Mit „Herz aus Stein“ zeigen TANZWUT einmal mehr, dass Härte und Gefühl keine Gegensätze sein müssen. Zwischen gesellschaftskritischen Texten, augenzwinkerndem Humor, kraftvollen Hymnen und zutiefst persönlichen Momenten öffnet die Band neue emotionale Räume, ohne ihre eigene Identität aus den Augen zu verlieren. Im Gespräch spricht Teufel über die Entstehung des Albums und des Titeltracks, die emotionale Zusammenarbeit mit zahlreichen Weggefährten bei ‚Die Sänger singen noch‘, die Entwicklung von TANZWUT und die kommende Tour.
Tobias:
Hallo Teufel! Herzlichen Glückwunsch zu „Herz aus Stein“! Seit meiner ersten TANZWUT-Review begleiten mich eure Alben regelmäßig durch den Redaktionsalltag. Umso gespannter war ich natürlich auf die neue Platte. Wie fühlt sich dieser Moment kurz vor der Veröffentlichung für euch an und mit welchen Erwartungen blickt ihr auf die ersten Reaktionen eurer Fans?
Teufel:
Wir sind natürlich alle wahnsinnig aufgeregt und stolz auf das neue Werk. Nach den ersten Singles und den großartigen Reaktionen haben wir ein wirklich gutes Gefühl und freuen uns riesig, das Album nach all der Arbeit, den vielen Tagen und unzähligen Stunden endlich präsentieren zu können.
Tobias:
Wenn ich „Herz aus Stein“ mit euren letzten Alben vergleiche, habe ich das Gefühl, dass ihr den gesellschaftskritischen Blick beibehalten habt, gleichzeitig aber deutlich mehr Raum für Emotionen, Nachdenklichkeit und Melancholie geschaffen habt. War euch von Anfang an klar, dass sich das Album genau in diese Richtung entwickeln würde, oder haben euch die Songs beim Schreiben selbst dorthin geführt?
Teufel:
Ich muss sagen, es war wie eine große Reise. Mit unserem Schiff und unserer Kreativität wurden wir auf hohen Wellen getragen. Es war ein unfassbares Gefühl, wenn uns wieder einmal die Muse geküsst hat und wir spürten, dass etwas Wunderbares Neues entstanden ist. Dieses Gefühl war diesmal besonders stark und besonders intensiv. Wir hoffen, dass unsere Hörer genau das ebenfalls empfinden und spüren.
Tobias:
Der Titeltrack hat mich ehrlich gesagt ziemlich beschäftigt. Für mich steht das ‚Herz aus Stein‘ nicht für Stärke oder Gefühllosigkeit, sondern vielmehr für einen Menschen, der sich nach Enttäuschungen und Verletzungen immer weiter zurückzieht, um nie wieder verletzt zu werden. Gleichzeitig verliert er dadurch aber auch Liebe, Hoffnung und all die schönen Seiten des Lebens. Wie ist dieser Song entstanden und welche Bedeutung verbindet ihr selbst mit „Herz aus Stein“?
Teufel:
Dem Song zugrunde liegt natürlich zunächst das alte Märchen „Das kalte Herz“ von Hauff. Später habe ich mir in der Staatsoper Berlin noch einmal diese großartige Operninszenierung angesehen. Auch sie war eine Inspirationsquelle.
Letztendlich ist es aber das Leben selbst, das diese Zeilen geschrieben hat – die Erfahrungen mit Schmerz, Verlust, Liebe und all den Gefühlen, die uns quälen, antreiben und beschäftigen. Wie oft hat man sich schon gewünscht, manches nicht so nah an sich heranzulassen oder nicht durch all dieses Leid gehen zu müssen?
Doch ohne all das wäre die Welt auch nicht lebenswert. Gerade das macht uns Menschen doch aus: dass wir fühlen, lieben und geliebt werden wollen. Da ich selbst ein sehr emotionaler Mensch bin, war dieser Gedanke – Was wäre, wenn? – für mich unglaublich spannend. So werde ich wohl bis ans Ende meiner Tage mein schlagendes Herz in der Brust tragen.
