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Interview-Section :: Index: 'T' :: TRIARII

TRIARII
Klare Strukturen, absolute Kontrolle
TRIARII stehen, nicht erst seit der Veröffentlichung des aktuellen Albums „Muse In Arms“, als das Synonym für Martial Industrial und hymnenhafte, orchestrale Kompositionen mit Military-Appeal. Durch die Brillanz und die songschreiberische wie produktionstechnische Akribie, mit der TRIARII dabei zu Werke gehen, steigert sich die Erwartungshaltung von Album zu Album und bislang ist es Christian Erdmann mit jedem neuen Album gelungen, sein Vorgängerwerk zu übertrumpfen. So auch bei „Muse In Arms“, das vor Superlativen nur so strotzt und zuweilen ganz bewusst auf das künstlerische Mittel der Provokation setzt, um Reaktionen hervorzurufen, abhängig ganz davon, welcher politischen Couleur der Rezipient sich nun zugehörig fühlt. Dies ist für manche, die sich nur oberflächlich mit TRIARII auseinandersetzen, sicher ein schmaler Grat, auf dem Christian Erdmann sich hier bewegt, in der Aussage und der Konzeption, die damit einhergeht, aber nur folgerichtig und konsequent. Kunst war und ist immer schon ein Mittel gewesen Denkanstösse zu vermitteln, zu provozieren oder eben auch zu betören und die Menschen aus ihrer Lethargie und ihrer Umwelt herauszureissen. In welcher Form auch immer dies geschieht, und so ist Kunst nur um der Kunst willen ganz sicher nicht die Intention, die Christian Erdmann mit TRIARII verfolgt. Dass TRIARII dabei mittlerweile nicht nur in musikalischer Hinsicht eine Vorreiterrolle einnimmt, sondern auch in Sachen Konzept, macht bsp. ein Projekt wie Pantheon Legio Musica deutlich, das sich inhaltlich, wie TRIARII auch, mit dem Römischen Reich und seiner Grösse auseinandersetzt. Was aber denkt Christian Erdmann über seine Vorreiterrolle und die Bands und Projekte, die TRIARII nacheifern? Lest selbst ...
>> TRIARII hat sich schon von Anfang an, seit 2004, sehr stark an der Thematik des römischen Reiches, dessen Übersetzbarkeiten und Parallelen orientiert. Ob ich eine Vorreiterrolle übernommen habe, steht mir nicht zu zu beurteilen. Spätestens seit dem zweiten Album gab es so einige neue Projekte, die sich ähnlich meines Auftrittes, manche sogar in kompletter Kopie-Ausführung präsentierten und es gab so einige Schreiberlinge, die dies als Neuerung betitelten. Ich setze mich mit vielerlei Bewegungen innerhalb dieses Bereiches kaum auseinander. Das genannte Projekt kenne ich nicht näher, viele Fans wiesen mich aber schon darauf hin, dass Projekte der gleichen Lesart aus dem Boden sprießen. Das mag vermessen klingen, aber: Gute Sachen werden eben immer kopiert. <<

Die Erstauflagen der TRIARII-Veröffentlichungen erscheinen zumeist in edlen und streng limitierten Auflagen. Warum per se erst einmal diese Limitierung? Wenn ich mir die „Muse In Arms“-Box mit T-Shirt, 7“, Anstecker, Fotos und der edlen Box ansehe, kann ich mir kaum vorstellen, dass finanziell da etwas für „Eternal Soul“ oder TRIARII hängen bleibet

