SODOM
Titel: GET WHAT YOU DESERVE (RE-RELEASE)
Label: BMG
Spieldauer: 106:33 Minuten
VÖ: 27. Februar 2026
1993/94 stand die Metal Welt vor einem Umbruch. Thrash, wie er einige Jahre zuvor noch das „große, neue Ding“ war, kam langsam, aber sicher erstmalig wieder aus der Mode. Die Bands der frühen Stunde machten sich auf zu neuen Ufern, während andere Acts mit runderneuertem Sound wie Pantera und Machine Head das nächste große Ding waren. Doch SODOM blieben schon damals stur ihrer Linie treu und zeigten dem Business den kohleverstaubten Mittelfinger.
Veröffentlicht im Januar 1994, hauten die Gelsenkirchener mit „Get What You Deserve“ ihr sechstes Studioalbum heraus, welches schon beim Titeltrack in der ersten halben Sekunde zeigt, wo der Weg hinführt. Das erste ohne den kurz zuvor gefeuerten Chris Witchhunter (R.I.P. 2008), der durch den ehemaligen Violent Force Drummer Atomic Steif (R.I.P. 2025) ersetzt wurde, wollte ein Statement setzen. Sechzehn punkige Thrash Hassbatzen in einer knappen dreiviertel Stunde – inklusive einem räudigen Venom Cover (´Angel Dust´) – ließen Tom und seine beiden Sidekicks damals auf die Menschheit los. Bis heute schaffen es einzelne Tracks, allen voran ´Die stumme Ursel´ und ´Sodomized´, immer wieder in die Setlist. Mit ´Erwachet´ gab es erstmalig noch einen zweiten deutschsprachigen Song auf einem SODOM Album, der quasi als Fortsetzung von ´Wachturm´ gesehen werden kann. „Get What You Deserve“ wurde neben dem regulären Remix von Ex-Gitarrist Andy Brings nochmals persönlich neu aufs Minimum heruntergebrochen und gemischt und findet sich separat als „Blitzkrieg Remix“ wieder auf der Neuaufmachung. Erstmals kommt neben dem kultigen „Hotelzimmer Cover“, das schon damals wegen seiner Anrüchigkeit gekickt wurde, auch das von Andreas Marschall (u.a. Running Wild, Blind Guardian, Kreator, Obituary) gezeichnete Cover mit dem Bandmaskottchen „Knarrenheinz“ zum Zuge; in den 90ern ebenfalls wegen „Gewaltverherrlichung“ verworfen. Am Ende prangte ein einfaches Bandfoto auf schwarzem Hintergrund bei Release 1994 die Covers.
Der Reissue kommt in den verschiedensten Varianten; vom einfachen Doppel-Vinyl mit beiden Mixen, über eine 3-CD-Variante mit beiden Versionen des Albums und der „Aber bitte mit Sahne!“-EP (ebenfalls in zweifacher Ausfertigung als Brings-Mix und normales Remaster) bis hin zum heiligen Gral für Sodomaniacs. Das Box Set (siehe Foto) enthält neben Vinylvarianten der Dreier-CD-Version obendrauf noch eine Doppel-LP mit einem bisher unveröffentlichten Livemitschmitt, der im Juli 1993 im mittelhessischen Frischborn/Traunreuth aufgenommen wurde und damals für Atomic Steif der erste Auftritt mit SODOM bedeutete. Außerdem liegt hier noch eine DVD mit zwei Liveshows (Frischborn und Niederlande August ‘93), ein Poster und ein fettes Buch in Vinylgröße bei, worin sich auch viele Fotos der „Christmas Metal Meeting“ Tournee vom Dezember 1993 zusammen mit Motörhead, Kreator und Entombed wiederfinden.
Für was auch immer ihr Euch entscheidet; es lohnt sich, diesen übersehenen Metalpunk Bastard und heimlichen Bandklassiker in einem tollen Format noch einmal Revue passieren zu lassen. Für jeden SODOM Fan ohnehin Kaufpflicht, auch wenn die „Penner mein kostbares Geld verschwendet haben“ (O-Ton des SPV-Chefs Manfred Schütz im Herbst 1993, R.I.P. 2025).
SO! und nicht anders gehört sich ein ordentlicher Re-Release!

Marius Gindra vergibt keine Bewertung


