ZORNHEYM – DESCENDING INTO MADNESS

ZORNHEYM

Titel: DESCENDING INTO MADNESS

Label: NOBLE DEMON

Spieldauer: 39:10 Minuten

VÖ: 02. Oktober 2026

ZORNHEYMs dritter Longplayer „Descending Into Madness“ dient als Prequel zur mysteriösen Story rund um die psychiatrische Anstalt „Zornheim“, ihre Bewohner und Ärzte und die bewegende Frage, wer hier denn nun die wirklich Verrückten sind, sowie musikalisch der Nachfolger zu den Alben “Where Hatred Dwells and Darkness Reigns“ (2017) und “The Zornheim Sleep Experiment“ (2021) sowie der akustischen EP “The Forgotten Inmates“ (2023).

ZORNHEYM ist das ambitionierte Projekt des schwedischen Bandgründers, Multi-Instrumentalisten und Songwriters Zorn (ex-Dark Funeral), der seine Vision und Interpretation des Konzepts einer Fusion von extremer Musik, epischen Erzählungen und visuellem Storytelling umsetzt. Dafür verbindet er cinematische Orchestrierungen und memorable Melodien mit vielfältigen Heavy und Melodic Death Metal Wurzeln und Einflüssen. Und ZORNHEYMs künstlerische Umsetzung endet nicht bei der Musik. Seine Alben werden von einem ausgereiften visuellen Konzept, Graphic Novels und packenden Musikvideos begleitet, die eher düsteren Kurzfilmen gleichen.

ZORNHEYM und Symphonic Extreme Fans werden die orchestrale Opulenz und die epischen Chöre sowie Tempo und Härte von `Deus Rex´, die spielerische Leichtigkeit und die zwingende Eingängigkeit von `Somewhere Far Beyond´ und die Wucht und Vielfältigkeit vom überlangen `Deep Below´ Epos lieben und doch fehlt mir hier und im Folgenden irgendetwas, ohne das ich es genau definieren könnte.

Die typischen Trademarks, die den Symphonic Black meets Melodic Death Sound ausmachen wie harsche Vocals, Growls, Blastbeats, Riffs, Chöre und Orchestrierungen sind vorhanden und werden zu sehr abwechslungsreichen Songs kombiniert. Und doch wurde der Härtegrad insgesamt ein wenig heruntergefahren und die konzeptionellen Aspekte gehen ein wenig zu Lasten der Griffigkeit und Eigenständigkeit der einzelnen Songs. Exemplarisch sei hier das an sich grandiose, aber aus zwei völlig verschiedenen musikalischen Teilen bestehende `Anneliese´ genannt, welches aber perfekt und dramatisch den schwankenden Zustand der schlafwandelnden Ehefrau des Protagonisten beschreibt.

Ein waschechtes Konzeptalbum also mit den damit verbundenen Vor- und Nachteilen sowie Stärken und Schwächen, aber auch jeder Menge Atmosphäre und Tiefe. Im eindringlichen `Gallow’s Oak´ findet Dr. Bettelheim seine Gattin schließlich leblos an der titelgebenden Galgen-Eiche, bevor der eindringliche `The Funeral March´ ertönt, der auch das berühmte Motiv von Frédéric Chopin (Piano Sonate Nr. 2) zitiert. `Descending´ ist ein weiterer eher programmatischer, cineastischer, wilder, stimmungsvoller Track mit packenden Chören, der aber kaum für sich allein stehen kann, ehe `Come Sweet Death´ das eingängige Finale bildet.

Aber all das ist Jammern auf extrem hohen Niveau, denn wir haben es hier dennoch mit einem ausgereiften, stimmigen, fesselnden Dreher mit einem wahrlich nicht alltäglichen, komplexen Soundmix und Ansatz zu tun. Aber am Ende des Tages hat der Vorgänger aufgrund der höheren `Hitdichte´ und der einen Tick besseren Balance zwischen Härte und Eingängigkeit die Nase vorn.

Hinweis: die beiden CD Bonustracks `The Foreboding´ und `None For All´ lagen für diese Rezension leider nicht vor und sind daher nicht in die Bewertung eingeflossen.

Michael Gaspar vergibt 8 von 10 Punkten