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Das „Heart Of Steel“ schlägt nicht mehr – Ein Nachruf auf ROSS „THE BOSS“ FRIEDMAN

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Als am Freitag auf dem Taunus Metal Festival in Oberursel die Nachricht, Ross The Boss sei verstorben, wie ein Lauffeuer die Runde machte, saß die Trauer bei vielen Anwesenden tief. Erst vor einigen Wochen gab er bekannt, an der unheilbaren und sehr heimtückischen Nervenkrankheit ALS zu leiden, bei dem Betroffene meist innerhalb kurzer Zeit versterben. Doch dass es dann so schnell geht, ist schon harter Tobak.

Ross Friedman begann seine Karriere 1973 bei der Punkband THE DICTATORS, stieg anschließend bei SHAKIN‘ STREET – eigentlich eine französische Band – ein. Während SHAKIN‘ STREET als Vorband von Black Sabbath 1980 auf deren „Heaven & Hell“ Tournee mit dabei waren, lernte er den Sabbath Roadie Joey DeMaio kennen. Was daraufhin folgte, ging in die ewigen Geschichtsbücher des Heavy Metal ein. Und jetzt lasst es Euch noch einmal konzentriert und Wort für Wort auf der Zunge zergehen:

„Battle Hymns“ (1982)

„Into Glory Ride“ (1983)

„Hail To England“ (1984)

„Sign Of The Hammer“ (1984)

„Fighting The World“ (1987)

„Kings Of Metal“ (1988)

Klassiker um Klassiker. Hymnen um Hymnen. Meisterhafte Symphonien, Glanztaten der goldenen Ära des Heavy Metal, die auch zu einem mehr als beträchtlichen Anteil die Handschrift von Friedman trugen. Die Blaupause für Epic Metal. Das Beste, was man unter dem Begriff US Metal vermarkten kann. Der edelste Stahl, der jemals in Neuengland geschmiedet wurde. In Musik und Worte gepackte, echte Emotionen; gegossen in metallische Perfektion. Lieder, die einen lebenslänglich begleiten, wenn es irgendwann mal „Klick!“ gemacht hat. 1988 gerieten Ross und Joey aneinander. Das Songwriting Duo ging für immer getrennte Wege; sieht man mal von ein paar gemeinsamen Auftritten „zugunsten der Fans“ 2005 und 2008 unter dem MANOWAR Banner ab. Ross jedoch war von der anhaltenden Begeisterung der Fangemeinde so angetan, dass er unter eigenem Namen zuerst MANOWAR Songs „coverte“ und später dann auch mit eigenem Material neu auftrumpfte; und das auch alles andere als schlecht. 2012 schloss er sich obendrauf noch der Supergroup DEATH DEALER an, der er bis zu seinem Tod die Treue hielt.

Seit dem Ausscheiden von Ross Ende der 80er nahm die Qualität der „Kings Of Metal“ langsam, aber doch kontinuierlich ab. Sehe ich persönlich „The Triumph Of Steel“ (1992) noch im Klassikerbereich – Hand aufs Herz: ein Duell zwischen „Fighting The World“ und eben jener Platte geht für den harten Kern wohl meist zugunsten letzterer aus – ging es danach immer weiter bergab. War „Louder Than Hell“ (1996) noch von gutem, eingängigem Standardmaterial geprägt, so war für die „alte Garde“ spätestens seit „Warriors Of The World“ (2002) Schluss. Man könnte sich auch fragen, ob ein Ross Friedman diese Vermarktung im Zuge des späten „Warriors Of The World United“ Erfolges und Auftritten bei Raab und Co. überhaupt zugelassen hätte. Aber lassen wir die Spekulationen mal sein…

Ross The Boss spielte nicht Gitarre. Er ließ die Säbel rasseln… Grüß uns Deinen Weggefährten Scott Columbus da drüben. Die „Gates Of Valhalla“ haben dieses Mal einen der ganz Großen durchgelassen.

Rest In Power, Ross Friedman (1954 – 2026)!

Marius Gindra