SATCHVAI
Titel: THE SEA OF EMOTIONS
Label: EARMUSIC
Spieldauer: 49:41 Minuten
VÖ: 06. November 2026
Seit mehr als drei Dekaden tourt Joe Satriani durch die Welt, sowohl solo als auch als Gründer des hochkarätig besetzten Gitarrenspektakels „G3“. Seine Studio- und Liveaufnahmen haben sich bislang weltweit mehr als 10 Millionen Mal verkauft. Zwei seiner zahlreichen Soloalben erreichten Platin-, vier weitere Goldstatus. Hinzu kommen fünfzehn Grammy-Nominierungen. Seit 2014 fördert er mit der jährlichen „G4 Experience“ aufstrebende Gitarren-Talente. Auch sein Nebenprojekt Chickenfoot mit dem ehemaligen Van-Halen-Frontmann Sammy Hagar, dem früheren Bassisten Michael Anthony und Red-Hot-Chili-Peppers-Schlagzeuger Chad Smith feiert Erfolge.
Steve Vai ist ein virtuoser Gitarrist, Komponist und Produzent und gilt vielen als einer der größten Gitarristen aller Zeiten. In über 45 Jahren in der Musikbranche hat Vai mehr als 15 Millionen Tonträger verkauft. Er tourte ausgiebig und veröffentlichte Liveprojekte mit G3 – in wechselnden Tourbesetzungen unter anderem mit Joe Satriani, John Petrucci, Eric Johnson, Yngwie Malmsteen und Steve Lukather – sowie mit Generation Axe, einer von ihm gegründeten Supergroup mit Zakk Wylde, Yngwie Malmsteen, Nuno Bettencourt und Tosin Abasi. Zuletzt tourte er weltweit mit seinem aktuellen Studioalbum „Inviolate“ und spielte Konzerte in 51 Ländern sowie ab 2024 mit dem Projekt BEAT mit Adrian Belew, Tony Levin, Danny Carey und Steve Vai unzählige Shows in Nord- und Südamerika, Japan und Europa.
„1973 schlossen der 13-jährige Steve Vai und sein 17-jähriger Gitarrenlehrer Joe Satriani in einem Schlafzimmer auf Long Island ihre Instrumente an bescheidene Verstärker an, ohne zu ahnen, dass sie damit den Grundstein für ein wegweisendes Kapitel der modernen Sechssaiter-Geschichte legten. Es gab keine Handys, keine Computer und keine Erwartungen der Musikindustrie – nur eine gemeinsame, alles verzehrende Leidenschaft für die Gitarre.“
Gute fünf Jahrzehnte später veröffentlicht das Duo seine verbundene musikalische DNA unter dem Namen SATCHVAI nun endlich auf dem gemeinsamen Studioalbum “The Sea of Emotion“. Das Unvermeidliche benötigte offenbar gute fünfzig Jahre Anlaufzeit. Doch das Warten hat sich gelohnt, denn aus einem einzelnen Track entstand eine „Lawine der Kreativität“. Auf dem Album kommen verschiedene Drummer und Bassisten als Gäste zum Einsatz, von denen an dieser Stelle Marco Mendoza und Billy Sheehan ihre wohlverdiente Erwähnung finden sollen.
Bei ihrer Kollaboration mussten die beiden Gitarristen nach langer Zeit als Solokünstler ihre Arbeit radikal neu justieren und ihre künstlerischen Egos hintenanstellen, wobei sie deutliche Unterschiede in ihren Arbeitsweisen und Songwritingprozessen feststellten. Das machte das Ganze aber auch enorm unterhaltsam und interessant, denn beim Austauschen und Hin- und Her-Senden von Ideen kam oft etwas völlig Unterwartetes und/oder Unbekanntes zurück.
Satriani schickte Vai zwei fertige Tracks mit den Titeln `The Sea of Emotion, Part 1´ und `Part 2´, welche nun inklusive des dritten Teils als packendes Triumvirat und sowohl musikalisches als auch emotionales Zentrum des Albums die Platte beschließen. Teil 2 beginnt mit einem verträumten, zarten Akustik-Intro auf Nylonsaiten, während `Part 3´ rasant den Kreis schließt, denn er beginnt mit einem unbezahlbaren, zeitlosen Artefakt: einer alten Tonbandaufnahme aus einer von Vais ersten Unterrichtsstunden mit dem Titel `Reflections on a Year and a Half´.
Die einfache Regel des Projekts: mach was immer Du willst, aber was beiden Protagonisten nicht gefällt, kann weg! So machte Satriani sich beispielsweise für das wilde, rohe und vor Selbstbewusstsein strotzende `Bronco Freight Train´ stark. Das von Vai geschriebene Stück erschien diesem zunächst zu gewöhnlich, doch als Satriani seine Änderungen beitrug, fügte sich alles zusammen und der Song verwandelte sich in ein hochklassiges Solo- und Linien-Duell.
Ein ebenso furchtloses, ungewöhnliches, unterhaltsames Experiment mit einem markanten-groovigen Swing-Riff stellt `Zoot Suit Riot´ mit Mike Keneally an den Keyboards, ein „diabolisch wildes Stück, bei dem Vai Satchs Melodie der ersten Strophe nahm und für die zweite Strophe rückwärts drehte. An anderer Stelle baute er eine nicht gerade subtile, theatralische Anspielung auf West Side Story ein, deren Soundtrack schon als Kind sein Interesse an Musik geweckt hatte“, dar.
Auf dem düster-filmischen `Old Sins Have Long Shadows´ verwandelt sich ein „sexy, geschmeidiges, gefährlich klingendes Riff“ in einen heroischen Refrain, „während die Gitarren darum herumschwingen“. Doch auch eher simple, kompakte Kompositionen wie der fluffige, flotte Opener `Mayhem´ und das leichtfüßige `Dancing´ machen Spaß und zu den Highlights der zehn Tracks gehört ebenso `I Wanna Play My Guitar´. Die bluesig-atmosphärische Nummer ist das einzige Stück der Scheibe mit Gesang, der vom großartigen Glenn Hughes übernommen wird.
“The Sea Of Emotions“ ist eben genau das: eine emotionale, stimmungsvolle Reise und ein begeisterndes Album für Instrumentalfreunde sowie für die beiden Protagonisten ein erfüllendes, wunderschönes, intimes musikalisches Miteinander zweier Freunde und Kollegen und zweier Meister ihres Fachs mit einem hochkarätigen, kurzweiligen Ergebnis.
Michael Gaspar vergibt 8,5 von 10 Punkten


