SPELL – WRETCHED HEART

Spell - Wretched Heart

SPELL

Titel: WRETCHED HEART

Label: Bad Omen Records

Spieldauer: 42:42 Minuten

VÖ: 01. Mai 2026

Ihren vierten Volltreffer innerhalb von zehn Jahren liefern die kanadischen „Hypnotic“ Metaller SPELL mit ihrem fünften Longplayer „Wretched Heart“ ab. Die neue Scheibe sollte alle bisherigen Fans der Band wieder mit zahlreichen Göttersongs mitreissen, kann gleichzeitig aber auch mit einigen erfreulichen Überraschungen und neuen musikalischen Nuancen punkten.

Spell

Bereits mit ihrem starken Zweitwerk „For None And All“ (2016) und vor allem ihrem folgenden Meisterstück „Oppulent Decay“ (2020) hatten mich SPELL dem Namen gerecht voll in ihren Bann gezogen. In einzigartiger Weise kombiniert die Band traditionelle 70er und 80er Hardrock/Metal-Einflüsse alter Priest, Scorpions, Blue Öyster Cult und sogar Rush mit morbiden bis melodischen Melodien und Songstrukturen von Mercyful Fate als auch Bands wie alten The Cure, Fields Of The Nephilim oder den stets unterbewerteten Secret Discovery.

Besetzungstechnisch hat sich einiges getan: Neben den beiden Urmitgliedern Cam Mesmer (Bass, Vocals) und Al Lester (Schlagzeug, tw. Vocals) sind jetzt auch die beiden neuen Gitarristen Jeff Black (bekannt von den kanadischen Kollegen von Gatekeeper) und Gabriel Tenebrae am Start. Dabei übernimmt Gabriel nicht nur den Gitarrenjob des ausgeschiedenen Gründungsmitglieds Graham McGee, sondern auch dessen Synthesizer-Aufgaben. Und diese Wechsel sorgen tatsächlich auch für eine gewisse neue Dynamik auf „Wretched Heart“.

Wretched Heart

Gleich beim eingängig-treibenden Opener ‚Oubliette‘ als auch bei ‚Savage Scourge‘ übernimmt Drummer Al Lester den Leadgesang. Kennt man teilweise schon von den Vorgängeralben – nur diesmal sind die Songs auch voll auf seine düstere und mittlerweile noch sicherere Stimme zugeschnitten. Man fühlt sich direkt an Bands wie Fields Of The Nephilim oder Secret Discovery erinnert. So weit hatte sich die Band bisher noch nicht in Gothic-Rock-Gefilde vorgewagt – passt aber zum bisher „typischen“ SPELL-Sound wie die Faust aufs Auge.

Die nächste kleine Überraschung sind dann die bombastisch-groovende erste Video-Auskopplung ‚Take My Life‚ und das mitreissende ‚Exquisite Corpse‘ (geiler Songtitel). Hier stossen die Kanadier mit songprägenden Synthesizer-Einsätzen die Tür zum leicht progressiven und gleichzeitig höllisch eingängigen AOR so weit und konsequent wie noch nie auf. Da treffen härtere Journey und 80er-Rush auf rockige Idle Hands – und auch das hört sich wie eine absolut organische Weiterentwicklung an. Geil.

Dahingegen sind ‚Dark Inertia‘, ‚Unquiet Graves‘ und das fantastische, ebenfalls recht Synthesizer-lastige ‚Iron Teeth‘ dann einfach wieder typische, grandiose SPELL-Kracher, die auch auf den beiden tollen Vorgängeralben Highlights gewesen wären. An dieser Stelle muss ich wieder mal den hellen, teils hypnotisch, teils entrückten, manchmal fast zerbrechlich wirkenden Gesang von Cam Mesmer abfeiern, der mir in Verbindung mit dem Sound der Band einmal mehr diverse Gänsehautmomente beschert.

Was noch? ‚Lilac‘ ist ein weiterer kleiner Hit mit „Gothic-Faktor“ und würde von Sound und Gesangslinien her auch locker auf jedem Album von Unto Others glänzen. Und der Titelsong ‚Wretched Heart‘ sorgt mit seiner tatsächlich etwas an Gatekeeper erinnernden Epik für einen würdigen Abschluss dieses Hammeralbums.

Fazit

Ich vergöttere „Oppulent Decay“, da es trotz kleinerer Schwankungen im Songwriting zahlreiche derbe Gänsehautmomente bietet. Das letzte Album „Tragic Magic“ ist insgesamt etwas „runder“ und songtechnisch sogar noch einen Tick besser, bot stilistisch keine großartigen Neuerungen mehr, sondern einfach „nur“ durch die Bank grandiose Songs.

Auf „Wretched Heart“ gehen SPELL einfach noch einen Schritt weiter und erweitern ihr musikalisches Spektrum meiner Meinung nach so intelligent und stimmig um geile AOR- Dark- und Prog-Rock-Elemente, dass spätestens jetzt hoffentlich auch mal ein eine breitere Hörerschicht auf den großartigen Sound der Kanadier aufmerksam werden sollte.

Wer neuere Acts wie Unto Others/Idle Hands, Wytch Hazel, Gatekeeper, Cauldron, Chalice, Freeways, Spirit Adrift oder Lord Vigo abfeiert, sollte „Wretched Heart“ eigentlich lieben. Für mich gehören SPELL jedenfalls weiterhin zu den spannendsten Bands im atmosphärischen Metal. „Wretched Heart“ ist mit seinen zahlreichen Göttersongs in meinen diesjährigen Top Ten definitiv jetzt schon gesetzt.

Joe Nollek vergibt 9,5 von 10 Punkten