>> Es ist seit je her Philosophie von „Eternal Soul“, diese Form der Spezial-Editionen herzustellen. Es ist die Liebe des Labels zu qualitativ hochwertigen Produkten. Auch einer der Gründe, warum ich derzeit mit TRIARII bei Eternal Soul veröffentliche. In einer Zeit, in der der Markt überschwemmt wird mit billig produziertem und aber teuer verkauftem, qualitativem Mist, muss sich ein Label abgrenzen und hervorstechen, um bestehen zu können. Die sehr aufwendig und teuer produzierten Spezial-Editionen sind, so elitär sie auch in ihrer geringen Stückzahl daherkommen mögen, ein Dankeschön an wahre Fans und Freunde dieser Musik. Da bleibt in der Tat finanziell eigentlich nichts bei Label und Künstler hängen. Für Eternal Soul spiegelt dies den "Independent"-Gedanken wider. Die Frage der Auflagenstärke einer Veröffentlichung richtet sich vielmehr danach, was ein relativ kleines Label finanziell bewältigen kann. "Muse in Arms" war die bisher teuerste Produktion. Aus eigener Erfahrung stelle ich fest, dass sehr viele Konsumenten nicht mehr bereit sind, für ein Release einen fairen Preis zu bezahlen. Musik wird ins Internet zum Download gestellt, darf nichts kosten und wird als selbstverständlich angesehen und ge- und verbraucht. Die landläufige Meinung, dass Downloads den Abverkauf fördern, ist meines Erachtens falsch. Viele Verbraucher, die heutzutage etwas umsonst bekommen können, werden diesen Weg nutzen. Viele Konsumenten sehen die Preise von CD-Rohlingen etc... im Supermarkt und glauben, dass eine CD-Veröffentlichung nicht viel teurer als eben dieser sein kann. Der Preis einer CD beinhaltet die Kosten für das Mastering, das Presswerk, die Rohlinge, das Papier, die Konfektionierung, den Grafiker, den Fotographen, die Farbe, den Druck, das Tray, die Verpackung, den Künstler und das Label. Solange diese "Geiz-ist-geil"-Mentalität herrscht, werden gerade kleine Labels und Projekte, die alles aus ihrem Privatvermögen finanzieren, irgendwann auf Schuldenbergen sitzen und ihren Betrieb einstellen. Insofern machen hohe Auflagen in dieser doch recht kleinen Szene irgendwann keinen Sinn mehr, weil die Kosten zur Refinanzierung nicht eingespielt werden und ein neues Release unmöglich machen. Aufhalten wird man diese Entwicklung nicht, aber somit sind Labels und Künstler gefordert, nach anderen Veröffentlichungs-strategien und/oder Medien zu suchen. <<

„Ars Militaria“ und „Pièce Héroique“, die ersten beiden Alben, sind vor geraumer Zeit wiederveröffentlicht worden. Wurde ausser der Covergestaltung, verglichen mit dem Original, etwas am Album verändert?

>> Viele Hörer hatten durch eine mißverständliche Formulierung in den Credits den Eindruck, dass die Vocals auf den Veröffentlichungen von Axel Frank gesprochen wurden. Dem ist nicht so. Seit je her stammen alle Vocals von mir selbst. Ich habe diese bei WERKRAUM im Studio von Axel Frank aufnehmen lassen, da er in der Lage ist eines der besten Ergebnisse zu erreichen. Wir haben daraufhin die Formulierungen in den Credits noch etwas ausdifferenziert, sowie die Tracklist des ersten Albums auf dessen Rückseite erscheinen lassen. Bis auf diese Kleinigkeiten und die veränderte Farbgebung wurde an den Wiederveröffentlichungen nichts verändert. <<

Bist du selbst Schallplatten- und CD-Sammler und dir der Tatsache bewusst, dass diese limitierten Erst- und Originalveröffentlichungen mittlerweile Höchstpreise erzielen?

>> Ich habe vor langer Zeit selbst Platten und CD´s gesammelt, dies aber irgendwann aufgrund geänderter Hörgewohnheiten und einem Mangel an Zeit eingestellt. Mir ist sehr bewusst, dass limitierte Erst- und Originalveröffentlichungen sehr hohe Preise erzielen. Die limitierten Auflagen von TRIARII sind bisher zu einem hohen Anteil bei ihren Besitzern geblieben; und das spricht für die Freunde meiner Musik. <<
Gibt es bislang unveröffentlichte TRIARII-Stücke? Wenn ja, werden diese eines Tages noch erscheinen?

>> Selbstverständlich habe ich eine Fülle von Stücken produziert, die bisher nicht veröffentlicht wurden. Die produzierten Resultate haben mir einfach nicht genügt; sie waren nicht gut genug oder meiner Meinung nach nicht für eine Veröffentlichung geeignet. Ob diese Stücke je veröffentlicht werden, kann ich heute nicht beurteilen. Einige Stücke sind es bestimmt wert, überarbeitet zu werden bis sie mir genügen; andere Stücke werden wohl ewig Fragment bleiben und nie den geneigten Hörer erreichen. Es gibt durchaus Tage und Zeiten, in denen sitze ich über alten Projekten und befinde diese für überarbeitungstauglich...einige Tage später sind es die selben Stücke nicht mehr und ich verwerfe diese. <<

Wie hast du durch die Wiederveröffentlichungen den damit verbundenen Rückblick auf dein eigenes Schaffen empfunden? Würdest du im nachhinein gerne Dinge verändern?

