Zum Auftakt des neuen STAINLESS-Albums “Lady Of Lust & Steel” steht eine klare Standortbestimmung, die die Ausrichtung der Band definiert: “Ich würde uns als Hard Rock oder Heavy Rock bezeichnen”, erklärt Gitarrist Jamie Byrum, “es gibt viele Heavy-Metal-Elemente in unserem Sound, aber ich denke, es wäre irreführend, uns als reine Heavy-Metal-Band zu bezeichnen.”
Gegründet 2022 in Portland, Oregon, stammen die Mitglieder von STAINLESS aus der Underground-Szene des pazifischen Nordwestens und waren zuvor in Bands wie BLACK BREATH, LONG KNIFE, NIGHTFELL und RIPPER aktiv. Nach der selbstveröffentlichten Vinyl-Single ‘Snakebite’/‘Too Hot To Steal’ und der Mini-LP “Nocturnal Racer” auf High Roller Records präsentiert die Band nun ihr erstes vollständiges Album.
“Lady Of Lust & Steel” wurde im Frühjahr und Sommer 2025 in den Red Lantern Studios in Portland, Oregon, aufgenommen, von Evan Mersky betreut, von Jamie Byrum produziert und anschließend von beiden gemeinsam gemischt. Acht neue Songs, ein breiterer Sound und der nächste logische Schritt für STAINLESS – ich spreche mit dem Gitarristen der Band, Jamie, um etwas tiefer ins Thema einzutauchen.
Tobias:
Zuerst einmal: Das Jahr ist noch jung, es ist Anfang 2026 – wie seid ihr ins neue Jahr gestartet und mit welchem Gefühl blickt ihr auf das, was für STAINLESS ansteht, insbesondere auf euer neues Album “Lady Of Lust & Steel”, das am 20. März erscheint?
Jamie:
Wir freuen uns darauf, dass alle das neue Material hören, und hoffen, es dieses Jahr vor so vielen Leuten wie möglich spielen zu können!
Tobias:
Das Artwork zu “Lady Of Lust & Steel” ist wirklich stark, provokant und tief in der klassischen Heavy-Metal- sowie der Rock-Ikonografie der 70er/80er verwurzelt – wie bewusst seid ihr Themen wie Erotik, Macht, Gefahr und Mythologie im visuellen Konzept angegangen?
Jamie:
Ich denke, das meiste von dem, was du erwähnt hast, wurde berücksichtigt. Eigentlich entstand es einfach aus unserer Liebe zu Fantasy, Heavy Metal, Hard Rock und Biker-Art.
Tobias:
Natürlich fällt das Artwork sofort ins Auge – wer hat das Cover gestaltet und wie lief die Zusammenarbeit, bis Motiv, Atmosphäre und die gesamte Ästhetik für euch genau richtig waren?
Jamie:
Solo Macello aus Italien hat das Artwork übernommen. Wir haben eine ziemlich detaillierte Beschreibung dessen geliefert, was wir wollten, und nach einigem Hin und Her hat er ein brillantes Endergebnis abgeliefert!
Tobias:
Nach der Mini-LP “Nocturnal Racer” veröffentlicht ihr mit “Lady Of Lust & Steel” nun euer erstes vollständiges Album. Wie nehmt ihr die bisherigen Reaktionen aus der Szene, von der Presse und von euren Fans wahr, und entsprechen sie euren eigenen Erwartungen?
Jamie:
Ich bin sehr dankbar für die bisher positive Resonanz. Unser Sound und die Produktion weichen ein wenig von der aktuellen Norm ab, daher freue ich mich immer, wenn es jemandem gefällt.
Tobias:
Ihr beschreibt euren Sound als Hard Rock oder Heavy Rock mit starken Metal-Elementen. Was war eure Hauptambition für “Lady Of Lust & Steel”, und seid ihr beim Songwriting oder bei der Produktion anders vorgegangen als bei “Nocturnal Racer” – schließlich wächst man mit der Erfahrung.
Jamie:
Der Ansatz war eigentlich nur deshalb anders, weil wir für die Aufnahmen eine veränderte Besetzung hatten, wodurch ich auf eine Weise schreiben konnte, die zuvor nicht möglich gewesen wäre. Mein Hauptziel war es, mehr von den Hard-Rock-Elementen der 7-Inch zurückzubringen und gleichzeitig die Grenzen auszuloten, wie metallisch und aggressiv wir den Sound gestalten können, und das Ganze hoffentlich zu einem stimmigen Gesamtbild zu verbinden.
Tobias:
High Roller Records ist ein Label aus Deutschland – wie kam diese Verbindung zustande und wie nehmt ihr die Wahrnehmung von STAINLESS in den USA wahr?
Jamie:
Wir standen schon vor dem Signing mit HRR in Kontakt, aber als sie das Material von “Nocturnal Racer” hörten, kam der Deal zustande! Bisher ist die Resonanz in den USA gut und wir freuen uns darauf, in neuen Städten im ganzen Land zu spielen.
Tobias:
In eurer Bandbio steht, dass STAINLESS offiziell 2022 gegründet wurden. Das wirft die Frage auf: Gibt es ein inoffizielles Gründungsdatum, das weiter zurückreicht?
Jamie:
Die ersten Samen wurden bereits 2017 mit einem eher nach Hard Southern Rock klingenden Projekt gelegt, das nie wirklich in Gang kam. Ein Teil des Materials aus diesem Projekt hat es auf “Lady Of Lust & Steel” geschafft.
Tobias:
Für die Studioaufnahmen habt ihr als Trio gearbeitet, live treten STAINLESS inzwischen mit erweiterter Besetzung auf. Woran liegt das und wie funktioniert euer interner Arbeitsprozess – vor allem beim Songwriting – und wer steuert welche Ideen bei?
