Mit „Razorblade Bay“ legen SPACE CHASER fünf Jahre nach „Give Us Life“ ihr viertes Studioalbum vor und schlagen gleichzeitig ein neues Kapitel ihrer Bandgeschichte auf. Nach dem Wechsel am Mikrofon übernimmt Gitarrist Leo Schacht erstmals auch den Gesang und führt die Berliner gemeinsam mit Martin Hochsattel, Sebastian Kerlikowski und Matthias Scheuerer in die Zukunft. Produziert wurde „Razorblade Bay“ von Jan Oberg im Hidden Planet Studio in Berlin, während Andy Brings nicht nur als Co-Produzent mitwirkte, sondern auf ‚8 Minutes‘ auch selbst zum Mikrofon griff. Musikalisch bleiben SPACE CHASER ihrem kompromisslosen Thrash Metal treu, würzen ihn aber erneut mit Speed-Metal-, Punk- und Rock’n’Roll-Einflüssen, während Science-Fiction und Horror den thematischen Rahmen bilden. Grund genug also, mit SPACE CHASER über „Razorblade Bay“, den Neustart der Band und jede Menge Thrash Metal zu sprechen.

Tobias:
Hallo nach Berlin, hi Leo! Schön, dass wir heute über „Razorblade Bay“ sprechen können. Erst einmal herzlichen Glückwunsch zum neuen Album! Fünf Jahre sind seit „Give Us Life“ vergangen. Wie groß ist die Vorfreude, die neue Platte endlich auf die Fans loslassen zu können?
Leo:
Vielen Dank! Wir freuen uns natürlich sehr, das Album jetzt endlich präsentieren zu können. Es ist das Endergebnis von harter Arbeit und sicherlich in vielen Facetten auch anders als unser letztes Album – ganz einfach deshalb, weil der Entstehungsprozess grundsätzlich verschieden war und sich ja unser Line-up geändert hat.
Tobias:
Mit „Give Us Life“ habt ihr erstmals die deutschen Albumcharts geknackt und anschließend auf Festivals wie dem Wacken Open Air, Summer Breeze oder Party.San gespielt. Wenn ihr heute auf diese Zeit zurückblickt – wie wichtig waren diese Erfolge für euren weiteren Weg als Band?
Leo:
Das war natürlich sehr cool und ein wichtiger Schritt für uns. Eine sehr aufregende Zeit damals. Das macht natürlich hungrig. Auf Wacken und dem Summer Breeze haben wir aber tatsächlich letztes Jahr auch noch einmal gespielt.
Tobias:
Seit „Give Us Life“ hat sich innerhalb der Band einiges verändert. Du übernimmst inzwischen zusätzlich den Gesang. Mich interessiert dabei weniger nur der personelle Wechsel, sondern vielmehr die Dynamik innerhalb der Band. Hat sich dadurch auch eure Art verändert, Songs zu schreiben?
Leo:
Gute Frage! Unsere Arbeitsweise, wie wir Songs schreiben, hat sich tatsächlich durch die neue Rolle sehr verändert. Wir mussten uns quasi neu erfinden und erkunden, wie wir in Zukunft klingen wollen. Während wir vorher vor allem viel zu zweit im Proberaum gemacht haben, hat sich für das neue Album beim Songwriting viel ins Home-Studio verlagert, einfach, um flexibler zu sein, Neues auszuprobieren und Stück für Stück zusammenzusetzen, wie SPACE CHASER klingen soll. Darüber hinaus haben wir mit Andy Brings natürlich noch einen Top-Produzenten engagiert, der auch noch mal einen erheblichen Einfluss auf unsere Songs hatte.
Tobias:
Schon Bruchteile nach Beginn des Titeltracks tretet ihr dem Hörer die Tür ein und macht unmissverständlich klar, wohin die Reise in den kommenden 32 Minuten geht. Für mich ist das ein Auftakt nach Maß. War für euch von Anfang an klar, dass „Razorblade Bay“ genau so beginnen muss, oder hat sich der Titeltrack erst im Laufe des Songwritings als perfekter Opener herauskristallisiert?
Leo:
Das freut mich zu hören. Es hat sich definitiv erst im Laufe des Prozesses herausgestellt, dass das auf jeden Fall der beste Opener ist. Es geht auch gleich schön mit der Stimme los, das fanden wir ebenfalls gut, weil wir mich so gleich präsent nach vorne stellen konnten. Nichts verstecken, kein Bullshit, sondern einfach ehrlich und direkt.
Tobias:
Science-Fiction und Horror ziehen sich wie ein roter Faden durch das gesamte Album. Trotzdem hatte ich nie das Gefühl, dass die Musik hinter dem Konzept zurückstehen muss. Was fasziniert euch an diesen Themen so sehr und wie entstehen daraus letztlich eure Geschichten?
Leo:
Das hat sich im Laufe der Zeit einfach so entwickelt und naja, wenn deine Band SPACE CHASER heißt, dann hast du ja auch nicht wirklich eine Wahl, oder haha? Ich fand immer, dass das bei uns wie die Faust aufs Auge passt, ein bewährtes Prinzip.
Tobias:
Lieblingsfilm im Horror-, Sci-Fi-Genre?
Leo:
Alien!
Tobias:
Mit Jan Oberg und Andy Brings hattet ihr zwei Leute an Bord, die beide seit vielen Jahren tief in der Metalszene verwurzelt sind. Wie eng war die Zusammenarbeit und welchen Einfluss haben beide auf „Razorblade Bay“ genommen?
