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WICKED LEATHER – Zwischen okkulter Dunkelheit und klassischem Stahl

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Zwischen Rauch, Ritual und purer Energie bewegen sich WICKED LEATHER und das zwischen klassischem Heavy Metal und okkulter Dunkelheit. Mit ihrem Debütalbum “Season Of The Witch” beschwört die Band aus Barcelona eine Welt aus Feuer und unbequemer Ehrlichkeit. In unserem Interview spricht Sängerin Yami über die Band und ihre Entstehung, über das Album, visuelle Symbolik, Horror-Einflüsse und vieles mehr – viel Spaß beim Lesen!

Tobias:
Grüße nach Barcelona und an WICKED LEATHER. Ich wünsche euch einen guten Jahreswechsel und ein erfolgreiches Jahr 2026. Wo erreichen euch gerade meine Fragen?

Yami:
Deine Fragen erreichen uns mitten im Feuer. Proberäume riechen nach Rauch, Verstärker sind noch warm, Schlaf ist zerfetzt. Das Album atmet inzwischen von selbst, und wir schärfen die Messer für das, was als Nächstes kommt.

Tobias:
Wie ist die aktuelle Stimmung im WICKED-LEATHER-Lager?

Yami:
Ruhelos, hungrig und fokussiert. “Season Of The Witch” steht kurz vor der Veröffentlichung, und es fühlt sich an, als stünden wir am Rand eines Rituals, auf das wir uns seit Monaten vorbereiten. Keine Panik, nur Druck und Hitze, die Bedingungen, unter denen Metal gedeiht.

Tobias:
Um euch unseren Leserinnen und Lesern vorzustellen: Erzählt uns etwas über WICKED LEATHER und die Bandmitglieder.

Yami:
Wicked Leather ist eine kollektive Kraft.
Ich bin Yami. Ich bringe Bilder, Stimmen, Träume und Albträume und verwandle sie in Texte. Michel formt diese Visionen zu Musik, Riffs und Struktur; er ist das Feuer hinter der Maschinerie. Uri am Schlagzeug liefert Puls und Schlag, unnachgiebig und präzise. Cosme am Bass ist das Gewicht, das den Sound in den Magen der Zuhörer zieht. Zarate an der Leadgitarre schneidet mit Charakter und Gefahr durch alles hindurch; seine Soli schreien und provozieren. Jedes Mitglied ist essenziell; die Band existiert nur wegen dieses Gleichgewichts.

Tobias:
Wie habt ihr euch ursprünglich als Band zusammengefunden?

Yami:
Es war nicht geplant. Fragmente alter Projekte, schlaflose Nächte, Erschöpfung und das Bedürfnis, alles niederzubrennen und neu zu beginnen. Was als Lärm begann, wurde zu Absicht. Als es persönlich wurde, gab es kein Zurück mehr.

Tobias:
Gab es eine bestimmte Band oder ein Album, das euch zum Metal gezogen hat?

Yami:
Bands, die sich gefährlich und ehrlich angefühlt haben. ACCEPT, ACID, VENOM, CHASTAIN, STORMWITCH haben uns gezeigt, was Metal sein kann. Außerhalb des Metal haben Blues und Rock Tiefe gebracht. SAVATAGE haben gezeigt, dass Metal gleichzeitig emotional, düster und kraftvoll sein kann. Diese Idee ist bei uns geblieben.

Tobias:
Wie seid ihr auf den Namen WICKED LEATHER gekommen?

Yami:
Leather steht für Tradition, Schweiß und Narben. Wicked steht für Instinkt, Schatten und Rebellion. Zusammen ist es genau das, was wir sind.

Tobias:
Euer Sound ist im traditionellen Heavy Metal verwurzelt, aber dunkler und okkulter. Wie haltet ihr diese Balance?

Yami:
Wir jagen keiner Balance hinterher. Wir kennen die Wurzeln und bauen darauf auf, aber wir gehen unseren eigenen Weg. Der Einfluss der 80er ist in unserem Blut, aber die Dunkelheit kommt von dem, was wir heute sind, nicht von dem Versuch, mysteriös zu wirken.

Tobias:
Das Artwork zu “Season Of The Witch” wirkt ritualistisch und okkult. Wie wichtig ist euch die visuelle Seite?

Yami:
Visuals sind wichtig, weil sie die Tür zur Welt des Albums öffnen. Sie spiegeln die Atmosphäre wider, definieren sie aber nicht. Das Album hatte seine Essenz bereits vor dem Artwork; das Bild ist nur ein Echo dessen, was schon existiert.

Tobias:
Die zentrale Figur und die dargestellte Szene wirken fast wie ein Kult-Ritual. Spiegelt das Artwork konkrete Ideen oder Geschichten wider, die auch in den Songs auftauchen?