>> Ich muss mir oft vom Label anhören, dass ich schon förmlich unter meiner Perfektion leide und damit alle anderen in den Wahnsinn treibe. Ich entscheide Dinge kurz vor dem Release-Termin um, ändere etwas von marginal bis grundlegend, füge etwas hinzu, lasse etwas weg.... Das ist für viele der Beteiligten eine enorme Belastung. Gerade wenn ich z.B. bei Abgabe des Albums die Trackreihenfolge ändere oder ganze Stücke ersetze. Dann muss das Artwork in kürzester Zeit geändert werden. Im Nachhinein würde ich so gut wie immer etwas an den Veröffentlichungen ändern wollen. Weniger am Artwork als an der Musik. Es macht sich kurz nach Veröffentlichung bei mir ein Gefühl des Nicht-Genügens breit. Der Gedanke, dass das Album noch besser geworden wäre, wenn ich nur mehr Zeit gehabt hätte. Ich weiß aber selbst, dass dies ein Trugschluß ist. Je länger man an einem Album arbeitet, umso größer ist die Gefahr, dass man das Album "zerarbeitet"; das man soviel ändert, hinzufügt oder wegnimmt, dass der eigentliche Kontext verloren geht. Irgendwann muss man einen Schlußstrich ziehen und sein Werk "loslassen". Jede Veröffentlichung von TRIARII ist Spiegel einer Zeit und immer eine Momentaufnahme. Insofern würde fast jedes Stück von damals heute anders klingen. Auch ich unterliege mit meiner Person einem stetigen Wandel, der sich in den Veröffentlichungen widerspiegelt. Mein Ziel ist es, mich mit jeder Veröffentlichung weiterzuentwickeln und dem "perfekten" Release (sofern es so etwas überhaupt gibt) ein Stück näher zu kommen. Gerade was den Klang und die Produktion betrifft, denke ich, kann man eine Weiterentwicklung gerade auf "Muse in Arms" hören. <<

TRIARII wirken in ihrem Schaffen, sei es im Hinblick auf die Musik als auch das Artwork, sehr durchstrukturiert und sehr konzeptionell. Ziehst du gerade aus dieser konzeptionellen Ausrichtung deine Stärke? Gibt es auch Dinge mit TRIARII, die du dem Zufall überlassen würdest?

>> Als „Eternal Soul“ diese Frage im Bezug auf die Zufälle gelesen hat, wurde laut gelacht....denn ich bin bestrebt, NICHTS dem Zufall zu überlassen. Was die Musik, das Artwork, die Live-Auftritte und die Produktion in all seinen Bestandteilen betrifft, übe ich Kontrolle wo ich nur kann. Das hängt wohl mit meinem perfektionistischen Anspruch zusammen. Ich will meine Ideen und Visionen umgesetzt wissen und bisher scheint es ja auf diesem Wege ganz gut funktioniert zu haben. Ich kann natürlich nicht alles kontrollieren, so gern ich auch würde. Wenn mir, wie geschehen, bei einem Auftritt in Rostock beim Trommeln die Sticks zerbrechen, dann kann ich nur zum mitgebrachten Ersatz greifen; an der entstandenen Situation aber nichts ändern. Bestimmte Dinge entziehen sich der Kontrolle und man kann nicht alles bis ins Kleinste planen. Eine gute Vorbereitung ist da schon viel wert. Ich bin, auch wenn sich die Auftritte von TRIARII großer Beliebtheit erfreuen, fast immer unzufrieden, weil ich denke, dass es noch besser hätte sein können. Aber diese zielstrebige, kontrollierte und umsichtige Planung aller Dinge macht vielleicht auch den Erfolg aus und ist gut für die Weiterentwicklung. Wie unschwer zu erkennen ist, ist der Bewegungsspielraum für das Artwork bei TRIARII extrem begrenzt. Die konsequente und sehr minimalistisch-reduzierte Linienführung war seit jeher Markenzeichen und Ausdruck von TRIARII und wird dies auch bleiben. Ein filigran-verspieltes oder überladenes Artwork kommt für mich nicht in Frage. Ich mag es Platz zu verschwenden. Es gibt Raum für die wichtigen Dinge und auch wenn das Artwork eine unterstützende und wichtige Rolle bei den Veröffentlichungen übernimmt, bleibt noch viel Raum für die Musik übrig. Das reduzierte Artwork und die überladenen Kompositionen korrespondieren auf gewissem Wege miteinander. Die Musik füllt den graphischen Spielraum - gleichzeitig glättet das Artwork in gewisser Weise die Musik und unterstützt die Gradlinigkeit und Stärke. <<