Tobias:
‚Keine Band für eine Nacht‘ hat mir vom ersten Durchlauf an ein Grinsen ins Gesicht gezaubert. Für mich ist das nicht einfach nur eine Bandhymne, sondern gleichzeitig eine Liebeserklärung an eure Fans und an all das, was TANZWUT über die vielen Jahre aufgebaut haben. Wie autobiografisch ist dieser Song tatsächlich und wie viel von eurer eigenen Geschichte steckt darin?
Teufel:
Wir hoffen, dass wir mit diesem Song noch vielen Menschen ein Grinsen ins Gesicht zaubern können. Natürlich ist das genau die Art von Humor, die wir schon immer auf die Bühne bringen wollten.
Der Song ist eine Liebeserklärung an unsere Fans – und auch an uns selbst. Schließlich sind wir wirklich keine Band für eine Nacht. Das wäre ja ungeheuerlich.
Tobias:
Mit ‚Zeitgeist‘ und ‚Der König ist pleite‘ zeigt ihr einmal mehr, dass Gesellschaftskritik zu TANZWUT gehört. Was mir dabei besonders gefällt: Ihr schreibt keine Texte mit erhobenem Zeigefinger, sondern regt zum Nachdenken an. Gerade bei ‚Der König ist pleite‘ entstehen beim Hören sofort Bilder aktueller Machthaber im Kopf. Lasst ihr solche Texte bewusst offen, damit jeder seine eigenen Schlüsse ziehen kann, oder stehen beim Schreiben durchaus konkrete Entwicklungen oder Personen Pate?
Teufel:
Bei solchen Songs lassen wir die Fragen und Antworten ganz bewusst offen. Es ist eine Reflexion unserer Zeit.
Nicht ohne Grund haben wir „Der König ist pleite“ in ein historisches Gewand gekleidet. Damit wollen wir zeigen, dass sich seit Tausenden von Jahren im Grunde nicht viel verändert hat. Und genau das ist eigentlich der Wahnsinn am sogenannten menschlichen Fortschritt.
Auch der „Zeitgeist“ ist eine spannende Betrachtung. Immer wieder scheint alles gleich zu bleiben und wir erleben dieselben Muster. Die eigentliche Erkenntnis bleibt oft weit entfernt. Wer dem Zeitgeist hinterherläuft, ist morgen schon wieder nicht mehr aktuell. Vielleicht ist das alles nichts anderes als ein Spiegel, den uns Till Eulenspiegel vors Gesicht gehalten hätte. Vielleicht sind wir ja die Narren unserer Zeit.
Tobias:
Je häufiger ich „Herz aus Stein“ gehört habe, desto mehr ist mir ‚Wenn alle Stricke reißen‘ ans Herz gewachsen. Zwischen all den kraftvollen Hymnen ist das für mich einer der emotionalsten Momente des Albums. Freundschaft, Loyalität und füreinander einzustehen wirken heute fast wichtiger denn je. Gab es einen konkreten Auslöser für diesen Song oder entstand seine Botschaft aus vielen Erfahrungen, die ihr im Laufe der Jahre gesammelt habt?
Teufel:
Das Beste im Leben ist, einen Menschen kennenzulernen, der in allen Situationen zu einem steht – egal was passiert, egal was kommt, ob ganz oben oder ganz unten. Ich glaube, dass ich selbst für andere Menschen genauso jemand sein kann.
Tobias:
Kurz vor Schluss zieht ihr mit ‚Ewig wie das Eis‘ und anschließend ‚Kein Abschied für immer‘ noch einmal komplett die emotionale Karte. Ich saß beim Hören wirklich mit Gänsehaut da und dachte mir: Jetzt hätten sie eigentlich auch noch einen letzten Kracher bringen können – stattdessen entscheidet ihr euch bewusst für Melancholie, Sehnsucht und Hoffnung. Warum war euch genau dieses Finale für „Herz aus Stein“ so wichtig?
Teufel:
Ich glaube, dieses Album ist eines der emotionalsten geworden, die wir je gemacht haben. Deshalb wollten wir die CD auch mit einem Song beenden, der lange nachklingt und vielleicht tiefer berührt als alles, was wir zuvor veröffentlicht haben. Für uns ist das ein wunderbarer Abschluss dieses Albums.
