TUNGSTEN – ASHES

TUNGSTEN

Titel: ASHES

Label: Perception (RPM)

Spieldauer: 39:41 Minuten

VÖ: 09. Oktober 2026

Schweden ist das Land der schönen Landschaften, Herrschaftsgebiet der Wikinger. Hier wurden Mythen geboren, Könige zogen in Schlachten, Heere fielen, Geschichten werden seit Hunderten von Jahren weitererzählt und ein moderner Weg dafür ist Heavy Metal – im Fall von TUNGSTEN ist es Power Metal. Die Kapelle um Mike Andersson (Vocals), Niklas „Nick“ Johansson (Guitars, Backing Vocals), Anders Johansson (Drums) und Karl „Kalle“ Johansson (Bass, Screams, Keyboards) gründete sich 2016 und mit dem Album „We Will Rise“ folgte 2019 ihre Debütlangrille. Gegründet wurde TUNGSTEN übrigens von Anders Johansson und seinen Söhnen Nick und Karl Johansson – Family Business könnte man also sagen. Eine Stimme fehlte natürlich und so holte man Mike Andersson an Bord und segelte los, direkt in die Herzen vieler Power-Metal-Fans. Über die Jahre veröffentlichte das Quartett „Tundra“, „Bliss“ und „The Grand Inferno“. Die Hand voll macht „Ashes“, das am 9. Oktober über Perception das Licht der Welt erblickt. Produziert wurde die Scheibe von Nick Johansson, der ebenfalls das Coverartwork entwarf.

Der Song ‚Joker‘ eröffnet „Ashes“ nach typischem TUNGSTEN-Rezept: Power, Groove, Melodie, eingängiger Refrain, nur die Jodeleinlagen sind für mich ein bisschen „komisch“ anzuhören.

Über ‚Joker‘ und das Gejodel sagt Gitarrist Nick Johansson:
„2015 bin ich zufällig über ein Video von Franzl Lang gestolpert. Ich war total beeindruckt, wie unfassbar gut er jodeln konnte, und hatte daraufhin eine kurze Franzl-Phase. Nicht lange danach stand ich an einem See mit perfektem Echo und habe selbst versucht zu jodeln. Es klang natürlich furchtbar, aber ich habe die Technik sofort verstanden. Seitdem jodle ich immer mal wieder zum Spaß, und irgendwie hat sich das über die Jahre ganz von selbst verbessert.“

Mit ‚Bite My Tongue‘ liefern die Schweden einen kritischen Song ab, der mit harschen Vocals gespickt ist und ein wenig wütender, aber dennoch knackig melodisch aus den Boxen kommt. Inhaltlich geht es darum, dass Menschen ihre Meinung zu den unterschiedlichsten Themen oft lautstark und ohne Zögern äußern, während es bei einer abweichenden Sichtweise manchmal besser ist, zu schweigen, um den Frieden zu wahren – was mitunter ziemlich frustrierend sein kann. Genau dieses Spannungsfeld transportiert der als Single veröffentlichte Vorab-Track ziemlich passend.

Mit ‚Fuego Del Sol‘ wurde im August ein echter Partybanger auf die Metalwelt losgelassen – passend zu einer Zeit, in der das Wetter ebenfalls ziemlich Fuego war. Teile des Songs sind auf Spanisch gehalten, was laut Band einfach perfekt zur gewünschten Atmosphäre passt. Der Track kommt rhythmischer und wärmer als gewohnt daher und bringt damit einen Hauch spanisches Lebensgefühl in den ansonsten eher nordisch geprägten Sound von TUNGSTEN. Sänger Mike Andersson erklärt den Einfluss auch ganz pragmatisch: Seine Frau ist Spanierin, wodurch diese musikalische Färbung ganz natürlich entstanden ist. Gerade weil die Band aus Nordeuropa kommt und diese Atmosphäre für sie etwas völlig anderes darstellt, habe sie sich von ihr angezogen gefühlt. Und so dürfte der Song auch im schwedischen Winter noch für ordentlich schwitzende Metalheads sorgen – ARRIBA! Tanzbar und groovy geht es in ‚Supernova‘ weiter. Durch den Ruf eines Vogels, der besonders im Süden Deutschlands vorkommt und dort Uhren bewohnt, hat die Nummer einen riesengroßen Wiedererkennungswert. Mehr „echten“ Power Metal mit fetzigen Gitarren, Headbanger-Momenten, Ecken und Kanten haben TUNGSTEN in die DNA von ‚Happy‘ und ‚Ted The Exorcist‘ gepackt.

Über ‚Sunshine Of Fall‘ sagt Frontmann Mike Andersson:
„Es ist einer meiner Lieblingssongs auf dem Album. Die Melodien haben sich schnell und ganz natürlich ergeben. Der Song ist etwas leichter als einige der anderen Stücke, entwickelt sich aber zu einem starken Refrain.“

Mein Highlight ist die Abrissbirne ‚The North Will Rise‘, denn die Wucht dieses Liedes trifft mich wie ein winterlicher Riffsturm, dessen Macht von Skandinavien bis nach Deutschland schwappt. Die Hymne an den Norden bekommt durch den Gastauftritt von Tony Kakko noch einmal ordentlich Schub, wobei sich seine Stimme und die von Mike Andersson laut Band perfekt ergänzen (ISSO! Anm. d. Autors). Inhaltlich geht es um die Verbundenheit mit dem Norden – und genau dieses Gefühl transportiert der Track für mich mit jeder Menge Druck und verdammt eingängigen Melodien. ‚For Thee‘ dürfte live knallen und die Menge in Bewegung bringen – ein schönes Lied über die Gemeinschaft und den Zusammenhalt. Langes Haar freut sich über Flugstunden, während ‚Ruin‘ in den Ohren klingt und ‚The Forge‘ mit reichlich Feuer und Stahl den Deckel auf Album #5 aus der TUNGSTEN-Riffschmiede schmiedet.

„Ashes“ zeigt, was aus dem schwedischen Family Business TUNGSTEN geworden ist: gutklassiger Power Metal mit Druck, Groove und Melodie, aber eben auch mit den ungewöhnlichen Zutaten wie Jodeleinlagen und Kuckucksuhr. Mit ‚The North Will Rise‘ gibt’s zudem eine Abrissbirne, die bei mir besonders einschlägt und den nordischen Spirit der Scheibe perfekt auf den Punkt bringt. Die Schweden schicken euch mit „Ashes“ auf eine unterhaltsame Power-Metal-Klassenfahrt mit vielen Headbanging- und Mitsinggelegenheiten!

Tobi Stahl vergibt 8 von 10 Punkten