Jouni von In Slaughter Natives hat „Muse In Arms“ gemastered. Wie wichtig ist sein Mastering für den Sound von TRIARII? Gerade dieser unglaublich transparente und kraftvolle Klang unterscheidet TRIARII deutlich von Bands wie bsp. Toroidh oder ähnlichen Projekten, wie ich finde.

>> Ich mag klare Strukturen. Jouni Havukainen vermag mit seinem Mastering eben diese klaren Strukturen herauszuarbeiten, ohne aber die Hintergrundelemente zu vernachlässigen. In so einigen Stücken lasse ich es grollen und grummeln; gleichwohl haben aber auf oberen Schichten sehr klare Soundkomponenten das Sagen. Jouni gelingt es, diese unterstützenden Bassfrequenzen eben nicht zu glätten oder zu beseitigen, sondern alle Bestandteile miteinander ins Gleichgewicht zu bringen. Letzten Endes ist das Mastering die folgerichtige Konsequenz, da meine Stücke alle so angelegt sind, wie beschrieben. Bei "Pièce Héroique" war ich sehr zufrieden mit dem Mastering und ich war froh, das Jouni auch das Mastering für "Muse in Arms" übernehmen konnte und wollte. Wenngleich sich die beiden Alben in ihrer Klarheit doch sehr unterscheiden. Auch Jouni war diversen Veränderungswünschen meinerseits ausgesetzt und musste viele Male nachregulieren oder Dinge nach meinem Wunsch verändern oder neu mastern. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Rückblickend werde ich irgendwann wahrscheinlich Gegenteiliges behaupten, da es nie genug sein kann. <<
Wie hast du die Arbeit an „Muse In Arms“ empfunden? Im Interview mit dem rumänischen Online-Mag „Kogaionon“ sprichst du von einem hohen Erschöpfungsgrad nach jedem Album. Sprichst du hier von physischer oder psychischer Erschöpfung? Weil lange muss die Ruhepause sein um dich dann wieder zu regenerieren und neue Stücke anzugehen?

>> Die Arbeit an "Muse in Arms" war ziemlich Kräfte zehrend und eben erschöpfend. Zwei Jahre lang musste gesampelt, aufgenommen, gesprochen, gesungen, das Artwork und die vielen Melodien erdacht und erarbeitet werden. In erster Linie ist es eine psychische Erschöpfung, wenngleich der einhergehende gesteigerte Kaffee- und Zigarettenkonsum und das viele Arbeiten am Computer wahrscheinlich auch körperlich nicht zuträglich sind. Wie lang eine Ruhepause sein muß kann ich nicht beurteilen. Die Entscheidung weiterzuarbeiten kommt völlig von allein und ist allenfalls der "Muse" zuzuschreiben. Ich brauche nach einem Release Zeit für mich und komplett andere Dinge. Ich bin eine Zeit lang froh, dass ich die Musik nicht mehr hören muss und setze mich meiner eigenen Musik dann gerade in dieser Zeit nicht aus. Für die Verbraucher ist das Material sehr neu; für mich schon sehr alt, da ich es die besagten zwei Jahre lang immer und immer wieder gehört habe. Da ist es schwierig, gerade für Live-Auftritte, eine gesunde Distanz zu finden, um nicht völlig abgenervt vom eigenen Schaffen zu werden. <<

Wie Kräfte zehrend war die Arbeit an „Muse In Arms“ im Vergleich zu „Ars Militaria“ und „Pièce Héroique“?

