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SOULBOUND – Haltung statt Schubladen

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SOULBOUND sind eine deutsche Metalband, die seit Jahren ihren eigenen Weg zwischen harten Riffs, elektronischen Elementen und direkter Sprache geht. Mit ihrem neuen Album ”sYn” legen Johnny (Gesang), Jonas (Bass), Pät (Elektronik/Synthesizer), Mario (Schlagzeug) und Felix (Gitarre) den nächsten Longplayer vor und erweitern diesen mit der ”sYnners Collector’s Edition” um eine aufwändig gestaltete Sonderveröffentlichung. Neben dem Album selbst umfasst die Edition zahlreiche Extras, darunter ein Making-of-Magazin sowie einen handbemalten Thron aus der Kreativwerkstatt Meiningen der Lebenshilfe Thüringen, von dessen Verkauf ein Teil direkt gespendet wird. Anlass genug, um mit Sänger Johnny über ”sYn”, die Entstehung des Albums und das dahinterstehende Konzept zu sprechen.

Tobias:
Wie geht es euch aktuell, und wie habt ihr Weihnachten sowie den Jahreswechsel verbracht?

Johnny:
Uns geht es gerade erstaunlich gut. Die letzten Monate waren intensiv, aber auf eine gute Art. Weihnachten war für uns bewusst ruhig – viel Familie, wenig Trubel, einfach mal durchatmen. Der Jahreswechsel war eher reflektiert als laut. Wir haben auf ein sehr volles Jahr zurückgeblickt und gemerkt, wie viel wir gemeinsam erlebt und getragen haben. 2026 fühlt sich nicht wie ein Neustart an, sondern wie ein konsequenter nächster Schritt.

Tobias:
Der Release von „sYn“ steht am 16. Januar an – wie groß ist die Vorfreude?

Johnny:
Die Vorfreude ist groß, aber sie ist ruhig. „sYn“ fühlt sich für uns sehr rund an. Nicht, weil alles perfekt ist, sondern weil es ehrlich ist. Wir fiebern dem Release entgegen, weniger aus Nervosität, sondern aus dem Wunsch heraus, dass das Album seinen Weg zu den Menschen findet, die etwas damit anfangen können, und wir freuen uns, den Menschen, die unsere Musik mögen, wieder auf unseren Touren und Festivals zu begegnen.

Tobias:
Wie wichtig ist euch die Nähe zu euren Fans? Und welcher Partytyp bist du?

Johnny:
Die Nähe ist uns extrem wichtig. Nicht als Marketingidee, sondern weil wir ohne diese Verbindung keine Band wären. Wir wollen greifbar bleiben, ansprechbar, nicht entrückt. Was Silvester angeht: Wir sind eher der Typ gute Gespräche statt Eskalation, liegt vielleicht an unserem Alter. Lieber wenige Menschen, echte Verbindung und irgendwann müde ins Bett, als bis morgens durchfeiern.

Tobias:
Wie stark fließt das, was euch als Menschen ausmacht, in eure Musik ein?

Johnny:
Sehr stark. Unsere Musik ist kein Rollenspiel. Alles, was wir schreiben, speist sich aus realen Erfahrungen, Konflikten, Zweifeln, Wut, aber auch Nähe und Verantwortung. Wir könnten diese Songs nicht schreiben, wenn wir sie nicht selbst fühlen würden. Genau das macht sie für uns glaubwürdig.

Tobias:
Genre-Schubladen: Industrial, Gothic, Metalcore oder „we don’t give a fuck Metal“?

Johnny:
Schubladen sind uns ehrlich gesagt egal. Sie helfen vielleicht beim Einordnen, aber sie definieren uns nicht. „We don’t give a fuck Metal“ beschreibt eher unsere Haltung als unseren Sound. Wir nehmen uns die Freiheit, das zu machen, was sich richtig anfühlt, ohne uns rechtfertigen zu wollen, auch wenn es uns das nicht immer leicht macht.

Tobias:
Wie entstand der Kontakt zur Lebenshilfe Thüringen und was war euch wichtig?

