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FUNERAL PILE – Zwischen Frost, Finsternis und literarischem Horror

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Mit “Summoning” melden sich FUNERAL PILE fünf Jahre nach ihrem Debüt “Evoked In Flames” eindrucksvoll zurück. Die Bayern haben ihren ohnehin schon düsteren Sound weiter geschärft und verbinden auf dem neuen Album Post-Rock-Atmosphäre mit doomiger Schwere, epischem Death Metal und einer ordentlichen Portion literarischem Horror. Shackleton, Lovecraft oder auch Preußlers “Krabat” verschmelzen hier zu einem Werk mit erzählerischem Anspruch. Wir sprechen mit Ralf und Matthias von FUNERAL PILE über die Entwicklung seit “Evoked In Flames”, die Entstehung von “Summoning”, frostige Inspirationen, schwarze Magie in ‘The Mill’ und darüber, warum man sich dieses Album unbedingt zulegen sollte.

Tobias:
Hi, Matthias! Erstmal schön, dass wir wieder sprechen! Fünf Jahre sind seit “Evoked In Flames” vergangen – wie geht es euch aktuell, und wie fühlt sich die Veröffentlichung von “Summoning” für euch an?

Matthias:
Hi Tobias, schön, wieder mit dir zu sprechen! Fünf Jahre sind tatsächlich eine lange Zeit, in der wir aber nicht stillgestanden haben. Wir haben viel ausprobiert, an unserem Sound gefeilt und uns als Band weiterentwickelt. In den letzten Jahren hatten wir zudem die Möglichkeit, auf vielen Festivals, Clubshows und auch im Ausland zu spielen, was uns echt viel Erfahrung und Spaß gebracht hat. Die Veröffentlichung von “Summoning” fühlt sich deshalb richtig gut an. Es ist das Ergebnis von viel Arbeit, Geduld und Herzblut, und jetzt endlich die Songs mit allen teilen zu können, ist ein tolles Gefühl. Wir sind erleichtert, stolz und vor allem motiviert, das Ganze auch live zu zeigen. Sonst geht es uns aktuell sehr gut. Wir sind motiviert und freuen uns auf alles, was jetzt kommt.

Tobias:
Wenn ihr “Summoning” heute neben “Evoked In Flames” legt – wo seht ihr die größte Entwicklung? Sound, Songwriting, Atmosphäre?

Matthias:
Das erste Album “Evoked In Flames” war in relativ kurzer Zeit geschrieben und aufgenommen. Vier Freunde, die ausprobieren, wie sie ihre Vorstellungen zusammenbringen, ohne großen Plan, konkrete Ziele oder Erwartungen. Einfach nur Songs schreiben und schauen, was passiert. Bei “Summoning” war das komplett anders. Wir sind viel bewusster an alles herangegangen. Unser Ziel war es, uns in allen Bereichen zu steigern – soundtechnisch, lyrisch und atmosphärisch. Wir wollten nicht nur neue Songs schreiben, sondern ein stimmiges Gesamtwerk schaffen.

Tobias:
Wenn ihr auf “Evoked In Flames” zurückblickt: Gibt es etwas, das ihr damals anders gemacht hättet, was ihr auf “Summoning” nun bewusst anders umgesetzt habt?

Matthias:
“Evoked In Flames” fühlte sich damals genau richtig an – und das tut es bis heute. Mit den Jahren haben wir uns als Menschen weiterentwickelt, und unsere Musik ist diesen Weg mitgegangen. Wir würden nichts daran ändern, denn sie ist ein ehrlicher Ausdruck dessen, wer wir zu diesem Zeitpunkt waren.

Tobias:
Schon beim Debüt habt ihr Black-, Death- und Doom-Elemente stark miteinander verwoben. Auf “Summoning” wirkt vieles noch geschlossener, konzeptioneller und reifer. Wie lief die Entwicklung eures Sounds und das Songwriting diesmal konkret ab? Entstanden die Songs eher gemeinsam im Proberaum oder bringt ihr fertige Strukturen mit?

Matthias:
An der grundsätzlichen Art, wie wir Songs schreiben, hat sich gar nicht so viel geändert. Wir entwickeln Songideen gemeinsam. Teilweise haben wir recht unterschiedliche musikalische Vorlieben und Vorstellungen, aber wir lassen uns gegenseitig den Raum, die jeweiligen Einflüsse einzubringen. Wir schleifen manchmal Wochen an einem Song, bis jeder von uns das Gefühl hat, ein mächtiges Werk erschaffen zu haben. Durch die Erfahrungen der letzten Jahre haben wir auch gelernt, welche jeweiligen persönlichen Elemente gut harmonieren und dadurch zu unserem eigenen Stil gefunden. Deshalb wirkt “Summoning” geschlossener und reifer.

Tobias:
Im Vergleich zum Debüt wirkt “Summoning” atmosphärischer und teilweise fast filmisch. Denkt ihr beim Schreiben auch visuell – also in Bildern, Szenen, vielleicht sogar wie bei einem Soundtrack?

