SOULBOUND
Titel: SYN
Label: Metalville
Spieldauer: 39:31 Minuten
VÖ: 16. Januar 2026
SOULBOUND – die etwas andere Band. Ich habe mir die Truppe und ihre Homepage mal genauer angeschaut und hier für euch zusammengefasst, was im Menü “Über uns” steht – was die einzelnen Mitglieder ausmacht und was die Industrial- und Gothic-Metal-Truppe sonst so treibt. Wer noch mehr wissen möchte, wird hier fündig: https://www.soulbound.de/
SOULBOUND sind so eine Band, bei der es eben nicht nur um Musik geht. Sänger Johnny zum Beispiel ist bekennender Windows-Hasser und Publikumsmagnet in einem. Egal ob auf der Bühne oder auf Twitch – er will Leute bewegen, zum Lachen bringen, berühren oder einfach zusammen ausflippen. Bassist Jonas ist mehr oder weniger zufällig am Bass gelandet. Ausprobiert, hängengeblieben – und das bei SOULBOUND, wo er sich wohlfühlt. Pät, liebevoll “The Maschine” genannt, baut bei SOULBOUND die elektronischen Klangwelten zusammen. Synthesizer sind sein Element, und wenn er nicht gerade dystopische Sounds programmiert, filmt oder produziert er Musikvideos. Der Mann ist im Prinzip ein komplettes Kreativpaket. Drummer Mario ist Memelord, Cateringvernichter und seit frühester Kindheit Schlagzeuger. Sein Lachen ist fast so laut wie sein Instrument – und damit hält er nicht nur den Rhythmus, sondern auch die Stimmung oben. Und dann wäre da noch Felix, der Gitarrist, der irgendwie immer eine Gitarre in der Hand hat – egal wessen. Wo Felix ist, ist Musik. Und ein bisschen Chaos. Johnny regelmäßig zur Weißglut zu treiben, gehört bei ihm offenbar zum guten Ton.
Diese kurzen Selbstbeschreibungen wirken extrem sympathisch. Man bekommt ein Gefühl dafür, wie locker, bodenständig und humorvoll die Band ist. Das macht neugierig und Bock auf mehr. Dieses “Mehr” gibt’s auf YouTube. Dort zeigen SOULBOUND, wie es hinter den Kulissen aussieht: Musikvideos, Tour-Vlogs, Studioeinblicke und jede Menge Momente, die beweisen, wie viel Humor und Herz in dieser Band steckt. Auf Twitch ist man ebenfalls aktiv – alles begann, als die echten Bühnen still wurden. Die bisherige Diskografie von SOULBOUND reicht von ihrem Debüt “Towards the Sun” aus dem Jahr 2012 (Deafground Records) über das 2016 veröffentlichte “Myllennium” (Timezone) bis hin zu “Addicted to Hell” von 2020, das bereits bei Metalville erschien. Ihr bislang neuestes Werk ist “obsYdian” aus dem Jahr 2024, ebenfalls veröffentlicht über Metalville. “obsYdian” wird jedoch am 16. Januar vom neuen “neuesten” Album abgelöst, das auf den Namen “sYn” getauft wurde.
Mit der “sYn” (sYnners Collector’s Edition) liefern SOULBOUND nicht nur ein besonderes Sammlerstück, sondern auch ein beeindruckendes Statement. Die Box enthält neben dem Digipack des Albums “sYn” zahlreiche Extras wie einen sYn-Pin, Autogrammkarte, A3-Poster, Magazin zum Making-of, Magnet, Sticker und ein hochwertiges Lesezeichen. Herzstück der Edition ist jedoch der handbemalte Thron, gefertigt von der Lebenshilfe Thüringen in der Kreativwerkstatt Meiningen – jeder einzelne entsteht dort mit Sorgfalt, Kreativität und handwerklichem Können von Menschen mit Behinderung. Es werden 5 € pro verkaufter Box direkt an die Einrichtung gespendet, um deren wichtige Arbeit nachhaltig zu fördern.
Ich muss ehrlich sagen: Ich finde es gigantisch, wie SOULBOUND hier Inklusion (vor)lebt und Menschen mit Behinderungen aktiv einbezieht. Beim Lesen darüber hatte ich tatsächlich Gänsehaut – im positiven Sinne. Ein starkes Zeichen für kreative Teilhabe und gelebte Haltung.
“sYn”, das fünfte Studioalbum, soll SOULBOUNDs kompromisslosestes Werk werden, mit dem die Melodic-Industrial-Metal-Band einen düsteren, direkten Ton anschlagen will. Dann checken wir das mal und beginnen mit … ‘Abaddon’, dem Intro von “sYn”, das instrumental gehalten ist und im Verlauf der 87 Sekunden intensiver, aufgeladener wird, um im Titelsong ‘sYn’ zu münden, der aus elektronischer Mucke, fetten Bässen, einem Mix aus etwas dunkleren und klaren Vocals besteht und Gitarren aufblitzen lässt. Mit einer Ecke mehr Wucht kommt ‘No Kings For Me’ aus den Boxen, und SOULBOUND treffen mit der Nummer auch meinen Nerv – ein sehr starker Mix aus Dunkelheit und treibenden Grooves. Weiter geht es mit der Singleauskopplung ‘Cutting Diamonds’, die etwas ruhiger geraten ist, aber dennoch typisch SOULBOUND, die hier ihre melancholische Seite zeigen. Die Rockballade dreht sich um Nähe und Verlust. Ein Bassbombardement gibt’s zum Start des wütenden ‘sYnfluencer’ – eine verdammt geile Nummer, die zwischen Geballer und ruhigen Momenten wechselt. Moderner, klangvoller und positiver klingt ‘Chaos & Amen’, bei dem man ob temporeicher Passagen durchaus gepflegt eskalieren darf. Fast die komplette Spielzeit ist ‘Dark Throne’ ruhig, kurz vor Schluss drehen SOULBOUND am Schwungrad und hauen euch druckvollen Metal um die Ohren. So elektronisch, wie sich der Name des nächsten Songs anhört, ist er auch: ‘Neon Battlefield’, zumindest bis ein geiles Gitarrensolo einsetzt. Nach einem im Vergleich eher ruhigeren ‘Sacred Skin’ ist ‘Not Metal Enough’ wieder knackiger, den Abschluss machen ‘sYnners Crown’ und der Bonustrack ‘If U Seek Amy’, im Original von Britney Spears.
Mit “sYn” liefern SOULBOUND ein flottes, modernes und absolut zeitgemäßes Album ab, das vor allem durch seinen gelungenen Mix aus druckvollen Metal-Passagen und elektronischer Mucke punktet. Die Songs gehen gut ins Ohr, sind eingängig und lassen sich gut anhören, dank der klasse Stimme, die da aus den Boxen kommt. Textlich zeigen sich SOULBOUND intelligent und thematisch vielseitig. Auf der anderen Seite ist mir das Ganze stellenweise etwas zu elektronisch und zu verspielt geraten – hier und da hätte ich mir mehr Drumgeballer und fette Gitarren gewünscht. Unterm Strich ein starkes Album mit klarer Handschrift, das nicht alles, aber vieles richtig macht.
Tobi Stahl vergibt 8 von 10 Punkten


