VEIL OF SECRETS – DEAD POETRY

VEIL OF SECRETS

Titel: DEAD POETRY

Label: CRIME RECORDS

Spieldauer: 48:24 Minuten

Doom Metal ist eines meiner Steckenpferde. Leider wird das Genre immer wieder durch pseudo-authentische Releases verwässert, die zu allem Überfluss im Underground mitunter auch noch großen Anklang finden. VEIL OF SECRETS dürften in selbigem alleine schon aufgrund des Namens Vibeke Stene (ex-Tristania) einen schweren Stand haben. Der Name Asgeir Mickelson (Borknagar, Vintersorg, Scariot, Testament, Spiral Architect…) hingegen dürfte bei Feinschmeckern für gespitzte Ohren sorgen – hier hat er nicht nur die Drums, sondern auch Gitarren und Bass im Alleingang eingespielt. Daher sollte man schon einmal genau hinhören, denn “Dead Poetry” ist ein absolut interessantes Debut im Spannungsfeld aus Power-, Epic- und gothischem My Dying Bride-Doom geworden (obwohl Mickelson betont, dass für ihn ausschließlich die ersten beiden Candlemass-Scheiben den Doomkosmos definiert haben).

Die Gitarrenarbeit fällt sofort ins Ohr, denn sie ist schlicht superb, ohne aufdringlich zu sein. Zudem sind die Sechssaiter wunderbar kraftvoll produziert. An Stenes ätherisch-feenhafte Vokal-Esoterik muss man sich tatsächlich erst einmal gewöhnen, wenn der Groschen jedoch fällt, versteht man, welches Soundkonzept den beiden vorschwebte. Ähnlich wie Anette Uvaas Guldbrandsens bei The Sabbathian konterkariert Stenes Stimme die kraftvollen Doomkaskaden Mickelsons, wobei es weniger um eingängige Hooks, als vielmehr um die Entwicklung von Stimmungen geht. In “Remorseful Heart” (da sind sie, die Candlemass-Riffs) darf dann auch erstmalig mal die Tür zum Friedhof geöffnet werden. Tatsächlich wünschte man sich mit fortschreitender Spieldauer, dass Stene ein wenig aus dem Schatten der Riffs herausträte und mehr eigene Akzente setzte, jedoch bietet “Dead Poetry” genügend überraschende Wendungen in Richtung Doom Death (etwa in “Bryd”) um die Aufmerksamkeit des Hörers zu fesseln.

Ergo sind es gerade jene Momente, da man sich in die Abgründe der frühen My Dying Bride wagt, die häufig nachhaltig zu überzeugen wissen (“Meson”). Insgesamt muss man VEIL OF SECRETS eine bereits recht reife Performance konstatieren – die beiden Protagonisten lassen vertraut klingende Sounds in neuem, wenn auch gedämpftem Licht erscheinen. Begeisterungsstürme rufen sie dabei noch nicht hervor, aber für eine knapp gute Benotung reicht es allemal. Bring it on!

Patrick Müller vergibt 7 von 10 Punkten