SAVAGE MANIA
Titel: DEMONIC ASSAULT
Label: Fireflash Records
Spieldauer: 26:58 Minuten
VÖ: 15. Mai 2026
Aus Schweden kommen SAVAGE MANIA – vielleicht eine Band, die man hier in Deutschland noch nicht so auf dem Schirm hat. Aber genau solche Geheimtipps habe ich gerne auf meinem Schreibtisch, um ein bisschen dabei zu helfen, den Bekanntheitsgrad zu erhöhen. Gegründet wurde SAVAGE MANIA in Bollnäs von Schlagzeuger und Sänger Viktor Suominen sowie Gitarrist Jesper Jönsson, die sich eher zufällig bei ein paar Drinks – vermutlich kühlen Blonden – kennengelernt haben. Aus Gesprächen über Metal wurde schnell mehr, erste gemeinsame Sessions folgten, und über Coverversionen tastete man sich Schritt für Schritt an einen eigenen Sound heran. Die Band wurde mit Oliver Rytkönen, einem weiteren Gitarristen und Sänger, erweitert, den Suominen bereits seit Kindheitstagen kannte. Ursprünglich eher im Punk verwurzelt, ließ er sich schließlich doch für den härteren SAVAGE MANIA-Weg begeistern – und ohne zu spoilern: Diese Entscheidung zahlt sich hörbar aus, denn seine aggressive, energiegeladene Stimme macht mächtig Bock und ist eines, wenn nicht das markante Trademark der Band.
Komplettiert wurde das Line-up wenig später durch Bassist Viktor Lundberg, den man bei einem lokalen Konzert kennenlernte. Die Chemie stimmte sofort – erste gemeinsame Proben bestätigten das Gefühl, dass hier alles zusammenpasst. Zu diesem Zeitpunkt bewegte sich die Band altersmäßig irgendwo Anfang 20 – genau die Phase, in der Energie, Hunger und Ideen zusammenkommen. Das Songwriting startet häufig mit einem Riff im Proberaum, das organisch weiterentwickelt wird. Eins steht aber immer fest: die Gangart. Old-School bis ins Mark, stark beeinflusst von klassischen deutschen Thrash-Bands und deren ersten Platten, aber auch von großen Kapellen wie SLAYER oder WHIPLASH. Genau diese Mischung aus europäischer Präzision und amerikanischer Aggression spiegelt sich in ihrer Musik wider – roh, direkt und ohne Umwege.
Ein Blick auf die Szene zeigt, dass Bollnäs trotz seiner überschaubaren Größe alles andere als unbedeutend ist:
Das erste eigene markante Geballer war ‘The Face Of Death’, erschien 2022 und schepperte ordentlich in der Underground-Szene. 2023 ließ man mit ‘Fasttrack’ nach, und mit “Demonic Assault”, über das wir heute sprechen, legen SAVAGE MANIA nun ihr erstes vollständiges Album vor – ein Album, das nicht nur die bisherigen Singles bündelt, sondern die gesamte Energie der Band einfängt. Aufgenommen wurde das Ganze unter alles andere als sterilen Bedingungen: in einer Skatehalle, gemeinsam mit dem Team von Aftersound, das mit mobilem Equipment anrückte. Zwei Tage Zeit, keine großen Spielereien – dafür maximale Intensität. Genau das hört man der Platte an.
Zum Einstieg in den Hauptteil meiner Review für SAVAGE MANIA und “Demonic Assault” ein bisschen “Turn back time”-Vibes, um die richtige Stimmung zu erzeugen:
Wer sich ein wenig mit der Geschichte des Thrash Metal beschäftigt, landet früher oder später unweigerlich in den 1980er Jahren – genauer gesagt in Deutschland. Eine Zeit, in der Bands wie KREATOR, DESTRUCTION oder SODOM den Grundstein für eine Szene legten, die mit ihrer rohen Energie, kompromisslosen Härte und einer gehörigen Portion Rebellion Maßstäbe setzte. Kurz darauf folgten weitere Namen wie TANKARD, HOLY MOSES, EXUMER oder DARKNESS – und aus einzelnen Veröffentlichungen wurde eine Bewegung. Der sogenannte teutonische Thrash entwickelte sich zu einer eigenen Macht, deren Nachhall bis heute spürbar ist.
Genau an diesem Punkt setzen SAVAGE MANIA mit “Demonic Assault” an – nicht als “nostalgische Kopie”, sondern als Band, die diese DNA verstanden hat und sie in ein modernes, aber bewusst roh gehaltenes Gewand überträgt. Feuer frei für SAVAGE MANIA.
Die dämonische Angriffswelle hat neben dem atmosphärischen und teilweise creepy klingenden ‘Intro’ acht Phasen, beginnend mit ‘Undead Rebirth’, bei dem zunächst die Gitarren aufheulen, die Drums einsetzen und alles erstmal gemächlich wirkt – bis die Hölle losbricht und die erwähnte “Trademark-Voice” eure Trommelfelle entzündet. Das Tempo zieht direkt an, die ersten Nackenbrecher-Passagen lassen nicht lange auf sich warten und machen klar, wohin die Reise geht: nämlich in Richtung maximale Zerstörung. ‘The Face Of Death’ knallt räudig und gnadenlos weiter, die Schweden lassen die Gitarren heulen, die Stöcke auf den Drums tanzen und den Bass gottlos wabern – dieses Tempo ist Wahnsinn. Ein bisschen Gnade in Sachen Highspeed-Vollbedienung lassen SAVAGE MANIA zu Beginn von ‘Master Of Hell’ walten, aber halt nur während der ersten etwa 60 Sekunden, danach gibt’s Höllenfeuer und Ascheregen aus den Boxen. ‘Remorse’, ‘Storm Of Steel’ und auch ‘Death And Decay’ geben weiter Hackengas und sind heißer als Frittenfett. Bei dem Namen ‘Fasttrack’ solltet ihr anhand der bisherigen Beschreibungen eine Ahnung davon haben, wie energiegeladen die Nummer ist. Der Titeltrack ‘Demonic Assault’ kickt euch final in die Fresse – und das mit Anlauf, freut euch drauf.
Komplett verrückter – und das im absolut positiven Sinne – energiegeladener, extremer Highspeed-Thrash aus Schweden, der gut und gerne auch in Essen – im Herzen des deutschen Thrash – entstanden sein könnte. Dieses leicht durchgedrehte, kompromisslose “einfach draufhalten”-Mindset zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Album und sorgt genau für die Momente, in denen Nackenmuskeln und Adrenalin gleichermaßen arbeiten. Die Jungs müssen nach Deutschland und auf Tour mit ihren Idolen, denn sie verkörpern genau das, was manchen Fans bei den deutschen Big 4 heute ein Stück weit abgeht: Underground-Geruch, erdige Vollgas-Nummern und diese intensiv räudige Mischung aus bösen Lyrics und dreckigem Sound. Hier gibt’s massig Potenzial für eine große Karriere – und wer sich selbst davon überzeugen will, kann “Demonic Assault” bereits jetzt digital anhören.
Tobi Stahl vergibt 8 von 10 Punkten