Leo:
Andy hat uns an zwei Punkten wahnsinnig unterstützt: Zum einen hatten wir mit ihm Ende 2025 eine Songwriting-Session und haben alle unsere Songs noch mal grundlegend auf den Prüfstand gestellt. Das hat wirklich noch mal so einiges rausgeholt. In einem zweiten Schritt war er während der Gesangsaufnahmen im Studio mit dabei und wir haben zusammen an den Gesangslinien gearbeitet. Mit Jan Oberg arbeiten wir bereits seit 2013 zusammen. Ich finde die Zusammenarbeit sehr angenehm und eine Session im Hidden Planet Studio ist immer eine gute Idee.
Tobias:
Andy Brings ist auf ‚8 Minutes‘ sogar als Gastsänger zu hören. War das von Anfang an so geplant? Wie viel Andy steckt am Ende in diesem Song?
Leo:
Er hat im letzten Verse einen kleinen Auftritt – das kam allerdings ganz spontan im Studio zustande.
Tobias:
Schon beim Titeltrack gibt es eine Spoken-Word-Passage und auch ‚We Are The Night‘ startet mit einem ähnlichen Moment, bevor ihr wieder das Gaspedal durchtretet. Wie entstand die Idee, solche kleinen atmosphärischen Elemente in ein ansonsten derart kompromissloses Album einzubauen?
Leo:
Solche Elemente sind wie Farbtupfer. Man setzt sie gezielt an passenden Stellen ein und schafft noch mal ein bisschen Abwechslung und Kontraste. Manchmal verpasst man einem Song mit diesen kleinen Dingen den letzten Feinschliff.
Tobias:
Für mich gehören ‚Mind Melting Machine‘ und vor allem ‚The Coffin‘ zu den absoluten Highlights des Albums. Beide Songs vereinen für mich alles, was das Genre ausmacht: kernige Riffs, starke Gitarrenarbeit und jede Menge Spielfreude. Gibt es auf „Razorblade Bay“ einen Song, auf den ihr selbst besonders stolz seid?
Leo:
Das freut mich zu hören! Ich persönlich bin auf den Titeltrack besonders stolz, aber das liegt wahrscheinlich besonders daran, dass ich da eine spezielle Verbindung habe. Als wir den Song aufgenommen haben, habe ich mich sehr schnell wohlgefühlt und war während der Aufnahmen auch der Meinung, dass die Takes meine bisherige Bestleistung sind.
Tobias:
„Razorblade Bay“ bringt es auf gerade einmal gut 32 Minuten und verschwendet dabei keine einzige Sekunde. Jeder Song sitzt, nichts wirkt aufgeblasen oder unnötig in die Länge gezogen. War euch von Anfang an wichtig, lieber ein kompaktes Thrash-Speed-Feuerwerk abzuliefern, anstatt auf Biegen und Brechen eine längere Spielzeit zu erreichen?
Leo:
Auf jeden Fall! Mir ist erst relativ spät aufgefallen, dass das Album nur 32 Minuten lang ist. Im Prozess hatte ich das gar nicht so wirklich auf dem Schirm. Aber ganz ehrlich, genau so mag ich es auch: lieber schön kompakt und dennoch voll aussagekräftig als unnötig aufgebläht. Jedes Riff kommt genauso oft, wie es kommen muss.
Tobias:
Ganz ehrlich: Songs wie ‚We Are The Night‘, ‚8 Minutes‘ oder ‚The Coffin‘ schreien doch förmlich danach, live den Abriss einzuleiten. Auf welche neuen Songs freut ihr euch selbst am meisten und bei welchem Titel erwartet ihr künftig vor der Bühne die größten Moshpits?
Leo:
Ich denke, ein Song wie „8 Minutes“ oder „The Coffin“ wird live gut funktionieren und für ordentlich Bewegung vor der Bühne sorgen. Ich persönlich freue mich aber zum Beispiel auch noch sehr auf einen Track wie „No Gods, No Dawn“. Hauptsache die Leute haben Bock!
Tobias:
Nach fünf Jahren ohne neues Album dürfte die Vorfreude bei euren Fans entsprechend groß sein, die neuen Songs endlich live zu erleben. Stehen rund um die Veröffentlichung von „Razorblade Bay“ bereits Konzerte oder Festivalauftritte fest?
Leo:
Wir spielen am 11. September beim Stromgitarreneinsatz-Festival in Lübeck und am 12. September feiern wir unsere Release-Show in Berlin.
Tobias:
Bevor wir zum Ende kommen: Haben wir aus deiner Sicht alles Wichtige rund um „Razorblade Bay“ angesprochen oder gibt es noch etwas, das dir besonders am Herzen liegt und das du unseren Leserinnen und Lesern mit auf den Weg geben möchtet?
Leo:
Es freut mich sehr, dass dir das Album gefällt. Das Album bedeutet uns sehr viel und schlägt auf jeden Fall ein neues Kapitel in unserer Geschichte auf.
Tobias:
Vielen Dank für deine Zeit und das Interview! Ich wünsche euch viel Erfolg mit „Razorblade Bay“ und hoffe, dass wir uns vielleicht einmal bei einer Show sehen. Die letzten Worte gehören natürlich dir.
Leo:
Vielen Dank, dass du mit uns gesprochen hast. Thrash till Death.
Imterview: Tobias Stahl
Photocredit: Sonja Moeller

