SCRAPER – INFINITE JOURNEY

SCRAPER

Titel: INFINITE JOURNEY

Label: METALLOSCOPE-MUSIC

Spieldauer: 44:25 Minuten

VÖ: 08. Mai 2026

SCRAPER aus Marl (NRW) stehen seit 2016 für eine energiegeladene Mischung aus Progressive-,
Thrash- und Death Metal. Die fünfköpfige sympathische Formation – bestehend aus Gesang (C. David),
Gitarre (T. Wimmer, S. Lück), Bass (S. Royal) und Schlagzeug (R. Schönberg) – verbindet
technische Präzision mit komplexen Songstrukturen und einer eindringlichen, düsteren
Atmosphäre.

Als ich die Band das erste Mal live gesehen habe war mir  eben diese düstere Atmosphäre tatsächlich doch ein bisschen viel. Dennoch konnte ich nicht anders, als dem Schlagzeuger nur ein Wort nach dem Gig zuzurufen: MASCHINE! Und das dem weiterhin so ist beweist er wieder eindringlich. Vielleicht weil ich entsprechend „vorbelastet“ diesmal auch mehr aufs Schlagzeug bzw. die Rhythmusgruppe geachtet habe. Ralf mal unter uns: Wie ziehst Du das Ding bitte live durch? Vorher Iron-Man durchgespielt?

Aber nicht nur das Schlagzeug sticht heraus: Der Stil der Band ist mit der nun zweiten Scheibe gewachsen, scheinen doch alle nochmal eine Schippe extra draufgehauen zu haben. SCRAPER setzen nicht nur auf Härte und Geschwindigkeit. Neben kraftvollen Momenten gibt es auf  dem grünen Biest „INFINITE JOURNEY“ auch Räume für Melodie und Groove. Das Konzept Album liefert keine Hintergrundmusik für einen entspannten Abend auf der Couch, wie ihr es fast schon von mir gewohnt seid, sondern verfrachtet einen in der Kommandozentrale auf einen Ausflug in ferne Galaxien. Kalte Sternenlandschaften, blinkende Maschinen, endlose Weiten und irgendwo dazwischen die Frage, ob Technik irgendwann mehr über uns weiß als wir selbst. „INFINITE JOURNEY“ erzählt in drei Akten die dystopische  Geschichte eines künstlich geschaffenen außerirdischen Wesens, dessen Bestimmung die ewige Reise durchs All und die fortwährende Beschaffung von Wissen ist. Das Wesen besteht aus Fleisch, Blut, Metall und Licht und wurde als neutraler Beobachter namens „Eye“ konzipiert. Eye entwickelt durch sein schier unendliches Wissen im Laufe seiner äonenlangen Reise ein Bewusstsein und nennt sich fortan selbst „I“. Die Erkenntnis, scheinbar alles zu wissen, lässt in ihm Allmachtsphantasien erwachen. (Hier glaube ich Parallelen aus dem richtigen Leben wiederzuerkennen.) Bald genügt es ihm nicht mehr, nur zu beobachten – er will nicht nur gesehen werden, er will, dass alle Wesen ihn fürchten. Er zerstört und verwüstet Planeten – anfangs versehentlich, dann zaghaft, um sich schließlich in Gewaltorgien zu ergießen und fremde Welten vollkommen leblos und tot zurückzulassen. (Ähm, Parallele?!)

Erinnert euch das auch zuuuufällig an irgendeine Band mit ähnlicher Thematik? Wer hier Vergleiche zu VOIVOD ziehen mag, darf das am 23.07.2026 übrigens gerne live im Turock in Essen tun. Ich denke, das muss sich für SCRAPER wie ein Ritterschlag anfühlen. Und das darf es auch obwohl die Band schon Bühnen mit weiteren Größen wie Disillusion, Exumer, Tankard und Holy Moses geteilt hat. Ich gestehe, ich freu mich selbst wie Bolle darüber. Nichts würde besser zusammen passen.

SCRAPER schaffen mit ihrem neuen Album ein Sciene-Fiction-Konzeptwerk mit Härte und konzeptioneller Tiefe. Mit einer klaren Vision, technischem Anspruch und einem Faible für futuristische Themen kreiren SCRAPER eine eigenständige Klangwelt, die Fans anspruchsvollen Metals ebenso fordert wie begeistert.

Judith Kroll vergibt 9 von 10 Punkten