Mit „Golden Absolution“ legen die Linzer Hard Rocker SERGEANT STEEL ihr mittlerweile sechstes Studioalbum vor und zeigen, dass fette Riffs, große Melodien und echte Spielfreude auch 2026 bestens zusammenpassen. Diesmal haben die Österreicher ihre Basic Tracks erstmals gemeinsam live im Studio eingespielt – ein Schritt, der dem Album spürbar Emotion und Dynamik verleiht. Von breitbeinigen Rockern über Country-Vibes und einen Kinderchor bis hin zu gefühlvollen Balladen und psychedelischen Momenten bietet die Platte reichlich Abwechslung. Im Gespräch mit Sänger Phil Vanderkill geht es um die neue Arbeitsweise, musikalische Vorbilder, einzelne Songs, den letzten Schliff von Jens Bogren und die nächsten Schritte von SERGEANT STEEL.
Tobias:
Mit „Golden Absolution“ steht euer sechstes Album in den Startlöchern. Seit 2007 habt ihr mit SERGEANT STEEL einiges an Material veröffentlicht und euch dabei dem klassischen Hard Rock verschrieben. Was war für euch diesmal der wichtigste Impuls, an den Sound des Albums heranzugehen und „Golden Absolution“ musikalisch so umzusetzen, wie es am Ende geworden ist?
Phil Vanderkill:
Ich denke, aus heutiger Sicht lag das an zwei Dingen: Zum einen hatten wir schon lange mit dem Gedanken gespielt, es unseren großen Vorbildern wie z. B. THE BEATLES oder QUEEN gleichzutun und Drums, Bass und die Rhythmusgitarren live zusammen einzuspielen. Gerade bei den genannten Bands haben uns die entsprechend aufgenommenen Alben seit jeher fasziniert – eigentlich seit der Kindheit, kann man sagen. Und dann kam auch noch Jack mit dem Song ‚Back On The Track‘ um die Ecke, und wir wussten sofort: Das ist die Initialzündung, auf der wir unbedingt ein Albumprojekt aufbauen möchten.
Tobias:
Eine Besonderheit des Albums ist für mich, dass ihr die Basic Tracks zum ersten Mal in eurer Bandgeschichte gemeinsam live im Studio eingespielt habt. Gerade bei Hard Rock und Classic Rock kann diese direkte Interaktion zwischen den Musikern ja sehr viel ausmachen. Wie hat sich diese Arbeitsweise für euch angefühlt und was hat sie im Vergleich zu früheren Produktionen verändert?
Phil Vanderkill:
Wir haben es erst einmal nicht auf die leichte Schulter genommen, sondern uns akribisch darauf vorbereitet. Denn wenn du Legenden nacheiferst, schadet ein gewisser Respekt, ja vielleicht sogar Ehrfurcht, keinesfalls. Also haben wir als Testballon eine alte Nummer, die wir sehr gut draufhaben, hergenommen. So geschehen mit ‚Happy Time‘, das im Original von „Riders Of The Worm“ aus 2015 stammt. Das hat prima funktioniert, und so konnte schließlich „Golden Absolution“ im Rahmen einiger erfolgreicher Aufnahmesessions entstehen.
Das hat gleich mal mehr Spaß gemacht, als die Parts allein einzuspielen. Du bist auch zwischenmenschlich im Austausch, sei es, um ad hoc an den Recordings zu tüfteln oder einfach, um zu feixen. Humor ist, glaube ich, wichtig, wenn man an seine künstlerische Bestleistung herankommen will.
Die gegenseitige Wertschätzung und die Freude übertragen sich, und so kann eine regelrechte Aufwärtsspirale entstehen. Es fließt so viel an Emotion und Herz ein, was beim isolierten Arbeiten eigentlich nie hätte passieren können.
Tobias:
Mit ‚1000 Lives‘ geht ihr direkt ziemlich breitbeinig aus den Startlöchern. Präsente Gitarren, forderndes Schlagzeug und ordentlich Druck machen den Opener für mich zu einem ziemlich guten Einstieg. Wie ist dieser Song entstanden und warum war ‚1000 Lives‘ für euch genau die richtige Nummer, um das Album zu eröffnen?
Phil Vanderkill:
Den Song sehe ich persönlich ein bisschen als unseren Schritt in die 90er. Damals haben Bands wie THE SCREAM, LOVE/HATE oder SAIGON KICK auf großartige Weise versucht, Hard Rock von Klischees und Plattitüden zu befreien, ohne gleich nach Alternative zu klingen. Auch „Dog Eat Dog“ von WARRANT, „Slave To The Grind“ von SKID ROW und die MÖTLEY-CRÜE-Scheibe mit John Corabi möchte ich hier nennen. Das sind sehr vielschichtige Werke. Sie haben kaum etwas mit dem poppigen Hair Metal der vorhergehenden Jahre zu tun. Gleichzeitig kommen sie ohne das depressive Element des Grunge aus. ‚1000 Lives‘ sehe ich da als eine Art Tribut, und wuchtigen Heavy Rock als Albumeinstieg halten wir grundsätzlich für eine gute Idee.
