STORMKEEP – THE NOCTURNES OF ISWYLM

STORMKEEP

Titel: THE NOCTURNES OF ISWYLM

Label: VESPERIAN

Spieldauer: 44:45 Minuten

VÖ: 12. Juni 2026

Keine Frage, die aus Denver stammenden Melodic Black Metaller von STORMKEEP haben sich mit ihrer Debüt EP Galdrum und ihrem ersten Longplayer Tales of Othertime definitiv einen verdienten Namen gemacht. Spielend leicht gelang es ihnen den mit Dungeon Synths gespickten Sound so zu gestalten, dass man nicht ständig das Gefühl verkitschter Black Metal Romantik bei gleichzeitigem Schielen auf den kommerziellen Erfolg zu unterliegen. Sie konnten sich stets die Fratze des alles zerfetzenden und hässlichen Black Metals erhalten. Ob ihnen das auf ihrem neuen Album „The Nocturnes of Iswylm“ auch gelingt wollen wir hier besprechen. Vorab noch die Anmerkung, dass die Scheibe nicht mehr bei Ván Records erscheint, sondern bei dem offenbar frischen Berliner Label Vesperian.

Sphärische Streicher leiten den Eröffnungstrack ‚The Taste of Immortal Blood‘ ein. Die danach einsetzenden Drums und Gitarren klingen regelrecht trocken und dämpfen die befürchtete orchestrale Opulenz. Schnell gehen STORMKEEP auf ihre symphonische Reise. Im Galopp nehmen sie Fahrt auf. Die durchaus als heroisch zu bezeichnenden Epik wird durch durchdachte Arrangements und mit den Einsatz von Klargesangpassagen Rechnung getragen. Stellenweise springen mir sogar alte Blind Guardian Großtaten als Vergleich  in den Kopf. Ich weiß, klingt komisch. Aber fiese Blastpassagen können die Jungs aus Colorado immer noch. Das zeigt sich insbesondere im zweiten Track ‚The Black Dragons of Iswylm‘, der doch eine Spur schärfer daherkommt ohne die notwendige Theatralik zu vergessen, die sich auch in den Soli oder einigen Klaviereinsätzen deutlich zeigt. STORMKEEP schaffen unverblümte Wechsel zwischen warmen Epikpassagen und eiskaltem Gehacke. Äußerst gelungen – gerade in diesem Song.

Das Spektrum des Albums bleibt aber noch etwas weiter zu betrachten. Verblüffend erinnern mich STORMKEEP ein uns andere Mal gerade bei den verspielteren Passagen an die großen norwegischen Avantgarde Black Metaller von Arcturus und im besonderen deren Schaffen auf La Masquerade Infernale oder The Sham Mirrors. Das soll nicht als Vorwurf klingen sondern der Versuch das Klangspektrum von STORMKEEP zu fassen. Atmosphäre bestimmt den Sound, die Symphonik ist das Hilfsmittel dazu – und das ist klingt wirklich gelungen. Und ein Song wie beispielsweise ‚Carnal Tapestries of Nailtorn Flesh‘ unterstreicht das ganze umso mehr. Und der Abschluss in ‚Ballad of a Fallen Star‘ versteht sich als konzise und grandiose Werkschau der Band, in der alle Facetten des STORMKEEPschen Sounds und Songwritings nochmals eindrucksvoll präsentiert werden. Insbesondere das Schlagzeug thront etwas in den Vordergrund gemischt, was der Platte den nötigen Druck und Drive verleiht. Chapeau!

STORMKEEP ist unterm Strich wieder eine große Scheibe gelungen. Die Gefahr, mit den bislang gezeigten Qualitäten zu enttäuschen ist nicht gerade gering. Dem haben sich die Jungs aus Denver mit inspiriertem aber jederzeit eigenständigem Material entgegengestellt. Natürlich ist das kein easy listening Scheibchen geworden sondern komplexer und ausgewachsener Black Metal mit Symphonic Charakter. 

Ingo Holzhäuser vergibt 9 von 10 Punkten