RITCHIE NEWTON
Titel: HIGHER POWER
Label: NRT Records
Spieldauer: 61:08 Minuten
VÖ: 01. Mai 2026
CD gefällig? Das Cover gesehen und ja gesagt. Das sieht aus, als könnte ich was mit RITCHIE NEWTON anfangen und seinem „Higher Power“. Obwohl ich von ihm noch nie gehört habe. Übrigens, das mal lobenswert erwähnt, in der Post war neben der CD noch ein kleines fettes Heft mit mehr Infos, als ich hier nutzen kann. Im Vergleich zu sonstigen Waschzetteln, hier hat man sich mal richtig Mühe gegeben.
Aber was zählt, ist die Musik. Auch da, ich werde nicht enttäuscht.
RITCHIE NEWTON bietet aus seinem ersten Album seit 2015 richtig fetten melodischen Stoff. Zielsicher bewegt er sich zwischen AOR, Melodic Rock und metallischen Anklängen. Dabei ist er textlich streckenweise sehr persönlich, läßt auch Nachdenkliches nicht aus.
Gestartet wird mit dem knackigen Titelsong. Die Nummer hat Ritchie zusammen mit Markus Pfeffer (Lazarus Dream) geschrieben, der auch für die kernigen Gitarrenklänge zuständig ist. Dazu kommt Boris Matakovic mit einem feinen Saxophonsolo. Man mag an etwas glauben oder nicht, für manchen ist es gut, gerade in heutigen nicht ganz lichten Zeiten, an eine höhere Kraft glauben zu können. Diese kann einen schon mal durch schlechte Zeiten tragen. Im asiatischen Raum etwa steht dafür der Drache. Er ist ein Symbol von Stärke. Er sagt uns, wir sollen nicht aufgeben.
Mit starkes Unterstützung geht es gleich weiter. Frank Pané von Bonfire ist auf ´Come Give Me Your Love` zu hören. Und nein, auch wenn der Titel anderes behauptet. Das ist kein Friede-Freude-Eierkuchen. Die ziemlich metallische Nummer dreht sich um sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen. Gerade die Erzählerstimme beeindruckt und macht aufmerksam.
´Crying In The Summer Rain´ ist purer Rock’n’Roll. Beruhend auf einer wahren Begebenheit um einen Justizirrtum geht es um Verzweiflung und innere Stärke. Und um die Hoffnung, dass am Ende die Gerechtigkeit siegt. Auch hier ein prominenter Gast, den am Bass findet sich niemand geringerer als Marco Mendoza (Dead Daisies). Als zusätzlicher Gitarrist ist Armin Sabol zu hören. In seiner Diskographie steht „Major Tom“ einträchtig neben Rage und Pyracanda und den Fanta Vier. Für das groovende ´I Lost My Faith In You` gab sich Hans Ziller die Ehre, seit Ewigkeiten on Fire bei Bonfire.
Leider findet sich, neben reichlich starkem Stoff, auch eine Klischeekanonade. Aber wirklich nur eine einzige. Die Moppedfahrerhymne ´Glory Harleylujah´ geht mir so gar nicht rein. Wenn man sich schon an amerikanischem Liedgut vergreift, sollte man das vielleicht so schlau anstellen wie Heavens Gate damals in „Noah’s Dream“. Aber vielleicht fahre ich einfach nicht gern genug Motorrad. Dafür feiere ich die wunderschöne Ballade ´Saxanna´ umso mehr. Wer die Sehnsucht kennt, weiss, wie man leiden kann. Und das ist hier zu hören. Inklusive Savatage-Tribut-Piano.
Die zweite Hälfte des Albums baut nicht ab. Nein, es geht genauso stark weiter. Ich will jetzt auch nicht mehr so viel dazu verraten. Man muss sich das Ding einfach selber zu Gemüte führen. Etwa ´Goodbye My Little Boy´, das für mich einen Platz direkt neben „Tears In Heaven“ verdient hat.
Nein, zur Biographie lasse ich mich hier nicht aus. Da langt der Platz so gar nicht. Aber Ritchie hat doch so einiges schon auf dem Kerbholz, zwischen Biker Rock und Speed Metal. Da war sogar noch Luft für ein Cateringfirma.
Ritchie ist nicht nur ´King Of The Night´. Er hat sich hier tatsächlich für den Thron beworben. Den Thron der heimischen Melodic Rock. Meine Stimme hat er.
Mario Wolski vergibt 9 von 10 Punkten