Tobias:
‚Back On The Track‘ ist für mich einer dieser Songs, die sofort Lust auf Mitsingen und Mitgrooven machen. Dazu kommt ein Solo, bei dem sich vermutlich jeder Luftgitarrist angesprochen fühlt. Was macht für dich einen richtig guten SERGEANT-STEEL-Rocksong aus und wie wichtig sind diese direkten, eingängigen Momente beim Songwriting?
Phil Vanderkill:
Wie bereits erwähnt, hat ‚Back On The Track‘ auch bei uns persönlich etwas ausgelöst. Unser Hauptsongwriter Jack wurde hier einfach von der Muse geküsst. Bereits sein Demo war ein absoluter Knüller. Das Lied gemeinsam auszuarbeiten, hat uns dann so richtig beflügelt. Ich denke, die Komposition enthält auch sehr viele Trademarks, die den Stil von Jack ausmachen. Man sollte nie eine mitreißende Strophe unterschätzen, und ‚Back On The Track‘ verfügt genau über diese Qualität. Außerdem hält Jack sehr viel von einer soliden handwerklichen Basis. Dazu gehören auch eine spannende Einleitung, ein dramatischer Pre-Chorus und schließlich ein hymnischer Refrain. Das Tüpfelchen auf dem i ist dann noch eine mitreißende Bridge und leidenschaftliche Solo-Parts. Mit dieser Rezeptur kann nicht mehr viel schiefgehen.
Tobias:
Bei ‚Teeny Meany‘ hatte ich schon nach den ersten Sekunden Country-Rock-Vibes im Kopf, die sich durch den ganzen Song ziehen. Dazu kommt ein Refrain, der sich bei mir ziemlich schnell festgetackert hat. Woher kam diese musikalische Richtung und wie schafft ihr es, solche Einflüsse einzubauen, ohne dass es plötzlich nicht mehr nach SERGEANT STEEL klingt?
Phil Vanderkill:
Dieser Country- oder auch Southern-Rock-Drall rührt von Jacks Leidenschaft für LYNYRD SKYNYRD und BLACKFOOT, aber auch den Platten von AEROSMITH ab „Permanent Vacation“. Ganz persönlich habe ich mich aber auch an ‚Lovin’ You Is a Dirty Job‘ von RATT erinnert gefühlt. Außerdem ist uns zumindest eine tanzbare Groove-Nummer auf einem SERGEANT-STEEL-Album sehr wichtig. Dieses Selbstverständnis sorgt, denke ich, dafür, dass wir letztlich immer nach uns selbst klingen.
Tobias:
‚Hold Your Fire‘ startet mit einem Kinderchor und bekommt dadurch schon vor dem eigentlichen Rock-Part eine ganz eigene Wirkung. Bei mir funktioniert so etwas ja fast immer und hier hebt es den Song für mich noch einmal auf ein anderes Level. Wie kam die Idee mit dem Kinderchor zustande und wie wichtig war es euch, gerade bei diesem Song mit so einem ungewöhnlichen Einstieg zu arbeiten?
Phil Vanderkill:
Mit dem Einfall kam Jack um die Ecke, da es inhaltlich um die nähere Zukunft der Menschheit geht. Tatsache ist nun einmal, dass es unsere Erben nicht unbedingt leichter haben werden als wir. Das Lied ist ein ernsthafter Appell aus Sicht der Betroffenen an uns, die derzeit Verantwortlichen.
Es ist eine Gratwanderung, ob ein Kinderchor so etwas wie Substanz ausstrahlt – wie z. B. bei PINK FLOYDs ‚Another Brick in the Wall‘ – oder ob das Ganze in die Kategorie THE KELLY FAMILY für Arme fällt. Letztlich haben wir das aber prima hinbekommen, nicht zuletzt aufgrund eines unglaublich engagierten Schulchorleiters und der feinfühligen Produktion von Jack.
Tobias:
‚Lonely Street Of Broken Hearts‘ schlägt dann eine deutlich gefühlvollere Richtung ein und funktioniert für mich als Rockballade richtig gut. Wie wichtig ist euch diese ruhigere Seite innerhalb eines Albums wie „Golden Absolution“ und wie viel Raum braucht eine Ballade, damit sie bei einer so rockigen Platte nicht wie ein Fremdkörper wirkt?
Phil Vanderkill:
Du hast recht, der Track ist ruhig und geht absolut als Ballade durch, kommt stilistisch und inhaltlich allerdings aus der bluesigen, schwermütigen Ecke. Insofern passt das Lied, finde ich, sehr gut zum ernsthafteren und erwachsenen Vibe von „Golden Absolution“.
Wir haben uns mit dem Stück echt selbst überrascht. Wir sind hochzufrieden mit der dynamischen Range und dem dichten Spannungsbogen, den die Aufnahme in unseren Augen vermittelt.
