FROZEN SOUL haben sich in den letzten Jahren von einem eisigen Underground-Tipp zu einer der spannendsten Death-Metal-Bands der neuen Generation entwickelt. Mit ihrem kompromisslosen “Cold School Death Metal” und zwei starken Alben im Gepäck haben sich die Texaner nicht nur eine treue Fanbase erspielt, sondern auch live ordentlich Eindruck hinterlassen – zuletzt auf Tour mit HEAVEN SHALL BURN und THE HALO EFFECT. Mit “No Place of Warmth” steht nun das dritte Kapitel an – ein Album, das noch direkter, härter und gleichzeitig vielseitiger wirkt. Mehr Instinkt, mehr Druck, mehr Kälte – aber auch mehr Tiefe in den Themen. Ich habe mit Frontmann Chad Green über das neue Album, den spontanen Songwriting-Prozess, starke Features und den nächsten Schritt für FROZEN SOUL gesprochen.
Tobias:
Grüße nach Texas an Chad von FROZEN SOUL, freut mich, dass das Interview klappt, nachdem ich 2023 schon die Gelegenheit hatte, mit eurem Gitarristen Michael Munday über “Glacial Domination” zu sprechen. Wo erwische ich dich gerade – noch am Erholen von der Europa-Tour, in der texanischen Hitze oder schon wieder unterwegs mit dem FROZEN SOUL-Eissturm?
Chad Green:
Haha, ja Mann, nicht viel Zeit zum Erholen – wir sind gerade schon wieder unterwegs auf Tour mit AVATAR und FLESHGOD APOCALYPSE!
Tobias:
Mit “No Place of Warmth” steht euer drittes Album in den Startlöchern – nach “Crypt Of Ice” und “Glacial Domination”, die euch ordentlich nach vorne gebracht haben. Wie seid ihr das Songwriting für “No Place of Warmth” angegangen, gerade mit Blick auf die tiefergehenden Themen?
Chad Green:
Wir haben alles aus unseren letzten beiden Alben, unseren Tour-Erfahrungen und den Hürden, die wir im Leben überwinden mussten, zusammengeführt. Wir hatten nicht viel Material vorbereitet, also haben wir uns durch ältere Ideen gearbeitet und auch neues Material genutzt. Dann sind wir mit offenem Kopf und mit dem großartigen Josh Schroeder ins Studio gegangen, um ein Monster von einem Album zu erschaffen.
Tobias:
Euer “Cold School Death Metal” ist inzwischen ein echtes Markenzeichen. Wie sorgt ihr dafür, dass der Sound nicht zur Routine wird, sondern frisch und druckvoll bleibt – und wie viele Grad kälter ist “No Place of Warmth” im Vergleich zu den Vorgängern?
Chad Green:
Ganz ehrlich, wir konzentrieren uns einfach darauf, dass wir das Zeug selbst lieben. Wir vertrauen darauf, dass wenn wir unser Bestes geben und das feiern, was wir machen, es auch andere fühlen werden.
Tobias:
Dieses Mal seid ihr mit einem “leeren Blatt” ins Studio gegangen und habt viel direkt vor Ort geschrieben – man hört diesen organischen Ansatz deutlich. War das befreiend, trotz des Risikos, dass die Inspiration vielleicht ausbleibt?
Chad Green:
Im Nachhinein war es definitiv befreiend, aber während des Prozesses hatten wir schon Zweifel und waren uns nicht sicher, ob es die richtige Entscheidung war, ohne mehr vorbereitetes Material ins Studio zu gehen. Aber wir haben unseren Groove gefunden und gemerkt, worauf es wirklich ankommt: Spaß.
Tobias:
Beim Hören hatte ich oft das Gefühl, dass ihr mehr auf euren Death-Metal-Instinkt vertraut habt als auf perfekt strukturierte Songs. War das genau der Plan, um diesen organischen Druck zu erzeugen?
Chad Green:
Ich würde nicht sagen, dass das der Plan war, sondern eher, dass wir wollten, dass das Album Spaß macht und mehr unsere Live-Energie widerspiegelt. Wir haben immer den Old-School-Gedanken im Hinterkopf, aber hier sind wir mehr nach Gefühl gegangen. Wenn wir dachten “hell yeah” oder “badass”, wussten wir, dass wir auf dem richtigen Weg sind, haha.