Tobias:
Über ‚Die Sänger singen noch‘ müssen wir unbedingt sprechen. Schon die Albumversion hat bei mir für maximale Gänsepelle gesorgt. Als ich anschließend das Video mit Alea und Elsi, Eric Fish und Ally Storch, Martin Engler, René Anlauff, SOTIRIA und Johnny gesehen habe, bekam ehrlich gesagt selbst die Gänsepelle noch einmal Gänsepelle. Wie emotional war dieses Projekt für euch selbst und wie entstand überhaupt die Idee, so viele Weggefährten für diesen Song zusammenzubringen?
Teufel:
Die Idee, mit so vielen Weggefährten und Sängern zusammenzuarbeiten, entstand schon während des Songwritings. Uns war schnell klar, dass das etwas ganz Besonderes werden könnte.
Mit Blick auf die rasanten Veränderungen der Musiklandschaft – insbesondere durch KI – dachten wir uns: Vielleicht sind wir ja die letzten Sänger, die sich noch einmal zu einem kleinen Stelldichein versammeln und gemeinsam musizieren können, bevor wir als Geister in den Ahnengalerien der Musikgeschichte verschwinden.
Tobias:
Seit meiner ersten TANZWUT-Review fällt mir immer wieder auf, dass ihr euch musikalisch weiterentwickelt, ohne jemals eure Identität zu verlieren. Dudelsäcke, harte Gitarren, eingängige Hymnen und diese ganz eigene Mischung aus Mittelalter-Rock und Metal – ein neues TANZWUT-Album klingt sofort nach TANZWUT. Was ist euer Geheimnis, euch immer wieder weiterzuentwickeln, ohne eure Wurzeln aus den Augen zu verlieren?
Teufel:
Die Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Ich glaube aber, dass wir immer mit dem Herzen und dem Bauchgefühl an neue Songs und an ein neues Album herangehen.
Wir setzen das um, was uns wirklich beschäftigt – so ehrlich wie möglich und ohne nach Trends oder nach rechts und links zu schauen. Uns ist wichtig, dass jedes einzelne Musikstück genau das widerspiegelt, was wir selbst sind.
Tobias:
Beim Hören von „Herz aus Stein“ hatte ich mehr als einmal das Gefühl: Diese Songs sind wie gemacht für die Bühne. Gerade ‚Keine Band für eine Nacht‘, ‚Wir haben’s übertrieben‘ oder ‚Der König ist pleite‘ dürften live komplett eskalieren. Worauf freut ihr euch bei der kommenden Tour am meisten und dürfen wir vielleicht hoffen, dass TANZWUT auch mal wieder in Mannheim Station machen?
Teufel:
Mannheim steht leider nicht auf unserem Tourplan. Aber vielleicht ergibt sich das ja irgendwann wieder.
Eines ist aber sicher: Man kann sich überall auf uns freuen. Wir haben riesige Lust zu spielen und gerade die neuen Songs brennen darauf, endlich live auf die Bühne zu kommen. Dass wir keine Band für eine Nacht sind, versteht sich von selbst.
Es wird eine neue, liebevoll ausgedachte Show mit vielen Eindrücken geben. Wir werden unseren Fans ganz nah sein und nach der Show natürlich noch am Merchandise-Stand vorbeischauen, um gemeinsam anzustoßen, zu reden und ein bisschen gute Laune zu verbreiten. Wir freuen uns wahnsinnig darauf.
Tobias:
Bevor wir zum Ende kommen: Haben wir aus deiner Sicht alles Wichtige rund um „Herz aus Stein“ angesprochen oder gibt es noch etwas, das dir besonders am Herzen liegt und das du euren Fans und unseren Leserinnen und Lesern unbedingt mit auf den Weg geben möchtest?
Teufel:
Kommt auf unsere Konzerte und unterstützt unsere Musik – so gut ihr könnt. Damit wir noch viele Jahre gemeinsam mit euch durchs Land ziehen und die Bühnen zum Beben bringen können.
Singt eure Lieblingslieder laut mit, feiert mit uns und lasst uns für ein paar Stunden gemeinsam die Welt vergessen.
Tobias:
Vielen Dank für deine Zeit und das Gespräch! Ich wünsche euch viel Erfolg mit „Herz aus Stein“. Die letzten Worte gehören natürlich dir.
Teufel:
Vielen Dank für dieses wunderbare Interview. Wir hoffen, dass wir damit viele Menschen erreichen und dass wir uns schon bald wiedersehen, hören oder persönlich begegnen.
Interview: Tobias Stahl
Photocredit: Andrey Kezzyn

