BOBFest 2026 – JUDAS PRIEST  – AIRBOURNE u.a.

JUDAS PRIEST  – AIRBOURNE – BEYOND THE BLACK – NESTOR – PHIL CAMPBELL’S BASTARD SONS – THE GEMS

25. Juli 2026

Mönchengladbach, Hockey Park

 

Das BOBfest hatte zum dritten mal in den Sparkassenpark nach Mönchengladbach geladen, um ihre dritte Ausgabe zu feiern. Dafür hatten die Veranstalter mit JUDAS PRIEST als Headliner ganz oben in das Regal gegriffen und entsprechend jede Menge Zuschauer angelockt. Bei bestem Festivalwetter standen dann sechs Bands und drei Radio Bob Moderatoren auf der Bühne, um das große Publikum eine Tag aufs beste zu unterhalten.

Direkt zu Beginn ein Lob an die Organisatoren, denn wenn es etwas Positives zu vermelden gibt, soll man dies auch tun. Schon nach wenigen Minuten auf dem Gelände konnte man nämlich einige Verbesserungen gegenüber dem Vorjahr feststellen. So liefen Anreise und Parkplatzsuche problemlos, der Einlass wurde zeitlich deutlich entzerrt, es standen bei heißen Temperaturen von Beginn an kostenloses Trinkwasser und erfrischende Sprinkler am Infield zur Verfügung, es gab deutlich mehr Getränkestände unter anderem neben der Bühne und unter der Tribüne und für die Kollegen der schreibenden Zunft wurde ein kleiner, aber ausreichender Presse-Pavillon bereitgestellt.

THE GEMS

Im Vorjahr durften THUNDERMOTHER das Festival eröffnen, da ist es quasi fast folgerichtig, dass diese Ehre in diesem Jahr der schwedischen Band THE GEMS zukommt, die mit dem Titelsong ihrer aktuellen Scheibe “Year of the Snake“ flott in ihr Set einsteigt. Besteht der nach dem kürzlichen Ausstieg von Schlagzeugerin Emlee Johansson momentan zur Hälfte männlich besetzte Vierer doch im Kern aus den beiden ehemaligen THUNDERMOTHER Musikerinnen Guernica Mancino (Gesang) sowie Mona Lindgren (Gitarre). Mit ihrem energetischen Hardrock, sympathischen Ansagen und Tracks wie `Queens‘ und `Live And Let Go‘ vom Debütalbum “Phoenix“ bestreitet das Quartett die folgende unterhaltsame halbe Stunde. Insbesondere Gitarristin Lindgren tut mit ihrem großen Bewegungsradius alles, um die riesige Bühne in Beschlag zu nehmen. Gelungener schwungvoller Auftakt der mit `Like a Phoenix‘ ebenso mitreißend endet.

PHIL CAMPBELL’S BASTARD SONS

Bereits kurz nach dem Tod ihres Vaters, dem langjährigen Motörhead Gitarristen Phil Campbell, im März entschieden seine Söhne Todd (Gitarre), Tyla (Bass) und Dane (Drums), das musikalische Erbe und die Band unter neuem, leicht verändertem Namen weiterzuführen und auch die bereits vereinbarten Live-Dates durchzuziehen. Über mehr als drei Jahrzehnte prägte Campbell den Sound des legendären britischen Trios mit, und so ist es nicht verwunderlich, dass auch die heutige Setlist der Waliser vor allem aus Cover-Songs wie `Going To Brazil‘, `Rock Out´ und natürlich dem heiß ersehnten und begeistert mitgesungenen `Ace Of Spades besteht. Neben drei eigenen Tracks hat es auch die stimmungsvolle Phil Campbell Solonummer `These Old Boots‘ in die Setliste geschafft und vor der Bühne wird tatsächlich fleißig das Tanzbein geschwungen. Der neue Fronter Julian Jenkins (FURY) versucht erst gar nicht, wie Lemmy zu klingen oder ihn zu imitieren, macht aber trotzdem oder gerade deswegen auch bei den beiden abschließenden Songs `Born To Raise Hell´ und `Killed By Death´ eine gute Figur und das Ganze am sonnigen Samstagnachmittag zu einer weiteren Etappe eines rundum gelungenen Festivaltages.

NESTOR

Für ein deutliches musikalisches Kontrastprogramm sorgen anschließend die erfolgreichen schwedischen Melodic Rocker NESTOR, denen man die Liebe zu den 80ern abkauft und die mit ihren Uniformen und dem etwas übertriebenen Sound voller Klischees, Exzentrik und keyboardlastigen Songs wie dem Opener `We Come Alive´, `Unchain My Heart´ (nein, keine Coverversion) und `Carolina` ihr Publikum begeistern. Die Band präsentiert sich sehr aktiv auf der großen Bühne und Sänger Tobias Gustavsson in einigen launigen Ansagen seine ausbaufähigen Deutschkenntnisse. Das starke Songtriple aus `On The Run´, `Teenage Rebel´ und `1989´ beschließt den kurzweiligen, umjubelten, einstündigen Auftritt.