Johnny:
Der Kontakt entstand über einen wunderbaren Menschen aus unserer Community. Er liebt unsere Musik und hat aus eigener Initiative heraus einen Thron entworfen, komplett auf Basis unseres Artworks. Wir haben ihn daraufhin angeschrieben und erst dabei erfahren, dass er in einer Kreativwerkstatt der Lebenshilfe Thüringen arbeitet. Uns war sofort klar, dass daraus kein symbolisches Projekt werden darf. Wir wollten echte Zusammenarbeit, echte Sichtbarkeit und einen echten Mehrwert für alle Beteiligten. Der Thron ist für uns kein Gimmick und kein Merchandise-Extra, sondern Ausdruck von Respekt gegenüber handwerklicher und kreativer Arbeit und gegenüber den Menschen, die sie leisten.

Tobias:
Welche Bedeutung hat soziales Engagement für euch als Band?

Johnny:
Soziales Engagement ist für uns keine Zusatzaufgabe, sondern Teil unserer Haltung. Musik kann Räume öffnen, Aufmerksamkeit schaffen und Menschen verbinden. Wenn wir diese Reichweite nicht auch für Verantwortung nutzen würden, würde sich das falsch anfühlen.

Tobias:
Was wünscht ihr euch, dass Käufer der Collector’s Edition mitnehmen?

Johnny:
Wir wünschen uns, dass sie sehen, was möglich ist, wenn man Menschen nicht über Defizite (die wir alle in uns tragen) definiert. Vielleicht trägt dieses Projekt ein kleines Stück dazu bei, Vorurteile aufzubrechen und Perspektiven zu verändern.

Tobias:
‚Cutting Diamonds‘ und ’sYnfluencer‘ – worum geht es inhaltlich?

Johnny:
‚Cutting Diamonds‘ handelt von Nähe, Verlust und dem schmerzhaften Moment, wenn man erkennt, dass etwas Wertvolles nicht festzuhalten ist. ’sYnfluencer‘ ist das Gegenstück: wütend, laut, gesellschaftskritisch. Es geht um Selbstinszenierung, moralische Überlegenheit und die Gewalt, die durch Macht an falschen Stellen entstehen kann.

Tobias:
Ist ‚Not Metal Enough‘ der Beweis für eure Haltung?

Johnny:
Absolut. Der Song ist ironisch, selbstbewusst und bewusst provokant. Er richtet sich weniger gegen Menschen als gegen starre Denkweisen. Metal war für uns immer Ausdruck von Freiheit und Mut, zu sein, wer man will, und ganz sicher nicht von Regeln.

Tobias:
Wie habt ihr das Thema „Sünde“ für „sYn“ erarbeitet?

Johnny:
Wir haben Sünde nicht religiös verstanden, sondern menschlich. Als das, was wir uns selbst antun, anderen antun oder kollektiv verdrängen. Die Texte sind stark von den letzten Jahren geprägt: Pandemie, gesellschaftliche Spaltung, Vertrauensbrüche, persönliche Krisen. All das fließt in „sYn“ ein.

Tobias:
Gibt es bereits Live-Pläne?

Johnny:
Ja. Wir sind eine Liveband. Wir arbeiten aktuell an der Umsetzung des neuen Albums und freuen uns sehr darauf, die Songs live ab Ende März auf unserer zweiten eigenen Headliner-Tour erlebbar zu machen. Und dann freuen wir uns auch auf die nächsten Festivals im Sommer.

Tobias:
Gibt es etwas, das du noch loswerden möchtest?

Johnny:
Vielleicht nur das: „sYn“ will niemandem etwas aufzwingen. Es lädt ein, hinzuhören, mitzudenken und zu fühlen und vielleicht auch, dem Ganzen eine zweite Chance zu geben. Mehr Anspruch haben wir nicht.

Tobias:
Abschließende Worte an die Leser von OBLIVEON?

Johnny:
Danke fürs Lesen, fürs Offenbleiben und fürs Zuhören. Musik lebt von Verbindung. Wir hoffen, dass ihr das in unserem Wirken als Musiker wiederfinden könnt und freuen uns darauf, euch live auf unserer Tour oder auf den Festivals zu treffen.

Interview: Tobias Stahl
Photocredit: Soulbound/Promo