Tobias:
Mit ‚Wireless‘ bringt ihr neben dem klassischen Hard Rock auch noch eine Portion Psychedelic Rock ins Spiel. Gleichzeitig lebt der Song stark vom Bass und von deiner markanten Stimme. Wie wichtig sind euch solche kleinen stilistischen Ausflüge und welche musikalischen Einflüsse haben bei „Golden Absolution“ insgesamt besonders stark auf euch eingewirkt?
Phil Vanderkill:
Generell Bands, die ein ganz breites stilistisches Spektrum abdecken, allen voran AEROSMITH, THE BEATLES, QUEEN, KANSAS und STYX. Wir lieben deren Facettenreichtum, und es folgt daraus, dass wir uns auch entsprechend ausrichten. Wir könnten uns schwerlich auf ein besonders enges, stilistisches Korsett festlegen.
Tobias:
Jack Power und Chuck Boom haben den Mix des Albums selbst übernommen, bevor Jens Bogren in den Fascination Street Studios den letzten Schliff verpasst hat. Wie lief diese Zusammenarbeit ab und was hat Jens aus eurer Sicht noch aus den bereits selbst gemixten Songs herausgeholt?
Phil Vanderkill:
Wir haben testweise verschiedenen Mastering-Engineers bzw. -Services unser Material zukommen lassen. Jens Bogren hat klar am besten abgeliefert. Chuck und unser Bassist MJ haben ihm in Schweden persönlich über die Schultern geschaut, und die Mischung aus Expertise und Routine war sehr beeindruckend. Das Mastering klingt kräftig und zeitgemäß, ohne aber die grundsätzliche Oldschool-Ausrichtung des Materials zu verwässern. Ein Kunstgriff, der nur den Besten gelingt.
Tobias:
Mit ‚Stay With Me‘, ‚Catch The Train‘ und ‚Dying Love‘ habt ihr auf der zweiten Hälfte des Albums noch einmal sehr unterschiedliche Songs am Start, ohne dass die Platte für mich auseinanderfällt. Wie wichtig ist euch die Dramaturgie eines Albums und wann wisst ihr, dass zehn Songs wirklich als geschlossenes Gesamtpaket funktionieren?
Phil Vanderkill:
Wir bauen sehr bewusst eine Struktur mit zehn Songs auf. Wer sich die Alben seit „Truck Tales“ anhört, kann da ein gewisses Schema erkennen. Wir haben uns das wiederum von diversen Platten abgeschaut, die für uns vom Aufbau her sehr gut funktionieren. Wir berücksichtigen dieses Konzept bereits bei der Erstellung von Long- und Shortlists für die Songauswahl. Normalerweise beschäftigen wir uns mit ca. 25–30 Liedern näher, die für ein Album infrage kommen.
Tobias:
Nach „Golden Absolution“ geht es natürlich auch wieder auf die Bühne. Wie sehr habt ihr Bock darauf, die neuen Songs live zu spielen, und welche Nummern möchtest du dabei selbst am liebsten vor Publikum erleben?
Phil Vanderkill:
Wir haben tatsächlich alle Tracks von „Golden Absolution“ im Laufe der letzten drei Jahre live getestet. Besonders neugierig bin ich auf ‚Wireless‘, weil es sehr episch ist. Ich freue mich aber eigentlich auf jeden Song. Da wir im Oktober mit TYKETTO und CORELEONI auf Tour gehen, sehen wir vielen Begegnungen und persönlichen Rückmeldungen der Fans mit Spannung entgegen.
Tobias:
Bevor wir zum Schluss kommen: Haben wir mit unseren Fragen alles Wichtige rund um „Golden Absolution“, die neue Arbeitsweise im Studio, eure Songs und SERGEANT STEEL abgedeckt? Und was möchtest du den Fans von SERGEANT STEEL sowie den Leserinnen und Lesern von OBLIVEON zum Abschluss noch mit auf den Weg geben?
Phil Vanderkill:
Ja, das denke ich auf jeden Fall. Es macht eine Riesenfreude, so ausführliche Interviews geben zu dürfen. Die durchdachten Fragestellungen vermitteln Wertschätzung und Offenheit, und dafür habe ich mich hoffentlich mit interessanten Antworten revanchieren können.
Ich hoffe, die Leserinnen und Leser von OBLIVEON hatten eine gute Zeit beim Schmökern, und wir würden uns freuen, einige von ihnen im Live-Publikum, auf Social Media und Streaming-Plattformen als Follower begrüßen zu dürfen.

Tobias:
Vielen Dank für deine Zeit und das Interview! Ich wünsche euch viel Erfolg mit „Golden Absolution“, jede Menge Spaß auf der Bühne und natürlich weiterhin ordentlich Stahl und Rock aus Linz. Die letzten Worte gehören natürlich dir.
Phil Vanderkill:
Tobias Stahl mag Stahl aus Linz, Oberösterreich – finden wir gut! Mögen es ihm viele gleichtun.
Interview: Tobias Stahl
Photocredit: Jakob Aumayer