Yami:
Ja. Themen wie Transformation, Instinkt und das Aufbrechen auferlegter Strukturen existieren in beidem. Artwork und Songs sprechen dieselbe symbolische Sprache.

Tobias:
Seht ihr das Albumcover eher als eigenständiges Kunstwerk oder als visuelle Erweiterung eurer Musik und eurer Live-Atmosphäre?

Yami:
Beides. Es steht für sich, gehört aber gleichzeitig zum selben Universum, das wir live und auf Platte erschaffen.

Tobias:
Wer hat das Artwork geschaffen?

Yami:
Mikhael Feliks. Ich habe es gesehen und sofort eine Verbindung gespürt, noch bevor das Album fertig war, noch vor den Aufnahmen. Es fühlte sich richtig an, also haben wir es zu einem Teil von Wicked Leather gemacht.

Tobias:
Lass uns über das Album sprechen. ‘Season Of The Witch’ eröffnet die Platte. War das von Anfang an so geplant?

Yami:
Ja. Dieser Song öffnet das Tor und entfacht das Feuer. Alles andere folgt dem Rauch.

Tobias:
‘She Is The Storm’ ist roh und kompromisslos. Wofür steht der Song?

Yami:
Unkontrollierte Kraft. Keine Person, sondern pure Energie. Die Band rastet in diesem Song komplett ein — kein Raum zum Atmen. Instinkt, Hingabe und Einschlag, in Klang gegossen.

Tobias:
‘Crystal Lake’ bringt sehr lebendige Horrorbilder mit sich. Was war die Inspiration?

Yami:
Dieses Riff war zuerst da; Michel hat es zu Hause wie einen Herzschlag im Dunkeln wiederholt. Als ich es hörte, sah ich sofort Jason, wie er durch den Wald streift, Spannung, die sich wie in Friday the 13th einschleicht. Die Lyrics sind aus diesem Puls herausgeflossen: Schatten, Schreie, Albträume, die an der Realität kratzen. Schnell, visuell, gnadenlos.

Tobias:
Auf dem gesamten Album gibt es eine starke Atmosphäre und Bildsprache. Woher ziehst du deine Inspiration fürs Songwriting?

Yami:
Aus Instinkt, Kino, Schatten, Träumen, Stimmen im Dunkeln. Ich bringe Fragmente; die Band verwandelt sie in Waffen, Riffs und Rhythmus.

Tobias:
Du bringst ein starkes 80er-Flair in euren dunklen Stil, ohne altmodisch zu klingen. Wie bewusst seid ihr bei Songs wie ‘Night Hunter’, ‘Black Goat Rising’ und ‘Midnight Creature’ mit klassischen Heavy-Metal-Ästhetiken umgegangen?

Yami:
Sehr bewusst, aber niemals nostalgisch. Wir nutzen, was noch brennt, und verdrehen es durch unsere eigene Linse. Die 80er sind eine Waffe, kein Museumsstück.

Tobias:
‘Lightning Strike’ sticht mit starken Gitarrenpassagen und klassischen Lead-Momenten heraus. Wie wichtig sind Soli für euch im Songwriting?

Yami:
Essentiell. Soli sind eine weitere Stimme, ein Schrei im Inneren des Songs. Zarate weiß, wie man jedes Lead zählen lässt, ausdrucksstark, gefährlich, unausweichlich.

 

Tobias:
Ihr schließt das Album mit ‘Masquerade of Shadows’. Warum gerade dieser Abschluss?

Yami:
Es ist ein Abstieg in eine Halle aus Spiegeln und Masken, inspiriert von Poes Masque of the Red Death und Roger Cormans filmischer Vision des Terrors. Der Song zieht dich durch Pest, Flüstern, Rauch und verborgene Gesichter. Sterblichkeit, Unausweichlichkeit, Grauen — all das bleibt nach dem letzten Ton zurück. Schwer, ritualistisch, heimgesucht. Ein Finale, das dich bis nach Hause begleitet.

Tobias:
Gibt es bereits Pläne, “Season Of The Witch” live zu präsentieren — und werdet ihr irgendwann nach Deutschland kommen?

Yami:
Absolut. Live wird Wicked Leather physisch. Deutschland steht auf der Karte, die Szene dort versteht diese Art von Metal, und wir wollen diese Kollision.

Tobias:
Zum Abschluss: Möchtest du den Leserinnen und Lesern von OBLIVEON noch etwas mitgeben?

Yami:
Unterstützt den Underground. Unterstützt lokale Bands. Zensiert euch nicht selbst. Metal war schon immer für die Ruhelosen, die Außenseiter, die, die nicht reinpassen. Dort brennt das Feuer immer noch.

Interview: Tobias Stahl
Photocredit: Promo