TRAITOR – TEUTONIC SLAUGHTER

TRAITOR

Titel: TEUTONIC SLAUGHTER (LIVE)

Label: Independent

Spieldauer: 38:47 Minuten

VÖ: 22. September 2023

Vor 35 Jahren, zu Zeiten der Pubertät, habe ich recht viel Thrash Metal gehört. Damals noch in der DDR hatte ich eine Reihe Kassetten, die eigentlich rund um die Uhr dudelten. Anthrax, Metallica aber auch Sodom oder Carnivore standen auf dem Speiseplan. Im Laufe der Jahre habe ich mich eher Richtung melodischen Sachen entwickelt. Erst seit zwei oder drei Jährchen höre ich wieder öfter so Grobian-Musik. Aber heute ist es so, von Konserve finde ich vieles auf Dauer anstrengend. Zu wenig melodisch, zu grob. Selbst Scheiben und Bands, die mich wirklich überzeugen, zuletzt etwa The Prophecy 23 oder die hier zu behandelnden TRAITOR, schaffe ich oft nicht im Dauerfeuer. An der Livefront sieht das anders aus. Da lasse ich mir gerne mal akustisch gepflegt die Kauleisten massieren. Die Balinger Thrasher TRAITOR durfte ich beispielsweise auf dem diesjährigen No Playback erleben. Dass die mir große Freude gemacht haben, muss ich jetzt wohl nicht weiter ausführen.

Darum aber macht mir dieses Teil besonders Freude. ´Teutonic Slaughter´ wurde mitgeschnitten beim letztjährigen Schlichtenfest. Das findet bei Ottobeuren statt. Diesen Ort im Unterallgäu verbinde ich eher mit der Benediktinerabtei, einem Höhepunkt barocker Baukunst. Aber dort gibt es eben auch dies Festival. 2022 standen also TRAITOR auf dem Programm. Ein Blick sagt mir, dass das sogar die gemäßigtste Truppe des Billings war.

Genug der Vorrede. Hin zum Werk. Was nach dem stilvollen Cover zuerst auffällt, ist der glasklare Sound. Noch eine Eigenart meinerseits, während ich es liebe, auf Konzerten abzufeiern, mag ich nur selten Livealben. Zu oft gefällt mir das Klangbild nicht. Ich finde es undifferenziert, matschig, ungewohnt. Hier aber hat der Mischer einen starken Job abgeliefert. Jeder Beteiligte ist gut zu hören. Die einzige auffällige Schwankung hört man, wenn der trommelnde Sänger Andreas Mozer weiter weg vom Mikro ist. Ihm gebührt sowieso Ehre, singende Drummer sind gar selten. Und das ist sicher auch kein leichter Job. Trotz des klaren und differenzierten Klangs wurde geschafft, die Liveathmosphäre einzufangen. Es geht schon recht roh und ungezügelt auf die Zwölf.

Ein weiterer Pluspunkt ist die grandiose Setlist. Hier stehen „olle Kamellen“ neben den neuesten Errungenschaften. Klaro, TRAITOR sind Fraktion Gaspedal. Aber sie sorgen für Abwechslung, bringen immer ein paar Melodien mit. Und so haut es rein, das „Thrash Command“. Es infiziert mit „Ebola“ und entfesselt den „Teutonic Storm“. Und natürlich ist ihr Filmsoundtrack „Total Thrash“ auch vertreten.

TRAITOR gehören zu den Thrash Bands, die ich live abfeiern kann. Und auch dies Livedokument findet einen Platz in meinem Heim. Wie es bei jedem qualitätsbewußten Fan teutonischen Krawalls einen Platz finden sollte.

Mario Wolski vergibt keine Bewertung