BEYOND THE BLACK

In den vergangenen zwölf Jahren haben sich die süddeutschen Symphonic Metaller BEYOND THE BLACK mit sechs gutklassigen Alben nicht nur hierzulande eine stetig wachsende Fanbase erarbeitet und sich den sprichwörtlichen Arsch abgetourt. So machen auch heute die enthusiastischen Fanreaktionen auf Songs wie den Titelsong der aktuellen `Break The Silence` Scheibe zum Einstieg den momentanen Status der Truppe um Frontfrau Jennifer Haben deutlich. Die neueren Tracks fügen sich nahtlos in die ausgewogene Setliste ein, alte und neue Stücke werden von stimmungsvollen Clips auf der großen Videowall begleitet und bei `Ravens´ stellt die Sängerin stolz ihre güldenen Flügel zur Schau. Zudem kann der Vierer mittlerweile problemlos ein Highlight nach dem anderen, sprich ein wahres Band-Hit-Feuerwerk aus Songs wie `Reincarnation´, `In the Shadows´, `When Angels Fall`, `Shine and Shade´ sowie das finale `Hallelujah´ abfeuern. Ein melodisch-symphonischer Farbtupfer, der für musikalische Abwechslung gesorgt  und einem Großteil der Anwesenden großen Spaß bereitet hat.

 

AIRBOURNE

AIRBOURNE sind live eigentlich Joel O’Keeffe plus X, wobei das den anderen Bandmitgliedern Ryan O’Keeffe, Justin Street und Brett Tyrell natürlich unrecht tut. Nur bewies Joel wieder einmal welche totale Rampensau er ist. Sprich er steht, wirklich keine einzige Sekunde still sondern tobt wie  ein Wahnsinniger über die Bühne, post und bangt ununterbrochen, spielt Gitarre und singt, sodass er seinen “AC/DC auf Speed“  Sound mit unglaublicher Energie ins immer mehr feiernde Volk drückt.

Los geht die Party im Sparkassenpark mit der `GUTSY` Single, bevor `Too Much, Too Young, Too Fast` und `Hungry` gleich mal in die Vergangenheit greifen. Der wilden und schweißtreibenden Power-Show kann sich im weiteren Verlauf wirklich kaum noch einer entziehen und so werden die Bierduschen für das Publikum und auch der Ritt durch die Menge ordentlich abgefeiert und zu echten Highlights des Festivals.

Das neue `Alive After Death (Last Plane Out)`und, eingeläutet mit dem `Paranoid`-Riff,  beendet der Bandhit `Runnin‘ Wild` den wirklich lautstark umjubelten Gig der Australier nach ziemlich genau einer Stunde.  Hut ab!

 

JUDAS PRIEST

Zeit für die ultimative Verkörperung des Heavy Metals, denn JUDAS PRIEST sind seit über 50 Jahren eine absolute Ikone, die 1980 mit “British Steel“ den Trademark-Sound des Metals erfunden hat. Kurz PRIEST sind einfach genreprägend und quasi unantastbar, nicht umsonst bekam Rob Halford den Beinamen Metal God verpasst. Also, nach dem Intro legen Bassmann Ian Hill, der seit 1970 bei der Band ist, Drummer Scott Travis, Richie Faulkner, Livegitarrist Andy Sneap und natürlich Halford himself, mit einer wahren Geschichtsstunde in Sachen Heavy Metal los. `You’ve Got Another Thing Comin’`, `Metal Gods` und `Breaking The Law` eröffnen das Set, das natürlich nicht alle Fanwünsche erfüllen kann. Bei all den Hits können sich Fans aber über die zurückgekehrten Tracks `The Ripper` und  `Delivering the Goods` freuen, die erstmals wieder seit 2019 mit in die Setliste gerutscht sind und als quasi Überraschung servierten PRIEST auch `Halls of Valhalla` vom “ Redeemer of Souls“ Album.

Ansonsten jagt ein All-Time Klassiker den nächsten: `The Sentinel`, `Desert Plains`, `Turbo Lover`, `Steeler` und natürlich `Painkiller` stehen gleichberechtigt neben neueren Songs wie `Panic Attack`oder `Lightning Strike`. Was soll man sagen? JUDAS PRIEST sind für jeden Metal Fan einfach nur großartig. Natürlich singt Halford heutzutage nicht mehr wie in den 80ern aber meistens doch noch richtig gut und er ist immer noch ein charismatischer Fronter und Zeremonienmeister,  der alle Blicke auf sich zieht.

Ja, auch der Sound hätte auch etwas fetter und weniger Basslastig sein können aber ehrlich, was soll hier die Suche nach Kritikpunkten? Denn wer ein solches Lebenswerk wie JUDAS PRIEST vollbracht hat, steht einfach darüber und verdient Respekt.

Mit dem Zugabeblock `Electric Eye`, `Hell Bent For Leather` und `Living After Midnight`in XXL Version feiern Band und Publikum noch einmal lautstark das Ende der Show und des Festivals.

 

Danke, BOBFest, nächstes Jahr sind wir gerne wieder da! Auf Wiedersehen am 24. Juli 2027!

Text: Michael Gaspar, Sven Bernhardt

Photo Credits: Sven Bernhardt