>> "Muse in Arms" war viel aufwendiger in all seinen Bestandteilen, als es die beiden Vorgängeralben waren. Ich habe mich bewusst dafür entschieden, mich dieses Mal selbst noch stärker zu begrenzen und gleichzeitig eine Expansion innerhalb dessen anzustreben. Das klingt paradox, ich weiß. Ich habe mit "Muse in Arms" den Focus auf den musischen Aspekt gelegt, ohne aber den eingeschlagenen Weg von TRIARII zu verlassen. Man kann sehr gut erkennen, dass die kriegerischen Elemente auf "Muse in Arms" ein wenig in den Hintergrund treten, um einer musischen Auseinandersetzung Platz zu machen. Das Genre und der musikalische Rahmen von TRIARII sind generell sehr begrenzt. Dennoch will ich mir das verfügbare Spektrum innerhalb dessen so offen wie irgend möglich halten; so dass jede Veröffentlichung durchaus Neuerungen oder Veränderungen erhalten kann, ohne aber die Marschroute von TRIARII zu verlassen. <<

Ich empfinde „Muse In Arms“ in jeder Hinsicht als noch gewaltiger, noch monumentaler, noch sakraler und kompositorisch noch brillanter als seine beiden Vorgänger. Hast du, wenn du ein neues Album angehst, eine Art „Masterplan“ oder lässt du deiner Kreativität zumindest in dieser Hinsicht „einfach“ freien Lauf?

>> Ich habe eine Art Vision von dem, was da kommen soll. Ich habe Bilder im Kopf oder bestimmte Vorstellungen die ich umsetzen will. Einen Masterplan dafür gibt es nicht. Ich spiele mit der Musik, experimentiere, probiere aus und finde irgendwann einen Anknüpfungspunkt, der mich leitet und durch die eine oder andere Komposition trägt. Das ist rational kaum zu erfassen. Kreativität, Zufall und Kontrolle stehen immer im Wechselspiel. Mir ist durch die Begrenzung größtenteils klar, was musikalisch mit TRIARII möglich ist und was nicht. Andererseits sind der Kreativität kaum Grenzen gesetzt. So pendele ich immer ein wenig hin und her zwischen dem was ich will, dem was TRIARII darstellt und dem was ich selbst und andere von mir erwarten, wobei mich eine Erwartungshaltung Dritter so gut wie nicht interessiert. "Muse in Arms" entstand bereits vor "Pièce Héroique" in meinem Kopf, kam aber nicht zur Erfüllung, da sich gleichzeitig musikalisch eine andere Richtung andeutete. Manchmal stehen sich da diverse Ideen und Visionen im Weg. <<

Woher beziehst du deine musikalischen Einflüsse? Ich denke, du bist dir sehr wohl der Tatsache bewusst, dass TRIARII durch ihre Kompositionen sehr viele visuelle Assoziationen ähnlich denen eines Soundtracks hervorrufen. Wurden einzelne Stücke TRIARIIs bereits als Filmmusik verwendet?

>> Entgegen meiner langjährigen und fast lebensnotwendigen Gewohnheit, höre ich so gut wie keine Musik mehr. Je länger ich Musik mache, umso mehr stört mich Musik, die ich nicht selbst erzeugt habe. Sie beeinflusst mich zu sehr in meinem Schaffen. Hinzu kommt, dass ich Musik um mich herum fast nur noch "technisch" höre. Ich kann sie kaum genießen, denn ich höre sie anders; zergliedert in Strukturen und Rhythmen und sofort habe ich meine eigenen Musikprogramme, Instrumente, Synthesizer und Sampler vor dem inneren Auge. Musik soll ja meines Erachtens nach, gerade die Gefühlswelt anregen und Assoziationen erzeugen. Sie soll den Kopf fordern und fördern. TRIARII schafft sich den Zugang zum Hörer notfalls mit Gewalt, indem sie ihn durch den Bombast dazu zwingt, den Klangkosmos eindringen zu lassen. Wahrscheinlich empfinden einige meine Musik deshalb als anstrengend. TRIARII soll und darf nicht gefällig abfließen, sondern fordert sich alle verfügbaren Mechanismen der Aufnahme ein. Als Soundtrack wurde TRIARII bisher nicht verwendet und es trat bisher auch niemand an mich heran. Abhängig von der Thematik wäre das aber schon etwas, was mich interessiert. <<
Siehst du TRIARII als „Instrument“ an um politische oder soziale Botschaften zu transportieren? Bietet Triarii aus seinem konzeptionellen Grundverständnis heraus überhaupt Platz für Politik und Gesellschaftspolitik?

