich. Die Truppe weiß also nicht nur, wie man das Stahlrad bedient, auch am Besetzungsrad wurde in den vergangenen Jahren ordentlich gedreht. Blickt man auf die Besetzung von 2021, wird das ziemlich deutlich: Rio Ullrich sang damals, Pascal Lorenz spielte Leadgitarre, Jack the Riffer bediente die Rhythmusgitarre, Michael Kaspar stand am Bass und Martin Winter saß hinter dem Schlagzeug. Heute ist davon nur noch Jack the Riffer übrig. Mit Thilo Herrmann an der Leadgitarre, Mike Stark am Mikrofon, Fabian Watermann am Bass und Marc Laukel am Schlagzeug wurden damit einige Positionen über die Jahre neu besetzt. Mike Stark ist für mich dabei kein Unbekannter, denn seine Stimme kenne und schätze ich bereits aus seinen Stationen bei FEANOR und STORMBURNER. Gerade deshalb bin ich gespannt, wie er sich bei GENERATION STEEL macht und wie seine Stimme zum neuen Material passt. Nach zwei Alben geht es also nicht einfach mit dem bisherigen Rezept weiter. Jack the Riffer wollte mit „Steelmachine“ noch einmal eine Schippe drauflegen, GENERATION STEEL weiterentwickeln und gleichzeitig das eigene Profil schärfen. Dabei sollte trotz neuer Impulse der Kern der Band erhalten bleiben. Unterstützt von Produzent Piet Sielck entstand so ein Album, bei dem Erfahrung auf frischen Wind trifft und die Band zeigen möchte, was mit diesem neuen Line-up möglich ist. Ob GENERATION STEEL diesen Anspruch auch musikalisch einlösen kann, schauen wir uns jetzt genauer an.
Die „Steelers“ feuern glühenden Stahl bereits im Opener ‚Steelmachine‘ aus den Boxen und haben damit einen fetten Fistbumper mehr im Arsenal. Eigentlich wären weitere Stahl-Metaphern angebracht, denn Steel steckt halt auch in meinem Namen – aber bei ‚Wings Of Fire‘ lassen wir das mal lieber, sonst nutzt sich das Wort noch zu schnell ab. Stattdessen darf man ‚Wings Of Fire‘ als einen treibenden, groovigen und sehr gelungenen Song beschreiben, der vor allem mit seinen breitbeinigen Gitarren glänzen kann. ‚Witches Cross‘ ist für mich einer der Songs, bei denen auch das Video richtig Spaß macht. Ich feiere den Clip, denn hier stimmt für mich einfach das Gesamtpaket. Besonders die Besetzung der beiden zentralen Rollen finde ich richtig stark gewählt: Ronja Anouk Hähr als Witch und Rainer Fränzen als Priest passen optisch und in ihrer Darstellung verdammt gut zu dem, was der Song erzählen will. Dazu kommt ein Text, der sich mit Hexenverbrennung, fanatischem Glauben und der Rolle derjenigen beschäftigt, die andere beschuldigen und verurteilen. Die Bilder vom Scheiterhaufen, der Menge und dem Geschehen rund um das Kreuz setzen das Thema ziemlich direkt um. Auch Salem wird im Text aufgegriffen. Dabei bleibt es nicht einfach bei einer historischen Geschichte, denn gerade das Motiv des vorschnellen Verurteilens und der blinden Masse funktioniert auch unabhängig von der eigentlichen Epoche. Musikalisch ist das Ding sowieso stark, aber durch das Video bekommt ‚Witches Cross‘ für mich noch einmal eine ganz eigene Wirkung. Und der Clip lohnt sich definitiv auch ein zweites und drittes Mal. In ‚The Priest‘ und ‚I Am The Storm‘ gehen GENERATION STEEL nicht ganz so deftig und rotzig zu Werke wie in ‚Fields Of Pain‘, dass eines meiner Favs auf der Platte ist. Genauso weit oben steht bei mir ‚Rise Up‘, bei dem sich mit Piet Sielck auch noch das IRON SAVIOR-Mastermind die Ehre gibt. Steel and Iron – mehr Heavy Metal geht fast nicht! Aufbruchstimmung und diese „gegen jeden Widerstand“-Vibes verbreiten die Mucker in ‚New Frontiers‘, bevor es im über acht Minuten langen Finale ‚Island Of Tragedy‘ noch einmal richtig ans Eingemachte geht. Hier holen GENERATION STEEL alles aus ihrer Stahlschmiede heraus, was die Esse hergibt, und lassen das Album mit einer fetten Abschlusshymne ausklingen. Kein zaghafter letzter Akkord, sondern noch einmal volle Breitseite – der musikalische Vorschlaghammer zum Schluss!
„Steelmachine“ ist ein starkes drittes Album aus der Wetzlarer Eisenschmiede, mit Headbang- und Fistbump-Garantie! Bleibt nur zu hoffen, dass dieses Line-up stabil bleibt und sich noch besser einspielen, noch besser abstimmen und miteinander grooven kann. Denn nicht auszudenken, welchen teutonischen Stahl wir von GENERATION STEEL dann noch zu erwarten haben. Für den Moment gibt es mit „Steelmachine“ jedenfalls eine gutklassige Hartstahl-Platte mit ordentlich Kante. Und für die Zukunft ist hier definitiv noch einiges drin. Bleibt dran, Männer!
Tobi Stahl vergibt 8 von 10 Punkten


