TVINNA – One In The Dark

TVINNA

Titel: One In The Dark

Label: By Norse Music

Spieldauer: 47:20 Minuten

Das Debüt der 2019 gegründeten Folk-(Metal)-Band TVINNA stellte für mich die genauso positive wie unverhoffte Überraschung der letzten Zeit dar, weshalb ich mich kurzfristig zu diesem Review entschloss. Tja, manchmal kann der Boss halt auch in Windeseile vom „Sklaventreiber“ (Anmerkung der Red.: Ja nee , ist klar …) zum Wunscherfüller mutieren. Die international besetzte Gruppe besteht aus Laura Fella (Faun), Fiona Rüggeberg (Ex-Faun), Fieke van den Hurk, Rafael Salzmann (Eluveitie, Gitarre und Bass) und Jasper Barengredt (Drums und Synthies) sowie als Gast Fabienne Erni (ebenfalls Eluveitie).

TVINNA erzeugen als starkes, federführend weiblich besetztes Kollektiv intensive, mitreißende Sounds in hypnotischen Klangwelten aus einer Kombination von elektronischem und/oder rockigem Unterbau kombiniert mit klarem Frauengesang. Dabei dienen die elektronischen Beats und moderaten Gitarrensounds größtenteils der Untermalung. Im Vordergrund steht bei der Mehrheit der neun Songs der mehrstimmige, oft kanon-artige Gesang der drei Protagonistinnen. Und das ist auch gut so! Paradebeispiele hierfür sind die Vorabsingle ‘The Gore‘ und das poppige ‘Partus’. Besonders stark und noch packender werden die Kompositionen allerdings dann, wenn von diesem gewohnten Schema abgewichen wird. Das fesselnde ‘Kreiz‘ sorgt mit von einer Obertonflöte gespielten Elementen für Gänsehaut. Das fast schon rockige ’12‘ stellt vorübergehend den Gitarren- und Drumsound in den Fokus, während im schnellen ‘Tides‘ die treibenden Elektrobeats dominieren. Dass die genannten Stücke allesamt zu den besonders starken Momenten des Albums gehören, zeigt zwar, dass in der Kombination all dieser Elemente und Stilmittel noch viel mehr möglich gewesen wäre. Anders formuliert lässt es für die Zukunft noch sehr viel mehr erwarten. Metal ist das alles nur sehr bedingt, ein wunderschönes Album zum Entspannen und Träumen ist es aber allemal geworden. Und zudem ein sehr gutes Debüt einer ambitionierten Truppe mit viel Entwicklungspotential. Fans der Hauptbands sollten jedenfalls mal ein Ohr riskieren, aber auch Liebhaber von Künstlern wie Wardruna und Myrkur, ja sogar poppigeren Acts wie Celtic Woman oder Enya könnten an den doch eher ruhigen Songs Gefallen finden.

Michael Gaspar vergibt 7,5 von 10 Punkten