>> Musik, oder Kunst im weiteren Sinne, sollte niemals Instrument einer politischen Motivation sein. Damit wird das eigentliche künstlerische Schaffen auf bloßes Beiwerk oder Propaganda degradiert. Hingegen politische und soziale Botschaften sendet Kunst durchaus aus. Es stellt sich die Frage nach der Interpretation. Die Interpretation liegt jedoch bei dem, der sie aufnimmt. Jeder interpretiert ein Bild oder eine Komposition anders; je nach sozialem und kulturellem Kontext. Und es steht mir nicht zu, anderen zu erzählen, wie sie etwas wahrzunehmen haben. Kunst kann und darf nicht erziehen, denn dann ist sie eben nicht mehr frei und sieht sich schnell benutzt für die Interessen Dritter. Natürlich bietet auch TRIARII Platz für (Gesellschafts-) Politik. Jedoch biete ich nur eine Plattform für eine innere Auseinandersetzung mit den eigenen Schattenseiten und Sichtweisen; praktisch den Kampfplatz für die eigenen Gefühle und Vorstellungen. Den Interpretationsspielraum muss jeder selbst betreten und in sich hineinhören. Wenn sich ein Hörer durch die klangliche Stimulation emotional bestätigt, ertappt, erwischt oder sonst wie beschäftigt fühlt, dann habe ich Großes geleistet. Kunst arbeitet oft mit Provokation, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und fordert sich darüber eine Auseinandersetzung gerade mit unbequemen Thematiken ein. Ich habe das Album "Muse in Arms" all denen gewidmet, die Angst davor haben, Fragen zu stellen und noch mehr Angst davor haben, Antworten zu erhalten. Ich stelle zunehmend fest, dass viele Menschen in ihren Denkmustern verharren, sich ihr kleines, ureigenstes Universum gebaut haben, in dem nur in sehr wenigen Schubladen nach schwarz und weiß sortiert wird. Sobald es keine zugehörige Schublade mehr gibt, wird gegen alles, was dort nicht hineinpasst, erst einmal angekämpft ohne sich es genau anzuschauen, was mitunter zur Folge hätte, dass das Weltbild einstürzt. Verständlich auf der einen Seite, jedoch extrem kleingeistig auf der anderen. Jeder, der aufgrund eines antizipierten oder adaptierten Denkens TRIARII mißverstehen will, wird dies auch tun. Auch ich habe mein kleines Universum, das um Bestand ringt, jeden Tag auf´s Neue. Jeder von uns muss sich früher oder später den eigenen Schattenseiten stellen und sich mit Dingen auseinandersetzen, die er oder sie lieber nicht zu Tage gebracht wissen will. Eine klaffende Wunde anzuschauen tut weh, aber sie bringt die Chance mit sich, sich selbst und manch andere Zusammenhänge anders oder besser zu verstehen. <<

Welche Bedeutung haben für dich eine eigene kulturelle und nationale Identität? Welche Bedeutung besitzt der Gedanke eines vereinigten Europas für dich?

>> Ich finde kulturelle und nationale Identitäten wichtig. Nicht umsonst haben sich die alten europäischen Stämme die Köpfe eingeschlagen und bis auf´s Blut um ihre Regionen gekämpft. Nicht umsonst gibt es Ländergrenzen und verschiedenste Sprachen, die die jeweiligen Eigentümlichkeiten und Eigenarten eines Landes widerspiegeln. Das ist über Jahrhunderte gewachsen und dient der Unterscheidung. Das Europa von heute ist für mich nicht viel mehr, als eine künstlich geschaffene und politisch gewollte "Lohn-Dumping"-Zone, die etwas gleichmachen will, was nicht gleich ist. Man wollte auch mal "United States of Europe" spielen. Konsequenz des europäischen "Einheitsbreis" und politischer Überregulierung von Gurken und Seilbahnverordnungen wird sein, dass sich die Menschen auf andere Bestandteile ihrer Kulturidentifikation zurückziehen; nach der Wegnahme eines der wichtigen Identifikationen - nämlich der Landeswährung - erfolgt der Rückzug z.B. auf die Sprache. Der Gedanke eines vereinigten Europas liegt für mich ganz grundlegend in der Akzeptanz der mitunter gravierenden Unterschiedlichkeit. Sprache, Geld, Traditionen, Handel....etc...Die Akzeptanz dessen und eine durch die Bevölkerung "gelebtes" und nicht politisch verordnetes Europa würde ein viel einigeres Bild darstellen, als es dies heute tut. Ich glaube den meisten Menschen ist das "politische Europa" egal. <<

Hätte TRIARII in dieser Form auch in einem anderen Land als Deutschland und seiner ganz eigenen Geschichte entstehen können?

