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STABBING – Brutal Death Metal ohne Kompromisse

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Bridget Lynch wurde am 14. April 1998 in Houston, Texas, geboren und ist seit mehreren Jahren fest in der extremen Metal-Szene verankert. Ihre ersten musikalischen Spuren hinterließ sie 2019 bis 2020 bei NEPHILIM GRINDER, wo sie als Sängerin und Bassistin tätig und am “Demo 2020” beteiligt war. Seit 2020 führt sie mit “PYOSISIFIED” ihr eigenes Projekt. 2021 kam STABBING hinzu, hier ist Bridget seit der ersten Demo als Sängerin am Start und prägt den Sound der Band mit ihren Brutal Death Growls. Bisher gab es die folgenden Veröffentlichungen:

“Ravenous Psychotic Onslaught” (2021)
“Extirpated Mortal Process” (2022)
“Demo 2023”

2026 erscheint nun “Eon of Obscenity”, das den Anlass für das heutige Interview bildet. Neben ihren festen Bands war Bridget Lynch an verschiedenen Gastbeiträgen beteiligt, darunter bei 10 TO THE CHEST, DETERIORATION und CRYPTOPSY, wo sie zusätzliche Vocals für einzelne Tracks beisteuerte. Parallel dazu ist sie auch im visuellen Bereich aktiv und gestaltete für zahlreiche Bands Artworks, Coverdesigns und Logos – unter anderem für KRAANIUM, LIGHT DWELLER, MALIGNANT, DECOMPOSSESSION, CRESTWORM MANIPULATOR, SUMMONER, NEPHILIM GRINDER, STABBING und PYOSISIFIED. Mit diesem vielseitigen Hintergrund und einem neuen Album in den Startlöchern bietet sich nun die Gelegenheit, Bridget Lynch näher vorzustellen und über ihre aktuellen Aktivitäten sowie die Entstehung von “Eon of Obscenity” zu sprechen:

Tobias:
Hi Bridget, schön, dass du dir Zeit nimmst, um mit uns über das kommende STABBING-Album “Eon of Obscenity” zu sprechen. Bevor wir darauf näher eingehen, möchten wir dich aber erst einmal unseren Leserinnen und Lesern vorstellen.

Du hast in den letzten Jahren einen beeindruckenden Weg zurückgelegt – von deinen frühen Aktivitäten mit NEPHILIM GRINDER bis hin zu deinem eigenen Projekt PYOSISIFIED. Nun gipfelt all das im Release des zweiten STABBING-Albums. Wie blickst du auf diese vielen positiven Entwicklungen in relativ kurzer Zeit zurück?

Bridget:
Hallo, danke für die Einladung. Ja, ich wollte schon sehr jung in einer Band spielen, habe aber tatsächlich erst mit etwa 21 Jahren meine erste Band gehabt. Es fühlt sich definitiv so an, als wäre seitdem ständig irgendetwas mit Bands passiert. Es war ziemlich cool, meine ersten Shows in Locations oder Bars in meiner Stadt zu spielen, in die ich schon als Kind gegangen bin.

Tobias:
PYOSISIFIED ist seit 2020 aktiv und dein eigenes Projekt, richtig?

Bridget:
Ja, das war komplett mein Ding. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, ob ich sagen würde, dass es noch aktiv ist. 2020 musste ich zwei Wochen zu Hause in Quarantäne bleiben, weil jemand in meinem Haushalt COVID hatte. Mir war langweilig, also habe ich dieses Demo mehr aus Spaß zusammengestellt. Ich habe 50 CDs davon gemacht, und danach habe ich eigentlich kaum noch darüber nachgedacht.

Tobias:
Was bedeutet dir diese kreative Unabhängigkeit, und was macht PYOSISIFIED für dich persönlich besonders?

Bridget:
Ich finde “Solo”-Projekte cool, weil man alles exakt so klingen lassen kann, wie man es möchte. Wenn ich etwas nennen müsste, das es für mich besonders macht, dann wäre es genau das.

Tobias:
Neben deinen “Hauptprojekten” bist du auch mehrfach als Gastsängerin aufgetreten, unter anderem bei 10 TO THE CHEST, DETERIORATION und CRYPTOPSY. Worin unterscheiden sich diese Beiträge von der Arbeit an deiner eigenen Musik, oder gibt es mehr Überschneidungen, als man vermuten würde?

Bridget:
DETERIORATION sind wirklich tolle Typen. Ich höre sie schon seit einiger Zeit und war total begeistert, bei einem Song dabei zu sein. Der größte Unterschied zu STABBING ist wahrscheinlich das Genre. Aber wenn ich denke, dass mein Sound zu einem Song passt, bin ich meistens dabei, wenn Freunde mich fragen.

Tobias:
Wie war die Zusammenarbeit mit CRYPTOPSY – einer Band mit einer so langen Geschichte? Konntest du daraus Erfahrungen mitnehmen, die dir als Sängerin weiterhelfen?