Jamie:
Ja, wir hatten zu Beginn des Albumprozesses einen Besetzungswechsel, und in einem mutigen Schritt habe ich beschlossen, neben der Gitarre auch die Drums selbst einzuspielen und meinen alten Freund Clifton Martin am Bass einzusetzen sowie ihn bei den Arrangements zu beteiligen (inzwischen haben wir eine komplette fünfköpfige Besetzung). Ich übernehme das gesamte Songwriting und Larissa und ich kümmern uns gemeinsam um Texte und Gesangsarrangements.
Tobias:
Larissa kommt aus einem Goth-Hintergrund, steht aber auch auf Crust-Bands wie AMEBIX und SACRILEGE, liebt Bowie und 70er-Rock, während du dich textlich mit Themen wie Sex, Schlangen, Motorrädern, schnellen Autos, Rock ’n’ Roll, dem Bösen und Heavy Metal beschäftigst – wie kommen diese sehr unterschiedlichen Einflüsse letztlich zusammen?
Jamie:
Auf dem Papier passen sie vielleicht nicht wirklich zusammen, aber ich denke, sie beeinflussen den Sound trotzdem auf irgendeine Weise. Jeder in der Band, früher wie heute, hat einen Hintergrund im Punk und/oder Death Metal, und auch wenn ich versuche, diese extremeren Einflüsse etwas herunterzuspielen, schleichen sie sich doch regelmäßig in den Sound ein.
Tobias:
Die Produktion von “Lady Of Lust & Steel” klingt druckvoll, direkt ins Gesicht und macht einfach Spaß beim Abrocken. Wie wichtig war euch dieser organische Sound und wie lief die Zusammenarbeit im Studio konkret ab?
Jamie:
Der organischere Sound war absolut beabsichtigt. All meine Lieblingsproduktionen stammen aus den Jahren ’77 bis ’83, und das waren die Klangfarben, denen wir nachgejagt sind. Evan Mersky und ich haben in jedem Schritt des Prozesses eng zusammengearbeitet, vom Recording bis zum Mix. Ich habe die Ideen, Sounds und Techniken geliefert, die ich mir vorgestellt habe, und er das Studio sowie die Weltklasse-Expertise, um das umzusetzen.
Tobias:
Achtet ihr beim Schreiben der Songs auch darauf, dass alle Stücke live funktionieren, oder würdest du sagen, dass manche Songs nicht wirklich für die Bühne gedacht sind – was ich persönlich nicht so empfinde, denn für mich würde jeder Track auch live funktionieren.
Jamie:
Ja und nein. Ich möchte, dass jeder Song live spielbar ist, aber ich halte mich im Studio nicht zurück, nur weil wir etwas live vielleicht nicht umsetzen können. Live-Performance und Album-Performance müssen nicht identisch sein.
Tobias:
Der Opener ‘Restless An’ Ready’ legt sofort mit shreddenden Gitarren und einer extrem präsenten Gesangsleistung von Larissa los – war von Anfang an klar, dass dieser Song das Album eröffnen muss, und wie wichtig war dieser direkte, schnörkellose Einstieg?
Jamie:
Früh im Prozess schien das der klare Opener zu sein. Und nachdem wir ihn einigen Freunden und Weggefährten vorgespielt hatten, waren sich alle einig, dass das der beste Einstieg ins Album ist.
Tobias:
In ‘Whorefrost’ kommen starke 80er-Vibes durch, während ‘(Don’t Cross Me) Fool’ klar an GUNS N’ ROSES und DIO erinnert, aber dennoch unverkennbar nach STAINLESS klingt – welche Bands, Platten oder Einflüsse haben diese Songs konkret inspiriert und wie bewusst oder unbewusst finden solche Vibes ihren Weg in euren Sound?
Jamie:
‘Whorefrost’ war der Versuch, einen Song im Stil der späteren JUDAS PRIEST mit zusätzlicher Punk-Energie zu schreiben. Außerdem zieht sich ein großer Verweis auf Robin Trower durch den Song, auch wenn das nicht sofort offensichtlich ist ;). “(Don’t Cross Me) Fool” war einfach eine Kombination vieler unserer Lieblings-Hard-Rock-Bands: THIN LIZZY, BLACKFOOT, UFO, RICK DERRINGER, THE CULT, GUNS N’ ROSES usw.
Tobias:
Der Titeltrack ‘Lady Of Lust & Steel’ kommt mit rauer Attitüde, druckvollen Leads, Kicks und Riffs daher, während ‘Danger In The Night’ und ‘Take A Listen Mama’ den 70er/80er-Hard-Rock in den Vordergrund stellen und ‘Vitamin Tease’ sowie ‘Rough Justice’ das Album ebenso kraftvoll und sexy abschließen – war dieser Mix aus roher Power, klassischen Vibes und Eingängigkeit von Anfang an als roter Faden für das Album gedacht?
Jamie:
Absolut! Eingängig zu sein und Spaß beim Hören zu machen, war vom ersten Tag an das Ziel.
Tobias:
Abschließend der Blick nach vorn: Was können die Fans 2026 von STAINLESS erwarten – neue Songs, Live-Aktivitäten oder vielleicht schon erste Ideen für den nächsten kreativen Schritt?
Jamie:
Der einzige Plan ist wirklich, diese Platte zu veröffentlichen und so viele Orte wie möglich zu bespielen!
Tobias:
Danke für deine Zeit! Die letzten Worte gehören dir – hast du eine Botschaft für eure Fans, besonders hier in Deutschland, und dürfen wir hoffen, euch hier bald live oder sogar auf Tour zu sehen?
Jamie:
Keep rockin and rolling und wir hoffen, euch eher früher als später zu sehen!
Interview: Tobias Stahl
Photocredit: STAINLESS/Promo

