MESHUGGAH – CATCH THIRTYTHREE – 20TH ANNIVERSARY EDITION

MESHUGGAH

Titel: CATCH THIRTYTHREE - 20TH ANNIVERSARY EDITION

Label: Reigning Phönix Music

Spieldauer: 47:15 Minuten

VÖ: 24. Juli 2026

Aus Umeå stammen zahlreiche namhafte Metal-Bands. CULT OF LUNA gehören seit Jahren zu den wichtigsten Vertretern des Post Metal, NAGLFAR zählen zu den festen Größen des melodischen Black Metal, NOCTURNAL RITES haben sich vom Death Metal zu einer der bekanntesten schwedischen Power-Metal-Bands entwickelt und MOLOKEN stehen für düsteren, experimentellen Metal. Heute soll es aber nicht um diese Kapellen gehen, sondern um die wohl einflussreichste Band der Stadt: MESHUGGAH. Die 1987 gegründeten Schweden gelten als Wegbereiter des Djent und haben den progressiven Extreme Metal nachhaltig geprägt. Am 24. Juli 2026 veröffentlicht REIGNING PHOENIX MUSIC mit der “Destroy Erase Improve – 30th Anniversary Edition” und der “Catch Thirtythree – 20th Anniversary Edition” zwei neu remasterte Jubiläumsausgaben, die auf Vinyl, als CD-Digipak und digital erscheinen. Beide Editionen kehren zum ursprünglichen Cover-Artwork zurück und verpassen den beiden Meilensteinen klanglich eine Frischzellenkur. Hier und Heute möchte ich mich jedoch ausschließlich dem 20-jährigen Jubiläum von “Catch Thirtythree” widmen – einem Album, das bis heute zu den außergewöhnlichsten und mutigsten Werken der Bandgeschichte zählt. Zur Zeit von “Catch Thirtythree” bestand MESHUGGAH aus Jens Kidman (Vocals), Mårten Hagström (Gitarre), Fredrik Thordendal (Gitarre) und Tomas Haake. Eine Besonderheit: Das Album entstand vollständig mit programmierten Drums, für die Toontracks „Drumkit From Hell“ zum Einsatz kam. Gerade dieser künstlich-mechanische Klang ist bis heute ein wesentlicher Bestandteil der beklemmenden Atmosphäre von “Catch Thirtythree”. Alle vier Musiker waren intensiv am Songwriting beteiligt, während Haake und Hagström zusätzlich große Teile der Lyrics beisteuerten.

Los geht’s damals wie heute mit ‘Autonomy Lost’, das bereits in seinen nicht einmal zwei Minuten Spielzeit aufhorchen lässt und neugierig macht. “Auf der Suche nach dem inneren Licht, der eigentlichen Sonne meines erträumten Glücks, geleitet von einer Angst, die blind macht – jenseits aller Schattierungen vollkommenen Schwarz”, so heißt es im Lied über verlorene Identität, das den ersten Step in den Abgrund bedeutet und nahtlos in ‘Imprint Of The Un-Saved’ übergeht. Die Gangart bleibt identisch und das auch während ‘Disenchantment’. In ‘The Paradoxical Spiral’ wird’s hypnotisch, teilweise psychedelisch, teilweise roh, was auch an den wenigen, aber aggressiven Vocals liegt. ‘Re-Inanimate’ und danach ‘Entrapment’ fahren eine Kurve und befinden sich im ähnlichen musikalischen Fahrwasser, wirken aber ein bisschen düsterer; Letzteres klingt experimenteller, ursprünglicher und angenehm chaotisch. 

Mit ‘Mind’s Mirrors’ erwartet uns zunächst eine elektronisch verfremdete Stimme, ehe ‘In Death – Is Life’ und das über dreizehn Minuten lange ‘In Death – Is Death’ den bedeutungsvollen Höhepunkt von “Catch Thirtythree” markieren. Während Erstgenannter den Tod des alten Ichs als Voraussetzung für Veränderung beschreibt, zeichnet der Nachfolger ein düsteres Bild: Hier führt der Verlust der eigenen Identität nicht zur Erlösung, sondern in die vollständige Auslöschung. Vor allem ‘In Death – Is Death’ gehört für mich zu den verrücktesten, härtesten und beklemmendsten Songs, die ich von MESHUGGAH je gehört habe – zugleich aber auch zu den ruhigsten, wenn man die letzten Minuten des Mammutwerks heranzieht. In ‘Shed’ werden die Schweden zunächst brachial, ehe sie im weiteren Verlauf wieder progressivere Töne anschlagen. ‘Personae Non Gratae’ und ‘Dehumanization’ sind dagegen zwei knackige “Quickies”, bevor mit dem über sieben Minuten langen ‘Sum’ eine Reise endet, die auch zwanzig Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung nichts von ihrer Faszination verloren hat. Bockstark, ranzig, räudig, verrückt und vor allem eines: zeitlos geil.

Hätte ich “Catch Thirtythree” bereits vor zwanzig Jahren bewertet, wären es starke 8,5 von 10 Punkten geworden. Dieses Album verlangt offene Ohren, offene Gedanken und ein offenes Herz – nur dann entfaltet sich die ganze Faszination dieser 47-minütigen Reise. Lasst euch treiben, lasst euch darauf ein und erlebt MESHUGGAH so, wie sie damals waren: kompromisslos, visionär und ihren Mitbewerbern weit voraus.

Tobi Stahl vergibt 8,5 von 10 Punkten