>> Sehr hypothetisch das Ganze, aber im Prinzip hätte ich auch als irgendjemand anderes in einem anderen Land auf die Idee kommen können. Ich glaube aber, dass das Projekt sich dennoch anders geäußert hätte. Ich bin in einem Land geboren und aufgewachsen, dass (wie viele) eine eigene Geschichte erlebt und vorzuweisen hat und es bis heute zu großen Teilen tunlichst vermeidet, seine Geschichte adäquat aufzuarbeiten. Da wird bis heute mit enormem Aufwand ein Schuldbewusstsein und ein Gefühl der Vermeidung generiert. Als in Deutschland Geborener habe ich naturgemäß (wie jeder "Native" eines Landes) eine andere Sicht auf das Land und die Geschichte als jemand, der von außen aus einem anderen Land darauf blickt. <<

Beziehen TRIARII durch die Art und Auswahl der verwendeten Samples nicht doch eine politische Stellung? In wie weit bedürfen Stücke wie „Fatalist“ und „Wir kommen wieder“, wo du meines Wissens nach ja Samples der Deutschen Werwolfsender, also von Radiosendern, die nach der Niederlage Hitler-Deutschlands gegen die Alliierten zu einem Partisanenkrieg gegen die Sieger aufgerufen haben, einer Erläuterung?

>> "Fatalist" ist eines der Herzstücke von "Muse in Arms" und erklärt sich meiner Meinung nach selbst. Der Gedanke ist, einen Titel zur Verfügung zu stellen, in dem sich der Hörer entweder den gesprochenen Worten zu - oder abwendet. Ist der, der das Sample gesprochen hat ein Fatalist und der Titel dem Sample zugesprochen? Ist der Hörer selbst ein Fatalist weil er sich mit dem Gesagten identifizieren kann und wenn ja, lässt er eine solche Betitelung für sich zu oder kommt er in einen inneren Konflikt? Dies und vieles mehr umfasst das Spannungsfeld von "Muse in Arms". Die Frage nach dem Ungefragten und die Notwendigkeit, in vielen Situationen immer wieder auf´s Neue zu entscheiden. "Wir kommen wieder" ist praktisch Androhung, Versprechen, Ankündigung und Beendigung in einem. Nach "The Final Legion" ist dies der Abschluß des Albums und gleichzeitig die Aussage, dass TRIARII wiederkommt; ob das als Versprechen oder Drohung zu verstehen ist, muss jeder für sich entscheiden. So wie die einen auf ein Wiederaufleben des Regimes gehofft haben, so haben andere diese Worte verflucht. <<

Im Interview mit dem „Kogaionon“ sprichst du ebenfalls davon live eine Atmosphäre der „Stärke, der Erhabenheit und der Disziplin“ zu erschaffen. Sind das die Maxime auf denen Deiner Meinung nach auch eine starke Völker- bzw. Staatengemeinschaft beruhen sollte, unabhängig davon, ob wir nun von Europa oder einzelnen Staaten sprechen?

>> Es sind in erster Linie meine Maxime für einen Live-Auftritt von TRIARII; weniger herunterzubrechen auf Grundmaxime von Staaten oder deren Gemeinschaften. Das strenge Auftrittsbild und die sehr durchstrukturierte und konzentrierte, klare Form des Auftritts ist für mich zwingend notwendig und die konsequente Folgerung aus der Strenge von Musik und Artwork. Die Auftritte von TRIARII sind auch hier in ihrer Ausgestaltung vom Grundtenor her sehr klar gehalten. Gleichzeitig wirkt das statische Gesamtbild auf der Bühne einerseits erhaben wie die Musik, andererseits streng minimalistisch wie das Artwork. Es unterstützt den Bombast, gleichzeitig lässt es genug Raum für die Musik. Die Auftritte von TRIARII sind für mich vielmehr monumentale Momentaufnahme, Inszenierung und Darstellung als eine typische Band-Performance. Aus der Erfahrung heraus kann ich sagen, dass eben jene Auftritte bisher immer sehr gut beim Publikum ankamen und die bewusst geschaffene Distanz zwischen Projekt und Publikum während des Auftrittes, eine starke Bannwirkung ausübt. <<

Die Antifa-Problematik und die Zensur machen Auftritte von Neofolk- und Martial Industrial-Bands in Deutschland ja mittlerweile leider zu einem Spiessrutenlauf und die Übergriffe auf Camerata Mediolanense in der Schweiz zeigen leider auch auf, dass die Auseinandersetzungen an Schärfe, Brutalität und Gewaltbereitschaft zunehmen. Wie sind deine Erfahrungen mit der Antifa und ihren Anhängern? Seid ihr direkt von solchen Übergriffen und auch der Zensur bereits betroffen gewesen?

