SEPULTURA – SEPULQUARTA

SEPULTURA

Titel: SEPULQUARTA

Label: NUCLEAR BLAST RECORDS

Spieldauer: 60:56 Minuten

Das neue SEPULTURA-Album „Quadra“ war gerade im Februar 2020 erschienen, konnte aber Corona-bedingt nicht betourt werden. So wurde aus der Not heraus und um die Zeit im Lockdown sinnvoll zu nutzen, die Idee zu verschiedenen Online-Events mit Talks und Kollaborationen geboren, die schließlich zu diesem ungewöhnlichen Live-Album führten. Denn was als gelegentliche Quarantäne-Sessions begann, entwickelte sich zu einem regelmäßigen Video-Podcast, bei dem die Band und ihre prominenten, nicht immer nur aus dem Metal-/Musik-Bereich stammenden Gäste ein bestimmtes Thema diskutierten, Fragen der Fans beantworteten und jeweils einen neuen Song präsentierten.

Insgesamt zog man diese sogenannten SepulQuarta-Sessions viele Monate lang zuerst jede Woche, später dann alle 14 Tage durch, hatte am Ende 57 Gäste und spielte 28 Songs – was einem über dreistündigen Konzert entspricht – von denen es 15 nun auf die gleichnamige Scheibe geschafft haben. Der so entstandene Silberling ist direkt aus mehreren Gründen eine gelungene und sehr interessante Angelegenheit.

Denn zum einen ist es die vermutlich erste Gelegenheit einige ältere Klassiker der Band wie ‚Territory‘ (1993) und ‚Inner Self‘ (1989) mit Derrick Green auf Platte gebannt zu hören zu kriegen. Zum anderen ist es hochspannend zu erfahren, wie Tracks wie ‚Sepulnation‘ mit Unterstützung der rockigen Stimme von Danko Jones oder ‚Slave New World‘ mit partiellen Vocals von Matt Heafy (Trivium) und unter Einsatz von zwei Gitarren klingt oder was die Mitwirkung vom kanadischen Tausendsassa Devin Townsend aus ‚Mask‘(vom 2011er Album “Kairos“) macht.

Weitere prominente Gäste sind Megadeth-Basser David Ellefson, Scott Ian (Anthrax), Phil Rind (Flotsam and Jetsam, Sacred Reich), Alex Skolnick (Testament) und Phil Campbell, der mit dem Vierer ein exklusives Motörhead-Cover (‚Orgasmatron‘) präsentiert. Mit den beiden brasilianischen Schlagzeugern Joao Barone und Charles Gavin bei ‚Ratamahatta‘ und Angra-Gitarrist Rafael Bittencourt bei ‚Kaiowas‘ arten einzelne Tracks zudem zu kleinen Mini-Jam-Sessions aus.

Wünschenswert wäre außerdem eine Veröffentlichung aller Songs als DVD, denn in den Videos werden die einzelnen Beiträge nochmals lebendiger und mitreißender. Darüber hinaus erhält man reizvolle Einblicke in diverse Heimstudios, Aufnahme- und Proberäume, wundert sich, dass Marc Holcomb (Periphery) seine Parts bei ‚Phantom Self‘ ganz entspannt auf seinem Sofa sitzend einspielt und leidet mit der Webcam von Drummer Eloy Casagrande, die bei jedem Schlag mitviebriert und in enorme Schwingungen gerät.

“Sepulquarta” ist somit ein einzigartiges und vorraussichtlich einmaliges Tondokument einer ebenso außergewöhnlichen wie beispiellosen Zusammenarbeit vieler großartiger Künstler mit einem angesichts der Umstände überwiegend großartigen Sound.

Michael Gaspar vergibt 8 von 10 Punkten