Tobias:
Mit Josh Schroeder hattet ihr einen Produzenten an eurer Seite, der euch sicher auch gefordert hat. Gab es Momente im Studio, in denen ihr dachtet: “Okay, das ist genau der nächste Schritt, den wir mit ‘No Place of Warmth’ gehen wollen”?
Chad Green:
Ja, Josh ist einfach der Wahnsinn. Er hatte viele großartige Ideen und war nie aufdringlich. Er wollte immer das ergänzen, was wir gemacht haben, und hat seinen Input genau richtig eingebracht. Ohne ihn wäre das Album nicht das geworden, was es jetzt ist.
Tobias:
Die Features sind dieses Mal ziemlich spannend – Gerard Way, Devin Swank und Rob Flynn. Ich gebe zu, ich bin da ein bisschen Fanboy. Wie kam diese Kombination zustande und was haben die Jungs zu den Songs beigetragen?
Chad Green:
Bei Gerard habe ich einfach eine Nachricht geschrieben und er hatte sofort Bock. Wir sind seit ein paar Jahren befreundet und haben viele gemeinsame Interessen. Mit Robb habe ich telefoniert und wir haben über den Song und seine Bedeutung gesprochen. Als wir gemerkt haben, dass wir ähnliche Erfahrungen mit Verlust und Trauer gemacht haben, war er sofort dabei – er hat sogar alle seine Lyrics selbst geschrieben.
Tobias:
Stichwort Flynn und ‘Invoke War’: Der Song hat eine starke emotionale Tiefe und geht über reinen Death Metal hinaus. Wie wichtig ist euch diese Ebene geworden und was habt ihr im Vergleich zu “Glacial Domination” anders gemacht?
Chad Green:
Unsere Songs hatten schon immer solche Bedeutungen, aber bei ‘Arsenal of War’ habe ich gemerkt, dass ich das nicht mehr so sehr verstecken muss. Früher habe ich das gemacht, weil ich wollte, dass jeder seine eigene Geschichte darin sehen kann. Bei diesem Album war es mir wichtig, offen zu zeigen, dass Themen wie Depression, Motivation und Selbstermächtigung der Kern dessen sind, warum ich diese Musik mache.
Tobias:
Das Album bietet alles: kurze Abriss-Tracks wie ‘Absolute Zero’, fette Nackenbrecher wie ‘Dreadnought’ und Songs mit mehr Groove und Atmosphäre. Denkt ihr solche Dynamiken beim Schreiben bewusst mit? Gerade wenn viel im Studio entsteht, ist das schon beeindruckend.
Chad Green:
Ja, wir wollten alles, was wir bisher gemacht haben, auf diesem Album vereinen. Es sollte nicht langweilig werden, deshalb haben wir es etwas kompakter gehalten und einen fließenden, fast wie eine Achterbahnfahrt wirkenden Ablauf geschaffen.
Tobias:
Ihr wart zuletzt mit HEAVEN SHALL BURN und THE HALO EFFECT unterwegs – definitiv keine kleinen Namen. Hat euch diese Erfahrung noch einmal auf ein neues Level gehoben, gerade in Sachen Live-Energie?
Chad Green:
Ich denke, wir hatten mehrere Touren, die uns darauf vorbereitet haben. Die Runs mit AMON AMARTH, CANNIBAL CORPSE und OBITUARY, dann mit KILLSWITCH ENGAGE und KUBLAI KHAN und schließlich die Tour mit HSB und THE HALO EFFECT. Diese Erfahrungen haben uns gezeigt, wie man auf größeren Bühnen performt, weniger auf Nebel setzt und die eigene Präsenz und Show wirklich auf ein neues Level hebt.
Tobias:
Gibt es schon konkrete Pläne, das Album nach Deutschland zu bringen – dürfen wir mit Tour, Shows oder Festivals rechnen? Leider habe ich euch dieses Jahr verpasst.
Chad Green:
Wir planen, Anfang 2027 zurückzukommen, und das neue Album wird definitiv im Fokus stehen.
Tobias:
Dann gehören die letzten Worte dir: Was möchtest du euren Fans und unseren Lesern mit auf den Weg geben?
Chad Green:
Danke, dass ihr das gelesen habt – und denkt daran: Ihr seid gut genug, und ihr schafft das!
Interview: Tobias Stahl
Photocredits: Kate Russell, Katie Lewellyn, Erik Garcia