>> Ich habe von den Übergriffen in der Schweiz und auch anderswo gelesen und kann dem Geschehenen nur Unverständnis entgegenbringen. Mir stellt sich unweigerlich die Frage, wer denn hier seine Sichtweisen einer Gruppe von Menschen aufzwingen will. Faszinierend zu beobachten, wie eine Gruppe von Menschen unter Anwendung der von ihnen verhassten Methoden ihr Gegenüber bekämpft. Menschen, die zurecht Staatsformen ablehnen, in denen Unterdrückung und ein Verbot an freier Meinungsäußerung herrschen, und dann aber zu eben selben Mitteln greifen, sind mir nicht verständlich - ja schon fast schizophren. Da finden Methoden der Propaganda, der Diffamierung und der körperlichen Gewalt Anwendung. Dies zeigt mir, dass zwei Extreme IMMER zwei Seiten ein und derselben Medaille sind. Extreme üben eine Faszination aus, aber Fanatismus, unreflektierte Meinungen und Sichtweisen bringen niemanden ans Ziel. Auf allen Seiten nicht. Weder ich noch meine Mitstreiter sahen sich solchen Übergriffen ausgesetzt. TRIARII bietet meines Erachtens auch keinen Anlass dazu. Beim Konzert in Rostock gab es ein/zwei Verwirrte, die einige Zwischenrufe tätigten. Ich habe von der Bühne aus eindeutig Stellung dazu bezogen und somit war die Sache erledigt. In Dänemark war den Clubbetreibern mein Video, in dem Explosionen, Feuer und Kanonen gezeigt wurden zu provokativ; aber ebenso auch das von Ordo Rosarius Equilibrio, worin u.a. etwas nackte Haut zu sehen war. <<

TRIARII ist in erster Linie dein Projekt, wo du nur live Unterstützung von Axel Frank (Werkraum, Sturmpercht) und Volker Neumann (Eternal Soul) erfährst. Wenn du frei wählen könntest, mit wem du gerne einmal zusammenarbeiten würdest, auf wen würde deine Wahl fallen?

>> Das ist schwer zu sagen. Ich habe schon diverse Projekte mit mehreren Personen gemacht, mich dann aber immer für ein Solo-Projekt entschieden. Viele Köche verderben den Brei. Ich habe zu viele Kompromisse eingehen müssen in Projekten, in denen mehrere Personen involviert waren. Meine Visionen und Ideen fanden nicht die gewünschte Umsetzung und so habe ich mich immer auf mich selbst zurückgeworfen und allein produziert. Zusammenarbeiten im Sinne einer Kollaboration aus zwei Projekten bin ich hingegen offen eingestellt. Da mischt sich der Ideenreichtum zweier Projekte zu etwas Neuem, was sehr fruchtbar sein kann. Vorteil ist, es ist zeitlich begrenzt und jeder kann danach seine eigenen Projekte weiterbetreiben. Mit wem ich gerne eine Zusammenarbeit hätte, hängt auch immer von den Personen ab. Es gibt Projekte, die ich mag, aber es kann durchaus sein, dass man persönlich nicht auf eine Ebene kommt. Das wäre dann von Fall zu Fall zu klären. Wenn es nach mir ginge, würde TRIARII mit einer Fülle von Trommlern, Percussion und Feuer auftreten. Da das aber nicht finanzierbar ist, bleibt dies mein nun nicht mehr geheimer Wunsch. <<

Was sind deine nächsten Pläne mit TRIARII? Sind vielleicht bereits neue Konzerte in Planung?

>> Im Neuen Jahr werde ich die optische Gestaltung des Artworks für Live-Auftritte umsetzen und an den Live-Versionen arbeiten. Parallel dazu arbeite ich an Material für eventuelle Kollaborationen und ein neues Release. Bei den Konzertanfragen ist es immer schwierig, die "Maulhelden" von den realen Veranstaltern zu trennen. Veranstalten wollen viele; kosten darf es nichts, aber einspielen muss es viel. Da gilt es dann nach und nach alle Punkte abzuarbeiten, die einen Auftritt möglich machen. <<
http://www.TRIARII.de
Michael Kuhlen


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