JÄST
Titel: JÄSTIFIED
Label: HUMBUCKER MUSIC
Spieldauer: 41:55 Minuten
VÖ: 17. April 2026
Die ungewöhnliche deutsche AOR Truppe JÄST ist 2024 irgendwo zwischen „das wird nie funktionieren“ und „warum haben wir das nicht früher gemacht“ entstanden. Hinter diesen vier Versalien stecken die charismatische Sängerin Jessica Conte Gitarrist Axel „Ironfinger“ Ritt (Ex-Grave Digger, Domain), Steven Wussow (Orden Ogan, Ex-Xandria) am Tieftöner sowie hinter dem Schlagzeug Timmi Breideband (Ex-Freedom Call, Ex-Bonfire), die mit markigen Worten angepriesen werden:
„Das Konzept ist so simpel wie genial: Jessica, Axel, Steven, Timmi – vier Buchstaben, eine Band, eine Mission. Ja, genau wie ABBA. Nur dass es hier keine Discokugeln gibt, dafür aber Gitarren mit mehr Tiefgang als der Mariannengraben. Und das Ä? Das ist kein Tippfehler, kein Zufall und auch keine Laune – es ist eine bewusste Verbeugung vor der goldenen Ära des melodiösen Hard Rocks der Achtziger. Ein Umlaut als Ehrerbietung. Wer das nicht versteht, hat die Achtziger schlicht verpasst.“
Dahinter steckt ein konsequentes, autarkes DYI-Konzept mit durchweg handgemachter Rockmusik ohne Samples und ohne KI. Axel „Ironfinger“ Ritt hat das Langeisen in seinen Meadow Studios selbst aufgenommen, gemixt und gemastert. Das Artwork und die Texte des nun veröffentlichten Debütalbums „Jästified“ stammen von Frontfrau Jessica.
Los geht es mit der bereits 2024 veröffentlichten Debüt- und Hit-Single `Heartlight´, eine wegweisende, eingängige 80s AOR Reboot Nummer, rockig und mit Melodien und Refrains, die ins Ohr gehen und im Ohr bleiben, die mit dem Schlussdoppel `In The Thrill Of The Night´ und `Ten Years Plan´ und damit den zwei übrigen, eher unspektakulären, Tracks der Debüt-EP „1“ den Rahmen für die insgesamt elf Stücke bildet.
Unter den übrigen Songs befinden sich vier weitere, die zusammen mit den drei bereits genannten die im April 2025 veröffentlichte Digital-EP „5“ ausmachten, darunter einige amtliche Ohrwürmer, von denen mir das grandiose `A Love Like That´ und `I Can See Clearly Now´ am hartnäckigsten im Gedächtnis bleiben. So wirklich neu sind also nur die drei in den letzten Monaten erschienenen Singleauskopplungen und der Bonus-Track `Sweet Gasoline´.
Dabei wurde diese Herangehensweise bewusst gewählt. Die Band trägt damit den veränderten Marketing-Gegebenheiten und Hörgewohnheiten Rechnung, die es als geboten erscheinen lassen, konstant präsent zu sein und regelmäßig neue Songs zu veröffentlichen, diese zuerst als Single einzeln zu releasen, um sie dann erst in EP-Form und dann als Album zusammenzufassen, ein Prozess für den es dann eben bei etwa zehn Kompositionen etwa zweieinhalb Jahre braucht.
Wenden wir uns nun also noch den neuen Tracks des Debütalbums zu. Für mein Gefühl sind diese ein wenig vielseitiger, beinahe könnte man sagen experimenteller und daher vielleicht einen Tick weniger eingängig als das übrige Material, aber immer noch typisch JÄST. Da haben wir das flotte, treibende `Kiss Yourself Goodbye´, das tanzbare Groove-Monster `Do You Wanna Dance´ sowie die bluesige Powerballade `An Ode To Infinity´.
Ein paar Worte müssen wir allerdings noch zur merkwürdig langsamen, farblosen und uninspirierten Melissa-Etheridge-Coverversion `Like The Way I Do´ verlieren, die gegenüber dem energiegeladenen, grandiosen Original komplett verblasst.
JÄST sind laut, frisch und inspiriert, viele Songs gehen ehrlich, ungefiltert und unverfälscht direkt in Herz, Bein und Hirn. Unter dem Strich und mit den genannten Einschränkungen ein ausgeglichenes, mitreißendes, zeitgemäßes Melodic Rock Werk mit einer grandiosen Sängerin. Die neuen Tracks zeigen die ein oder andere weitere Facette des Vierers und wer die EPs noch nicht kannte oder das Ganze in Albumlänge genießen möchte, kann hier bedenkenlos zugreifen.
Michael Gaspar vergibt 8 von 10 Punkten


