SALTATIO MORTIS – Burgentour 2026 „Staub & Schatten“

SALTATIO MORTIS

Gelsenkirchen, Amphitheater

16. Mai 2026

 

„I´m on Fire“ hätte auch das Motto am Samstag dem 16. Mai 2026 in Gelsenkirchen sein können, aber sorry Sarah, denn hier im Amphitheater Gelsenkirchen gab es wohl von allen Zuschauern die vollen 12 Punkte.

Ich hatte ja lange überlegt, ob ich zu dieser Tour gehe oder nicht. Ich mag SALTATIO MORTIS  wirklich gern, aber die Vorberichte über die Tour, die musikalische Begleitung einer Fantasy-Romanreihe, welche immer wieder in Verbindung mit der Tour genannt wurde, hätte für mich auch ein ganz anderes Konzertkonzept ergeben können. Aber nach nur wenigen Songs war ich so etwas von glücklich, diesen Abend miterleben zu dürfen.

Schon eine Stunde vor Konzertbeginn, standen die Fans in einer gewaltigen Schlange an, um auf Einlass zu warten. Hier war alles vertreten, buntes Volk, dunkle Gruftis, Metaller, Fabelwesen. Ein gemischtes Publikum, von ganz jung bis hin zu den besten Jahren. Wie sagte Frontmann Alea der Bescheidene doch so schön an diesem Abend: „Hier kommen Eltern mit ihren Kindern oder auch Kinder nehmen ihre Eltern mit zum Konzert“.

Der eigentliche Bühnenaufbau fand zwar hinter dem Vorhang statt, was jedoch sofort auffiel, war ein Steg, der in Richtung Publikum führte und seitlich mit einer Treppe versehen war. Es war also schon einmal viel Publikumskontakt geplant. Rechts und links neben der Bühne probten die Tänzerinnen ihre Feuershow und verliehen vorab einen kleinen Einblick auf das kommende Bühnengeschehen.

Um Punkt 20:00 Uhr fiel im wahrsten Sinne des Wortes der Vorhang und das Amphitheater in Gelsenkirchen wurde zur Kulisse einer  einer Show, die irgendwo zwischen mittelalterlichem Spektakel und Rock.- und Metalkonzert angesiedelt war.

Mit einer, der neuen Singleauskopplungen `Ich habe keine Angst` ging es sofort von null auf einhundert. SALTATIO MORTIS  verstanden es von der ersten Minute an ihr Publikum einzufangen und den gesamten Abend über auch nicht wieder loszulassen. Nicht zuletzt war dies sicherlich auch der Leistung von Alea geschuldet. Der Frontmann zeigte an diesem Abend nicht nur konditionell, sondern auch akrobatische was in ihm steckt. Immer wieder sprang er auf der Bühne in die Luft, sprang von der Bühne in den Graben und kletterte wieder ins Publikum, wurde Teil seines selbst ausgerufenem Circle Pit, war ständig in Bewegung und es schien, als bewältigte er dies alles mit absoluter Leichtigkeit, denn bei all dieser Anstrengung hielt er das gesangliche Niveau immer ganz weit oben. Hier merkt man halt immer noch die Ausbildung zum Leistungsturner.

Den einen oder anderen schiefen Ton hat es an dem Abend zwar schon gegeben, da ich die musikalische Leistung von SALTATIO MORTIS  aber schon einige Mal live erleben durfte, denke ich, das lag hier eher an der Technik, als an der Band.

Schon ab dem dritten Song kam das Feuer zum Einsatz, welches uns dann den Abend über in den verschiedensten Formen von der Bühne aus nicht nur optisch erfreuen, sondern auch erwärmen sollte.

Es war ein absoluter Wahnsinn, was hier den ganzen Abend über für eine Pyroshow geboten wurde. Feuerschalen, Feuerleisten, Feuersäulen, Feuerstöße, Feuerregen. Open Air eröffnet so ein Konzert ja doch schon ganz andere Möglichkeiten, als in einer Halle.

Zwar war die Begeisterung im Zuschauerbereich schon ab der ersten Minute durchaus spürbar, `Loki` schaffte es dann aber den Regler noch ein weiteres Stück hochzufahren. Der Aufforderung von Alea zum Springen und Klatschen wurde gerne nachgekommen und während Dudelsäcke und Schlagzeug den Rhythmus vorgaben, das Publikum begeistert sprang und klatschte, schossen die Feuerstöße in die Luft.

Abgesehen von krassen Licht- und Feuereffekten, von einer super musikalischen Leistung der Band, merkte man an diesem Abend wieder einmal, dass es besonders ihre Nähe zum Publikum ist, die SALTATIO MORTIS  so liebenswert machen. Wenn die Band an ihren Ursprung erinnert, an den Beginn als Straßenmusikanten und dass sie niemals geträumt hätten mal dort anzukommen, wo sie heute stehen, ist das Gefühl von Dankbarkeit spürbar greifbar. Ich habe immer ein wenig das Gefühl, SALTATIO MORTIS  braucht diese Ansage auch, um sich selbst ein wenig zu erden. Natürlich nutzte Alea die Show auch um den neuen Skaldenmet anzupreisen, aber er machte diese Verkaufseinlage durchaus auf eine charmante Art. Und somit hatten wir dann auch schon die Antwort auf die Frage: “Was wollen wir trinken“?