Bridget:
Ich bin ein riesiger Fan des Originals “Blasphemy Made Flesh”, dieses Album hat mich überhaupt erst zu CRYPTOPSY gebracht. Deshalb war ich sehr motiviert, daran mitzuwirken. Ich habe versucht, mit verschiedenen Gesangstechniken zu experimentieren und meinen Sound zu erweitern, weil Lord Worm so vielseitig und chaotisch ist und ich das Original so gut wie möglich ehren wollte. Außerdem fand ich es einfach unglaublich badass, auf einem Song mit Flo Mounier zu sein.

Tobias:
Ein weiterer wichtiger Teil deiner künstlerischen Arbeit ist Grafikdesign. Du gestaltest Artworks, Logos und Cover. Ist Zeichnen für dich ein kreativer Ausgleich? Welche Rolle spielt diese Ausdrucksform für dich, und wie hat sie sich über die Jahre entwickelt?

Bridget:
Ja, Musik und Kunst waren schon immer meine beiden größten kreativen Ventile. Inzwischen arbeite ich auch als Tätowiererin. Musik und Tätowieren beziehungsweise Kunst sind für mich auf viele verschiedene Arten therapeutisch.

Tobias:
Wenn man sich all das anschaut, was du bisher gemacht hast, wirkst du wie eine Künstlerin, die in vielen Bereichen der extremen Musikszene aktiv ist. Gibt es einen gemeinsamen Nenner, der all deine Projekte verbindet?

Bridget:
Ich würde sagen, es gibt nichts Konkretes, das alles verbindet. Ich folge einfach meinen Interessen und schaue, wohin sie mich führen.

Tobias:
Kommen wir zu STABBING. Du bist 2021 zur Band gestoßen und seit dem ersten Demo die Sängerin. Wie hat sich die Band seit diesen frühen Tagen entwickelt?

Bridget:
Ich denke, die Band ist in vielerlei Hinsicht gewachsen. Sie hat sich auch ein Stück weit verändert. Der Sound ist gleich geblieben, aber über die Jahre etwas “verfeinert” worden.

Tobias:
STABBING haben bereits mehrere Veröffentlichungen herausgebracht – “Ravenous Psychotic Onslaught”, “Extirpated Mortal Process” und zuletzt “Demo 2023”. Welche Entwicklungsschritte waren für dich in dieser Zeit besonders prägend?

Bridget:
Mit jeder Veröffentlichung und jeder Aufnahme habe ich etwas mehr über mich selbst gelernt und darüber, wie Songwriting und Recording funktionieren. Unser erstes Demo 2021 war erst die zweite Aufnahme, an der ich je beteiligt war. Es war einschüchternd, ich war nervös und wusste nicht wirklich, was ich tue. Ich denke, “Eon of Obscenity” ist das erste Mal, dass ich mich wirklich bereit gefühlt habe, ins Studio zu gehen.

Tobias:
Mit “Eon of Obscenity”, das 2026 erscheint, steht bereits das nächste Kapitel an. Was kannst du uns über die Entstehung des Albums erzählen, worauf lag diesmal der Fokus und wie groß ist der Schritt im Vergleich zu eurem brachialen Debüt von 2022?

Bridget:
Die Entstehung des Albums fühlte sich für mich sehr geradlinig an, wir waren etwa vier Tage im Studio. Der Hauptfokus lag darauf, ein solides Album zu machen, auf das wir alle stolz sein können. Aus persönlichen Gründen mag ich dieses zweite Album sogar mehr als unser erstes.

Tobias:
Ihr musstet zwei Besetzungswechsel verkraften. Was führte zum Ausstieg von Meryl Martinez am Bass und Rene Martinez am Schlagzeug, und über welchen Zeitraum geschah das?

Bridget:
Das war 2023. Unser Gitarrist hat mir immer geraten, öffentlich nicht zu sehr ins Detail zu gehen, um Drama und unerwünschte Aufmerksamkeit zu vermeiden, was ich auch verstehe. Kurz gesagt gab es mehrere größere Probleme mit unserer damaligen Bassistin, die erst während des Tourens deutlich wurden. Unser Gitarrist wollte die Zusammenarbeit beenden, aber sie war zu dieser Zeit mit unserem damaligen Drummer verheiratet, sodass letztlich beide die Band verlassen haben.

Tobias:
Wie viel Einfluss haben eure neuen Mitglieder Matt Day am Bass und Aron Hetsko am Schlagzeug auf eure Musik?

Bridget:
Sie sind großartige Musiker, und ich freue mich sehr, dieses Album mit ihnen gemacht zu haben. Es macht unglaublich viel Spaß, mit ihnen zu touren und die neuen Songs live zu spielen. Zusammen sind sie definitiv eine sehr starke Rhythmussektion.

Tobias:
Ihr steht nun bei Century Media Records unter Vertrag, einem Label, das dafür bekannt ist, extreme Metal-Bands weltweit zu unterstützen und ihnen dennoch kreative Freiheit zu lassen. Wie kam der Kontakt zustande, und wie wohl fühlst du dich dort?