Matthias:
Oft tragen wir bereits mit der ersten Riff-Idee eines Songs eine bestimmte Stimmung oder ein Gefühl in uns, das wir hörbar machen wollen und das dann auch den weiteren Schreibprozess prägt. Gleichzeitig sollen unsere Songs aber mehr sein als nur Klang – sie sollen Bilder entstehen lassen, Szenen, die sich im Kopf der Hörenden wie kleine Filme entfalten.

Tobias:
Thematisch geht ihr auf “Summoning” deutlich in Richtung literarischer Horror und historische Extreme – Stichwort Shackleton-Expedition in ‘The Unendurable’ oder Otfried Preußlers “Krabat” als Basis für ‘The Mill’. Woher kommt diese Faszination für düstere Stoffe?

Matthias:
Mit den düsteren Themen sind wir unserer Linie vom Debütalbum “Evoked In Flames” treu geblieben. Schon Songs wie Klondike, Food for the Flies oder Dead End Red Sand schlugen diese dunkle Richtung ein. Ausweglose Situationen und schwere Zeiten haben sich beinahe unmerklich zu unserem Markenzeichen entwickelt – zumindest, was unsere Texte betrifft.

Tobias:
Mit ‘Mountains Of Madness’ verneigt ihr euch hörbar vor H. P. Lovecraft. Wie groß ist sein Einfluss generell auf euren Sound und eure Texte?

Matthias:
Lovecraft verstand es meisterhaft, Menschen in scheinbar ausweglosen Situationen zu zeichnen. Diese tiefe Verzweiflung und der oft nur schemenhaft greifbare Horror fügen sich nahezu selbstverständlich in unseren Sound ein. Sie spiegeln genau jene düstere Intensität wider, die wir musikalisch transportieren wollen.

Tobias:
Bleiben wir kurz bei ‘The Mill’: Schwarze Magie, ein Pakt mit dem Tod, jedes Jahr ein Opfer – das ist ziemlich starkes Kopfkino. Was hat euch an dieser Geschichte besonders gereizt, und wie kam die Kollaboration mit Winterherz zustande?

Matthias:
Krabats Geschichte begleitet die meisten von uns schon seit Kindheit oder Jugend. Der Pakt mit dem Tod, die scheinbar ausweglose Lage – all das trägt eine düstere Wucht in sich. Ähnlich wie bei Lovecrafts Werken lag es daher nahe, auch Preußlers “Krabat” musikalisch zu interpretieren, zumal Otfried Preußler auch der bedeutendste Autor unserer Region ist und jeder von uns seine Werke kennt. Die Kollaboration mit Winterherz von WALDGEFLÜSTER war dagegen eigentlich naheliegend. Er ist schon lange ein Freund von uns und einfach ein unglaublich guter Musiker. Unser Bassist Martin ist schon seit Jahren immer wieder bei WALDGEFLÜSTER als Live-Bassist eingesprungen und mittlerweile auch festes Bandmitglied. Was viele gar nicht wissen: Wir teilen uns seit Beginn an mit WALDGEFLÜSTER den Proberaum. Thomas Birkmaier, ihr Schlagzeuger, hat unser erstes Album gemischt. Die Zusammenarbeit mit Winterherz war nur die logische Konsequenz und schon längst überfällig. Und bei “The Mill” passte seine Mischung aus harschen Vocals und Klargesang einfach wunderbar.

Tobias:
Auf “Summoning” schwingt stellenweise eine ordentliche Portion Melancholie mit. Jetzt weiß ich, dass ihr gerne in Finnland unterwegs seid – hat sich da vielleicht ein bisschen finnische Schwermut in euren Sound eingeschlichen?

Matthias:
Teile der Band verbringen gerne viel Zeit in den nordischen Ländern – nicht nur Finnland, auch Schweden und Norwegen. Diese Weite, die Ruhe, die Melancholie in der Natur – davon hat sich bestimmt auch etwas in unserem Sound festgesetzt, wenn auch eher unbewusst.

Tobias:
Wie zufrieden seid ihr mit dem Sound von “Summoning”? Die Produktion wirkt druckvoll und hat den richtigen Anteil an Schwärze, Atmosphäre, Dreck und Grusel.

Matthias:
Vielen Dank. Genau wie du das beschreibst, wollten wir den Sound von “Summoning” haben – genau diese Mischung aus Druck, Schwärze, Atmosphäre und ein bisschen Dreck war unser Ziel. Bei “Evoked In Flames” versuchten wir noch, die Produktion etwas mehr im Post-Black-Stil anzusiedeln. Da wir inzwischen über uns gelernt haben, dass die Doom- und (Melodic)-Death-Elemente in unserem Sound mindestens genauso stark vertreten sind, wollten wir unseren Sound mehr in diese Richtung entwickeln und der Produktion mehr Druck und Klarheit geben. Gleichzeitig war uns aber auch wichtig, dass es sich immer noch nach uns anhört. Es sollte nicht glattgebügelt oder überproduziert wirken, sondern weiterhin diese rohe, ehrliche Note behalten.