Obwohl wir mit dem Wetter an diesem Abend echt Glück hatten, bis kurz vor Schluss fielen nur vereinzelte kleine Schauer aus Nieselregen auf uns herab und dank der Feuershow, war es im Amphitheater auch gar nicht so kalt, hatten sich SALTATIO wohl auf etwas mehr Regen vorbereitet. Zur Konzertmitte hin, holten SALTATIO MORTIS  also ihr Gummi-Wikinger-Boot raus und wenn schon nicht auf dem, hinter der Bühne liegendem Kanal, dann machte Alea wenigstens eine Kreuzfahrt durch das Publikum. Zu `My Mother told me` übergab er das Steuerrad in die Hände der Besucher, welche ihn mit stürmischen Erschütterungen durch die Menge schweben ließen.

Über eine einfallslose Bühnenshow konnte sich an diesem Abend nun wirklich keiner beklagen. Abgesehen von einer beeindruckenden Feuer- und Lichtshow, dem Paddelboot Einsatz, darf man natürlich auch die beiden Tänzerinnen nicht vergessen, die den Abend hinweg die Show mit ständig neuen Kostümen unterstützten. Mal als Amazonen gekleidet präsentierten sie uns ihre Feuershow, mit langem Gewand und verschleiert, unterhielten sie uns kämpfend, bewaffnet mit zwei doppelt gebogenen Lichtsäbeln.   In luftige Kleider gehüllt vollzogen sie eine Mischung aus Fächer- und Tuchtanz, wobei ihr Fächer durch Tücher verlängert wurde, die im Scheinwerferlicht bunt leuchteten. Nicht zu vergessen ihr Aerobic-Outfit, welches die etwas ältere Generation von uns an die Zeiten von Jane Fonda erinnerte.

Musikalisch war die Setlist an diesem Abend eine gelungene Mischung aus neuen Songs der „Staub & Schatten“- Ära und den großen Klassikern der Band. Immer wieder wechselten sich brachialer Gitarrensound und tanzbaren Folk-Passagen ab. Genau diese Mischung macht den besonderen Reiz von SALTATIO MORTIS  aus: mittelalterliche Instrumentierung trifft auf modernen Rock und große Mitsing-Refrains. Eines ist klar, Saltatio live ist absolut kein Vergleich zur Platte.

Es gibt Bausteine, die dürfen bei keinem SALTATIO MORTIS  Konzert fehlen, wie das Querhüpfen bei „Mittelalter“ oder der von Alea ausgerufene Circle Pit, zu dem er natürlich selber in Keismitte erschienen war, um ordentlich mitzumischen.

Nach guten 100 Minuten, in denen das Publikum immer wieder zeigte, sich textsicher und feierwütig es an diesem Abend war, kam nun die Zeit, das eigentliche Set mit `Für immer jung` zu beenden.

Aber was bedeutet schon das eigentliche Set? Natürlich gab es noch Zugaben, es war ja noch ein wenig Feuer über. Zu `Feuerwacht` und `Spielmansschwur` gaben sowohl Besucher, als auch die Feuersäulen nochmal alles.

Nach nicht ganz zwei Stunden verabschiedeten sich SALTATIO MORTIS  unter frenetischem Applaus dann endgültig von ihrem Publikum. Mittlerweile hatte der Regen nun auch etwas stärker eingesetzt. Nass und Glücklich ging es dann ab nach Hause.

Mit ihrer „Staub & Schatten“-Tour beweisen SALTATIO MORTIS  erneut, warum sie seit Jahren zu den wichtigsten Bands der deutschen Mittelalter- und Folkrock-Szene zählen. Das Konzert in Gelsenkirchen war mehr als nur ein musikalischer Auftritt – es war ein atmosphärisches Gesamterlebnis zwischen Mythos, Rockshow und Gemeinschaftsgefühl.

Setliste:

  1. Ich habe keine Angst
  2. Wo sind die Clowns
  3. Brunhild
  4. Große Träume
  5. Loki
  6. Odins Raben
  7. Heimdall
  8. Der Himmel muss warten
  9. Was wollen wir trinken
  10. Pray to the Hunter
  11. Ich schrei deinen Namen in die Nacht
  12. My Mother Told Me
  13. Valhalla Calling
  14. We Might Be Giants
  15. Mittelalter
  16. Uns gehört die Welt
  17. Ein neuer Anfang
  18. Vogelfrei
  19. Keine Regeln
  20. Prometheus
  21. Für immer jung

Zugabe:

  1. Finsterwacht
  2. Spielmannsschwur

 

Text & Photo Credits: Tatjana Krupka