Bridget:
Ich bin mir ehrlich gesagt immer noch nicht ganz sicher, wie ich mich damit fühle. Es ist sehr einschüchternd, mit einem größeren Label zu arbeiten, aber ich habe dort wirklich nette Menschen kennengelernt. Ich schätze sehr, dass sie uns unseren Sound ohne äußere Einmischung lassen, was ich früher für untypisch in der großen Musikindustrie gehalten habe. Es ist schwer, mich genau daran zu erinnern, wo wir das erste Mal Kontakt hatten – vielleicht beim “Wrecking Ball Metal Madness Festival” Ende 2023.

Tobias:
Apropos kreative Freiheit: Was inspiriert dich textlich? Welche Themen behandelst du in deinen Songs? Eure Single ‘Inhuman Torture Chamber’ basiert auf einer realen Horrorgeschichte und ist für ihre düstere Intensität bekannt. Zieht sich diese Atmosphäre durch die gesamten 30 Minuten des Albums?

Bridget:
Ich lasse mich meist von True-Crime-Geschichten inspirieren, über die ich lese – einige davon haben mich sehr beschäftigt. Ich denke schon, dass das Album insgesamt diese Atmosphäre beibehält, auch wenn manche Songs weniger tiefgehend und direkter sind.

Tobias:
Ihr bewegt euch im Brutal Death Metal, interpretiert das Genre aber auf eure eigene Weise. Was unterscheidet euch von anderen Bands, und wo siehst du Gemeinsamkeiten?

Bridget:
Wir haben uns immer von allem Möglichen inspirieren lassen und daraus unseren eigenen Sound entwickelt. Wenn es etwas gibt, das uns unterscheidet, fällt es mir schwer, das selbst zu benennen, weil das sehr subjektiv ist. Meiner Meinung nach gibt es vieles an STABBING, das man als “typischen” Brutal Death Metal bezeichnen könnte, aber genau das mag ich daran.

Tobias:
Wie bist du ursprünglich als Sängerin zum Brutal Death Metal gekommen? War das auch dein Einstieg in Metal, oder gab es andere Bands, die dich zuerst in die Szene geführt haben?

Bridget:
Ich habe einen ziemlich typischen Weg durch die Metal-Genres genommen. Während ich Bands wie SODOM oder SEPULTURA gehört habe, lief bei mir auch schon DYING FETUS oder SUFFOCATION, ohne dass mir bewusst war, dass das eigentlich früher Brutal Death Metal war. Über die Jahre bin ich immer tiefer in Death Metal eingetaucht, bis es schließlich Brutal Death wurde, weil ich ständig nach etwas Extremerem gesucht habe.

Tobias:
Welche Brutal-Death-Bands zählen zu deinen größten Einflüssen – und warum?

Bridget:
DISGORGE wird mir bei dieser Frage oft genannt, weil sie für mich persönlich der Inbegriff von Brutal Death Metal waren, als ich sie entdeckt habe. Ähnlich ging es mir mit frühen DEEDS OF FLESH.

Tobias:
Ich finde es großartig, mehr Frauen im Metal zu sehen, besonders im extremen Bereich. Im Brutal Death bist du immer noch eine Ausnahme. Wie fühlt es sich an, das Genre auf diese Weise zu repräsentieren, und bekommst du Nachrichten von Mädchen, die dich um Rat fragen?

Bridget:
Ich freue mich, Frauen in einem so männlich dominierten Genre zu repräsentieren, denn das hatte ich anfangs selbst kaum. Als ich dann Vorbilder hatte, war das extrem inspirierend für mich. Ich bekomme gelegentlich Nachrichten von Mädchen, die nach Tipps oder Techniken fragen, und ich versuche immer, so gut ich kann zu helfen.

Tobias:
Werdet ihr in Nordamerika touren und auch nach Europa kommen, insbesondere nach Deutschland?

Bridget:
Ich hoffe es sehr. Deutschland hat mir unglaublich viel Spaß gemacht, und ich mochte jede Stadt, in der wir gespielt haben.

Tobias:
Hast du bereits Feedback aus Deutschland bekommen? Gibt es hier oder anderswo auf der Welt eine STABBING-Fanbase oder Community?

Bridget:
Außerhalb der Shows, die wir dort gespielt haben, bin ich mir nicht sicher. Aber diese Shows waren großartig, und wir haben viele coole Leute kennengelernt.

Tobias:
Wirst du weiterhin an deinen anderen musikalischen Projekten arbeiten, oder liegt dein Fokus erst einmal komplett auf STABBING?

Bridget:
Im Moment ist das alles, womit ich beschäftigt bin. Aber ich werde wahrscheinlich immer irgendwie mit dieser Art von Musik verbunden bleiben, egal in welcher Band.

Tobias:
Das waren alle meine Fragen. Vielen Dank für deine Zeit und die Einblicke in STABBING und deine Musik. Die letzten Worte gehören wie immer meinem Interviewpartner – also dir, Bridget.

Bridget:
Vielen Dank für das Interview, und ich hoffe, euch gefällt das neue Album!

Interview: Tobias Stahl
Photocredit: Travis Worland