Tobias:
Die CD-Version enthält mit ‘The Unendurable’ einen Bonustrack, der auf Vinyl fehlt. Warum habt ihr euch für diese Aufteilung entschieden – oder waren es Platzgründe?

Matthias:
Um ehrlich zu sein: Es waren tatsächlich Platz- und Kostengründe. Das Album ist schlichtweg zu lang, um problemlos auf eine einzelne LP zu passen. Und jeder, der schon einmal selbst Platten hat pressen lassen, weiß, wie verdammt teuer Vinyl inzwischen ist. Wir wollten aber auf keinen Fall komplett auf eine Vinyl-Version verzichten. Gleichzeitig kam es für uns auch nicht infrage, einfach einen Song komplett vom Album zu streichen. Dasselbe “Problem” hatten wir übrigens schon beim ersten Album, bei dem es Dead End Red Sand nicht auf die LP geschafft hat.

Tobias:
Ab wann kann man das Album bestellen? Im Shop ist noch keine Pre-Order gestartet (Stand 12.02.2026).

Matthias:
Die Pre-Orders starten am 20.02.2026. CD- und Digital-Release wird am 06.03.2026 sein. Die CDs sind schon fertig und liegen bei uns zu Hause bereit, sodass sie pünktlich verschickt werden können. Die Vinyl-Version wird leider nicht ganz gleichzeitig erscheinen. Die Platten werden gerade gepresst, und wir rechnen damit, dass sie etwa drei Wochen nach dem CD-Release verschickt werden können.

Tobias:
Wie sehen eure Live-Pläne für 2026 aus?

Matthias:
Nach unserer unfreiwilligen Pause, in der wir einen neuen Drummer gesucht haben, sind wir fündig geworden: Ein guter Freund und unheimlich begabter Multiinstrumentalist, Lukas Danninger, wird bis auf Weiteres an den Drums aushelfen. Somit starten wir direkt am 07.03. mit unserer Album-Release-Show beim Growl Bowl Festival im wohlbekannten Münchener Backstage. Für 2026 sind bereits noch weitere Konzerte bestätigt, die wir zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht offiziell ankündigen dürfen. So viel können wir aber schon verraten: Es werden auch exklusive Clubshows mit echten Hochkarätern dabei sein – auf die wir uns ganz besonders freuen. Und natürlich können wir es kaum erwarten, die neuen Songs endlich live auf die Bühne zu bringen.

Tobias:
Ihr bewegt euch stilistisch zwischen Black, Death, Doom und postrockigen Momenten. Fühlt ihr euch einer bestimmten Szene zugehörig, oder ist euch das komplett egal?

Matthias:
Das ist für uns zweitrangig. Jedes Bandmitglied bringt einen eigenen musikalischen Hintergrund und Geschmack mit, es wäre viel zu einschränkend, uns bewusst auf nur ein Genre festzulegen. Gerade diese Vielfalt macht unsere Musik lebendig. Trotzdem sind wir alle tief im Metal verwurzelt, sei es Death, Black oder Heavy Metal. Bei FUNERAL PILE finden wir unseren gemeinsamen Nenner und die Einflüsse aller Bandmitglieder wieder, ohne uns auf eine Szene oder Richtung festlegen zu müssen.

Tobias:
Wenn ihr “Summoning” in drei Worten beschreiben müsstet – welche wären das?

Matthias:
Düster und episch, aber auch persönlich.

Tobias:
Von meiner Seite war’s das – gibt es noch etwas zu “Summoning”, das ich nicht gefragt habe, euch aber wichtig ist? Etwas, das die Leute da draußen unbedingt wissen sollten?

Matthias:
Eigentlich gibt’s gar nicht so viel, was wir noch extra erklären müssten, wir sind einfach froh, dass das Album bald draußen ist und wir die Songs endlich teilen können. Beim Schreiben und Aufnehmen hatten wir echt Spaß, und ich denke, man merkt, dass wir uns diesmal mehr Zeit für alles genommen haben. Und ganz wichtig: Wir freuen uns immer über den Kontakt zu allen, die unsere Musik hören. Sei es auf Konzerten oder einfach per Nachricht – das bedeutet uns echt viel.

Tobias:
Zum Abschluss: Was möchtet ihr euren Hörern da draußen mitgeben, die euch vielleicht schon seit “Evoked In Flames” begleiten – oder jetzt neu dazustoßen?

Matthias:
Es ist einfach toll, dass euch unsere Musik gefällt und dass ihr sie hört. Das bedeutet uns mehr, als ihr ahnt. Danke!

Interview: Tobias Stahl
Photocredit: Iven Burmester