SMOULDER
Titel: WITCH WIFE IN AN ALIEN WORLD
Label: Cruz Del Sur Music
Spieldauer: 42:59 Minuten
VÖ: 09. Oktober 2026
SMOULDER haben seit „Times of Obscene Evil and Wild Daring“ bereits zwei weitere Platten rausgehauen. 2020 ließen die US/CAN Metaller „Dream Quest Ends“ von der Kette. Erst 2023 mit „Violent Creed of Vengeance“ lernte ich die Band kennen und fand den Sound interessant. Nun steht mit „Witch Wife In An Alien World“ das nächste Kapitel auf dem Programm. Sarah Ann steht am Mikrofon, Collin Wolf und Shon Vincent bedienen die Gitarren, Adam Blake den Bass und Kevin Hester die Drums. Musikalisch wollen SMOULDER ihren Epic Power Doom Metal erneut erweitern. Neben den bisherigen Einflüssen kommen diesmal auch Elemente aus Epic und griechischem Black Metal dazu, gleichzeitig bleibt der Abenteuergeist der Band erhalten: neue musikalische Welten erkunden und nicht einfach auf der Stelle treten. Mit ‚Noitien Loitsu‘ gibt es außerdem erstmals einen Song, der zur Hälfte auf Englisch und zur Hälfte auf Finnisch gesungen wird. Thematisch schlägt „Witch Wife In An Alien World“ eine realere und konfrontative Richtung ein und beschäftigt sich mit persönlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen, Entfremdung und einer Welt, die trotz technischer Vernetzung zunehmend auseinanderdriftet. Aufgenommen wurde in Finnland und den USA, für Mix und Mastering war Roland Rodas verantwortlich. Acht Songs stehen auf dem Programm – und nachdem mich „Violent Creed of Vengeance“ bereits neugierig gemacht hat, bin ich gespannt, was SMOULDER diesmal auffahren.
Den Opener ‚Water Wars‘ garnieren SMOULDER mit vielseitigen Melodiebögen. Will heißen: Neben jeder Menge treibendem Epic Metal gibt es auch die ein oder andere verspieltere Passage, die der Nummer zusätzliche Abwechslung verpasst und in aller Dramatik von Sarah Anns Stimme getragen wird. Old-School-Headbanger werden sich über den griffigen zweiten Track ‚Shadow of the Vulture‘ freuen, der neben Mitsingparts auch Futter für die Fistbump-Fraktion liefert. Ein echtes Novum in der Bandhistorie ist die Gangart in ‚Noitien Loitsu‘, denn es ist der erste SMOULDER-Song mit englischen und finnischen Vocals. Der Song feiert den Wald, in dem Sarah Ann und Shon Vincent in Helsinki leben. Mit am Start ist Gastmusiker Bootleg Henkka mit einem Gitarrensolo. Wer sich fragt, woher die finnische Sprache in ‚Noitien Loitsu‘ kommt, dem sei gesagt: Sarah Ann griff dafür auf ihre finnischen Wurzeln zurück. Beschwörend gehen SMOULDER ‚Crush the Neophytes‘ an, haben im weiteren Verlauf der Nummer ihren Epic Doom auf der Speisekarte und streuen immer wieder melodische Passagen ein – das erhöht ein Stück weit die Dramaturgie des Liedes. Mehr vom SMOULDER-Hymnentisch gibt’s in ‚Empathy’s Wrath‘, einer durchaus wuchtigen und wütenden Nummer. Großes Schlachtenhymnen-Kino wird mit ‚Their Name Lives On‘ serviert, hier gibt’s knackige Soli, deftige Drums und den Walkürengesang von Sarah Ann – zum Niederknien gut. Im Trab startet ‚Cathedral of the Trees‘, um dann deftig durchzustarten und die gewohnte Dramatik der jungen Band zu liefern. Sieben Minuten haben SMOULDER ihrem finalen und ebenfalls hymnischen ‚Smouldering Remains‘ in die Heavy-Metal-Stahluhr gepackt. Viel Zeit für ein Knaller-Intro, bei dem die Instrumentalisten ihre „Muskeln“ spielen lassen.
„Witch Wife In An Alien World“ hat für mich einige richtig starke Seiten. SMOULDER liefern vielseitige Melodiebögen, treibenden Epic Metal, verspieltere Passagen, knackige Soli, deftige Drums und jede Menge hymnisches Schlachtenkino. Gerade Sarah Anns Gesang ist dabei ein echtes Pfund und die Walkürenmomente in ‚Their Name Lives On‘ sind für mich zum Niederknien. Dazu kommt die dramatische Seite des Albums, die Fans von cineastischer Musik, großen Schlachtenhymnen und auch wütenderen, kritisch hinterfragenden Momenten definitiv gefallen dürfte. Auch der Versuch, realistischere und weniger Fantasy-lastige Inhalte in die Songs zu bringen, ist durchaus gelungen. Allerdings hat sich für mich die Gesangsart im Vergleich zum Vorgänger etwas verändert. Der gesamte Gesang wirkt getragener und ist nicht mehr ganz so schnell und mitreißend wie auf „Violent Creed of Vengeance“. Die Stimme von Sarah Ann ist nach wie vor richtig stark und hat definitiv ihre ganz eigenen Momente, trotzdem haben mich die Songs des Vorgängers einfach mehr gepackt. Genau da liegt für mich auch der Knackpunkt: Die neuen Ansätze, die SMOULDER hier einbauen, funktionieren durchaus, lösen bei mir aber nicht ganz denselben Aha- und Wow-Effekt aus wie das vorherige Album. Ich wiederhole mich also gerne: „Violent Creed of Vengeance“ hat mir wesentlich besser gefallen. „Witch Wife In An Alien World“ bringt trotzdem interessante neue Facetten mit und dürfte gerade Fans der dramatischen, hymnischen und etwas wütenderen Seite von SMOULDER ordentlich gefallen.
Tobi Stahl vergibt 7 von 10 Punkten


