THE ETERNAL – OBSCURED HORIZONS

THE ETERNAL

Titel: OBSCURED HORIZONS

Label: Reigning Phoenix Music

Spieldauer: 47:02 Minuten

VÖ: 18. September 2026

THE ETERNAL wurden 2003 in Melbourne, Australien, gegründet und haben seitdem einige Veränderungen in der Besetzung durchgemacht. Zum ersten Line-up gehörten Mark Kelson am Gesang und an der Gitarre, James Hunt am Bass, Ryan Buesnel am Schlagzeug, Chris Burton an der zweiten Gitarre sowie Chris Stevenson an Keyboards und Programming. Über die Jahre kamen und gingen verschiedene Musiker, während Mark Kelson als prägende Konstante der Band erhalten blieb. Heute ist THE ETERNAL international aufgestellt und verteilt sich auf Melbourne und Helsinki. Die Diskografie der Australier startet 2004 mit „The Sombre Light of Isolation“, gefolgt von „Sleep of Reason“ (2005), „Kartika“ (2009), „Under a New Sun“ (2011), „When the Circle of Light Begins to Fade“ (2013), „Waiting for the Endless Dawn“ (2018) und „Skinwalker“ (2024). Im Januar 2026 erschien mit „Celestial“ zudem eine begleitende EP. Nun steht mit „Obscured Horizons“ das achte Full-Length-Album vor der Tür. Produziert und gemischt wurde die neue Scheibe von Jan Rechberger und Mark Kelson, das Mastering übernahm Joseph Carra. Für das Cover-Artwork zeichnet Kate Roney verantwortlich, die Fotografien stammen von AJ Savolainen.

Musikalisch bewegen sich THE ETERNAL zwischen dunklem, melancholischem und emotionalem Metal, Doom und progressiven Einflüssen. Nach „Skinwalker“ und „Celestial“ soll „Obscured Horizons“ laut Promo noch einmal weiter in die Tiefe gehen und sich mit Desillusionierung, zerbrochener Identität, Erinnerung, Täuschung und der Suche nach Klarheit beschäftigen. Neun Songs und 47:02 Minuten stehen auf dem Programm und sollen zwischen Doom-Schwere, progressiven Strukturen und melancholischen Melodien eine ebenso intime wie monumentale Atmosphäre schaffen. AMORPHIS finde ich schon lange richtig stark, und mit Jan Rechberger und Niclas Etelävuori sitzen gleich zwei Musiker mit AMORPHIS-Vergangenheit im aktuellen THE-ETERNAL-Line-up. Für mich ist „Obscured Horizons“ trotzdem der erste Kontakt mit THE ETERNAL, seit ich über Musik schreibe. Umso gespannter bin ich also darauf, was mir die Australier und Finnen mit ihrem mittlerweile achten Studioalbum servieren.

‚Lament For The Hollow‘ eröffnet „Obscured Horizons“ kraftvoll und tiefgängig zugleich. Das Lied wurde im Vorfeld als Single ausgekoppelt. Mark Kelson sagt:

„‚Lament For The Hollow‘ entspringt dem Moment, in dem man sich damit konfrontiert sieht, dass alles, was man für stabil gehalten hat, die eigene Identität, die eigene Richtung, zu zerbrechen beginnt. Ich habe mich mit der Idee beschäftigt, Illusionen abzulegen, die Stimmen und Einflüsse um einen herum zu erkennen, die weder echt noch ehrlich sind, und die Stärke zu finden, sich von ihnen zu lösen. Die Zeit ist der ultimative Wahrheitsbringer, letztlich wird alles Falsche fortgespült, ob man bereit dafür ist oder nicht. Die wiederkehrende Bildsprache von Wellen und Auslöschung steht für diese reinigende Kraft, aber sie ist nicht sanft, sie ist zerstörerisch, beinahe gewaltsam. ‚Lament For The Hollow‘ handelt davon, sich Angst, Selbstzweifeln und Verrat zu stellen, und davon, was geschieht, wenn Menschen zulassen, dass sie von Leere vereinnahmt oder in die Irre geführt werden. Es ist sowohl eine Warnung als auch eine Form der Katharsis. In gewisser Weise ist ‚Lament For The Hollow‘ eine Hymne für all jene, die desillusioniert, enttäuscht und entfremdet sind.‘“

Mehr braucht es nicht als diese Aussage des Sängers und Gitarristen – musikalisch gefühlvoll und dramatisch unterlegt ist die Nummer der perfekte Opener für „Obscured Horizons“. ‚Existing To Expire‘ ist flotter und treibender als der erste Song, aber nicht weniger nachdenklich. Im Lied geht es um Lügen, Verlust und das Gefühl, nur noch zu existieren, statt wirklich zu leben. Gleichzeitig geht es um den Bruch mit der Vergangenheit, alte Erinnerungen und den Kampf darum, sich selbst und das Verlorene zurückzuholen. Bereits diese ersten beiden Lieder enthalten einiges an nordischer Melancholie, gleichzeitig umschmeicheln die tollen Melodien den Hörer und die Hörerin auf eine besondere Art und Weise, die das Gehörte fühlbar macht. Ein paar AMORPHIS-Vibes bekommt man in ‚Colours Fade‘. Der ruhigen Anfangsphase folgen tolle Gitarrenlinien, verspielte Soundelemente bringen Abwechslung in ein Lied, das seine Arme ausbreitet, um jenen Hörer aufzufangen, der es möchte. Wenn man während ‚Harmony Breaks‘ die derzeitigen Wetterveränderungen beobachtet – vom heißen Sommer zu herbstlicheren Einflüssen – könnte man Parallelen finden. Überwiegend herrlich stimmungsvoll wie eine Szenerie eines Herbstwaldes, mit kleinem Aufbäumen des sommerlichen Feuers – das beschreibt das Lied und auch ein bisschen den Namen des Titels. Gothic-Prog nach melancholischer Art des Hauses servieren THE ETERNAL in ‚I’ve Seen The Dream‘ und kratzen mit ‚Liminality‘ an der Sieben-Minuten-Marke. Titeltrack ist natürlich ‚Obscured Horizons‘ und mein bisheriges Highlight, denn THE ETERNAL holen die Wucht in ihren Sound zurück, halten die Qualität hoch und sind nicht allzu soft unterwegs – was auch auf ‚Yesterday’s Gone‘ und das finale Stück ‚Awaken‘ zutrifft.

„Obscured Horizons“ ist für Genrefans und Freunde doomiger Schwere, nordischer Melancholie, düsterer Atmosphäre und proggy Vibes ein einziges Highlight. THE ETERNAL liefern technisch auf ganzer Linie ab, hier gibt es absolut nichts zu mäkeln. Rein subjektiv hätte ich mir an manchen Stellen allerdings etwas mehr Druck und dafür weniger verträumte Passagen gewünscht. Genau diese Mischung aus melancholischer Tiefe, progressiven Elementen und Doom-Schwere macht das Album aber zu einer besonderen Reise, auf die man sich einlassen sollte.

Tobi Stahl vergibt 8 von 10 Punkten