THE HU – HUN

THE HU

Titel: HUN

Label: BETTER NOISE MUSIC

Spieldauer: 50:30 Minuten

VÖ: 24. Juli 2026

An den Pionieren es Hunnu Rock, THE HU, scheiden sich nach wie vor die Geister. Für die einen eine Genregrenzen sprengende Urgewalt und Offenbarung, für die anderen mongolische Krieger vom Reißbrett voller Klischees und mit austauschbarem Sound. Das wird sich vermutlich auch mit der neuen, dritten Scheibe der Band nicht ändern.

Die Musik und ihre optische Inszenierung muss man sicher nicht mögen, aber einer Band mit Kehlkopfgesang, traditionellen Instrumenten (Pferdekopfgeige, Maultrommel, Laute) und Texten in ihrer Muttersprache eine irgendwie geartete Anbiederung an einen exotik-affinen Mainstream zu unterstellen oder gar die Verwurzelung in ihrem folkloristischen, musikalischen und kulturellen Erbe abzusprechen ist schon beinahe absurd.

Das 2016 in der mongolischen Hauptstadt Ulaanbaatar gegründete Quintett wurde 2019 entdeckt und steht mit dem nun veröffentlichten Drittwerk „Hun“ auf dem bisherigen Höhepunkt ihrer Bekanntheit und Schaffenskraft. Ihr Debütalbum „The Gereg“ machte die Band auch außerhalb der Mongolei bekannt und so durfte man bereits Songs zu verschiedenen Soundtracks beisteuern und sich mit einer unverwechselbaren, beeindruckenden Coverversion von `Through The Never´ in Metallicas prestigeträchtige Blacklist eintragen, bevor im Jahr 2022 das zweite Album „Rumble Of Thunder“ erschien.

Mit ihrem einzigartigen Stilmix legen Galaa (Morin Khuur, Kehlkopfgesang), Jaya (Tumur Khuur, Tsuur, Kehlkopfgesang), Enkush (Morin Khuur, Kehlkopfgesang) Temka (Tovshuur, Kehlkopfgesang) und Drummer Odko elf neue Songs vor, die tief in der Überlieferung und den Legenden ihrer Heimat verwurzelt sind und daher bewusst und ausschließlich in ihrer Muttersprache gesungen werden.

Auf „HUN“, dessen Titel auf deutsch übersetzt „Mensch“ bedeutet, widmet sich die Band der Erforschung der düsteren Seite der Menschheit. Mit charakteristischen Rhythmen und originellen Riffs, die mit den beliebten traditionellen Instrumenten gespielt werden, verbindet die Truppe in Songs wie `The Men´ und `Shadow´ traditionelle Klänge mit treibendem Rock/Metal. Das grandiose `Horsemen´ legt den Fokus auf die tiefe Verbindung zum Pferd in der mongolischen Nomadenkultur, während `Warrior Chant´ mit markantem Refrain, dem charakteristischen Rhythmus, unverkennbaren Gesang und einer einzigartigen Klanglandschaft besticht.

Vielseitige Stücke wie das emotionale `Echoes Of My Father ´ mit seinen vulnerablen Lyrics, der beinahe thrashige Banger `The Real You´ und das beeindruckende, träumerische, fast neunminütige Epos `Universum´ sorgen für Gänsehaut und vielfache musikalische Abwechslung. Dagegen wirkt das eindringliche `Lost Soul´ mit Co-Produzent Jonny Hawkins (Nothing More) als Gastsänger und seinem modernen, groovigen Sound verbunden mit den mongolischen Charakteristika und auf Englisch gesungenen Shouts wie ein Fremdkörper.

THE HU Fans werden vom kraftvollen, energetischen und abwechslungsreichen Album nicht enttäuscht sein, in dem sich Ehrgeiz, Erfahrung und Hingabe der Musiker zu einem überzeugenden Silberling vereinen. Am besten sind THE HU wohl im Kontext ihrer reichhaltigen Kultur und Philosophie zu verstehen und zu erfassen, die sie mit der Welt teilen wollen. Man kann sich aber auch einfach nur an der mitreißenden, fesselnd-geheimnisvollen Musik erfreuen.

Michael Gaspar vergibt 8 von 10 Punkten