SPACE CHASER – RAZORBLADE BAY

SPACE CHASER

Titel: RAZORBLADE BAY

Label: Testimony Records

Spieldauer: 32 Minuten

VÖ: 11. September 2026

2011 in Berlin gegründet, hat sich die Thrash-Kapelle SPACE CHASER während der letzten Dekade einen Namen gemacht und das über den Underground hinaus. Nach ihrem Debüt „Watch the Skies!“ (2014) und dem Zweitwerk „Dead Sun Rising“ (2016) wechselten sie zu Metal Blade, wo sie „Give Us Life“ (2021), ihr drittes Studioalbum, veröffentlichten. Diese dritte Langrille brachte sie auf Platz 24 der deutschen Albumcharts und katapultierte sie aufs Wacken Open Air, zum Summer Breeze und zum Party.San, was wichtige Meilensteine in der Bandgeschichte markierte. Nach dem Ausstieg von Frontmann Siegfried Rudzynski im Jahr 2023 übernahm Gitarrist Leo Schacht zusätzlich den Gesang und führt SPACE CHASER seitdem gemeinsam mit Leadgitarrist Martin Hochsattel, Bassist Sebastian Kerlikowski und Schlagzeuger Matthias Scheuerer in neuer Besetzung weiter. Jetzt legen die Speed/Thrasher mit „Razorblade Bay“ das vierte Studioalbum vor und das erscheint über das immer weiter aufstrebende Label Testimony Records. Aufgenommen, gemischt und gemastert wurde „Razorblade Bay“ von Jan Oberg im Hidden Planet Studio in Berlin, während Andy Brings (ehemals SODOM) als Co-Produzent an der Entstehung beteiligt war und auf ‚8 Minutes‘ zudem einen Gastauftritt als Sänger absolviert. Das Cover-Artwork stammt von Mario E. López, das Layout übernahm Johnny Doe. Während SPACE CHASER dem Thrash Metal treu bleiben – so viel darf verraten werden – und Einflüsse aus Speed Metal und Punk in ihren Sound zimmern, stehen thematisch Science-Fiction und Horror im Zentrum der zehn neuen Songs. Ich bin gespannt, wie SPACE CHASER nach fünf Jahren ohne neue Platte einschlagen und ob man den eingeschlagenen Weg fortsetzt.

Schon Bruchteile nach Beginn des Openers und Titeltracks ‚Razorblade Bay‘ fegen SPACE CHASER wie eine Thrash-Gewitterfront durch die Gehörgänge und knallen dem Hörer die Ansage „No Return to Razorblade Bay“ entgegen – Auftakt nach Maß! Gleichzeitig ist schnell klar, dass mit Leo Schacht am Mikrofon ein neues Kapitel aufgeschlagen wird. Nichts verstecken, kein Bullshit, einfach direkt nach vorne – genau so beschreibt die Band selbst den Ansatz hinter dem Opener. Freudig weitergeshreddet wird im Mosher ‚Mind Melting Machine‘, der on top mit geilen Gitarrensoli bockt! Schon beim Titeltrack gab es eine kurze Spoken-Word-Passage, die auch ‚We Are The Night‘ vorangestellt ist. Diese kleinen atmosphärischen Farbtupfer lockern das ansonsten kompromisslose Geballer etwas auf und sorgen für Kontraste, ohne den Druck aus dem Sound zu nehmen. Der Song fegt mit den bisher gehörten Trademarks flott durch die Bude und hält obendrein coole Gangshouts zum Mitgrölen parat. Nach dem Headbanger ‚No Gods, No Dawn‘ ist ‚8 Minutes‘ gemeinsam mit Andy Brings die nächste druckbetankte Abrissbirne mit brutal schnellem Drumming und rasantem Gesang. Dass Andy hier als Gastsänger auftaucht, war übrigens gar nicht von langer Hand geplant, sondern entstand spontan im Studio. Überhaupt hat Brings bei „Razorblade Bay“ ordentlich mitgemischt und die Berliner bereits Ende 2025 in einer gemeinsamen Songwriting-Session dazu gebracht, sämtliche Songs noch einmal auf den Prüfstand zu stellen. Das Ergebnis kann sich hören lassen. ‚We Bow To None‘, ‚Blade Serpents‘ und ‚Even The Score‘ geben weiter Kohle ins Metal-Feuer der Hauptstädter, die mit meinem Highlight-Track ‚The Coffin‘ und dem kompakten, 128 Sekunden langen Finale ‚Razorblade Bay (Reprise)‘ den Hörer weiter gegen die Wand drücken und ihr viertes Album beenden, das einen deftig guten Eindruck hinterlässt!

Dabei ist es gerade die kompakte Spielzeit, die „Razorblade Bay“ richtig guttut. Gut 32 Minuten reichen SPACE CHASER völlig aus, um zehn Songs durch die Boxen zu jagen, ohne auch nur eine Sekunde unnötig in die Länge zu ziehen. Kein Riff wird dreimal zu oft wiederholt, kein Song künstlich aufgeblasen – lieber kurz, knackig und mit Vollgas auf die Zwölf. Genau das passt zum Sound der Berliner und macht die Platte zu einem Album, das man direkt noch einmal startet um es noch lauter durchzuballern. „Razorblade Bay“ ist ein gutklassiges Thrash-Speed-Feuerwerk, das über die gesamte Strecke von 32 Minuten absolut Bock macht. Kernige Riffs, knackige Gitarrensoli, brachiales Drumming und jede Menge Spielfreude treiben die Platte kompromisslos nach vorne. Gleichzeitig zeigen die kleinen Spoken-Word-Passagen und die Mischung aus Thrash, Speed Metal, Punk und Rock’n’Roll, dass SPACE CHASER ihren Sound nicht einfach nur verwalten, sondern weiterentwickeln. Mit Leo Schacht am Mikrofon ist das neue Kapitel definitiv gelungen, und „Razorblade Bay“ klingt wie ein Neustart, ohne die Wurzeln der Berliner zu kappen. Underground-Geballer, das Kuttenträger und Rohmucke-Jünger nicht verpassen sollten. Und wenn ‚The Coffin‘, ‚8 Minutes‘ oder ‚No Gods, No Dawn‘ live genauso einschlagen wie auf Konserve, dürfte vor der Bühne künftig ordentlich Bewegung herrschen.

Tobi Stahl vergibt 8 von 10 Punkten