SARCATOR
Titel: THE ONES WE FOLLOW
Label: Reigning Phönix Music
Spieldauer: 50:10 Minuten
VÖ: 30. Oktober 2026
Ursprünglich bereits 2014 unter dem Namen METAL MILITIA gegründet, formierten sich die Schweden aus Trollhättan (Västra Götaland) 2018 schließlich als SARCATOR neu. Das vierköpfige Gespann um Mateo Tervonen (Gesang, Gitarre), Leo Buchalle (Gitarre), Linus Edmarker (Bass) und Jesper Rosén (Schlagzeug) hat sich von Beginn an dem kompromisslosen Blackened Thrash Metal verschrieben. Mit den zeitlosen Metal-Themen Blut, Feuer und Tod im Gepäck steht die Truppe mittlerweile beim Labelschwergewicht Reigning Phoenix Music unter Vertrag und schickt sich an, das nächste Kapitel ihrer Bandgeschichte aufzuschlagen. Bisher veröffentlichten die Schweden drei Alben – darunter das selbstbetitelte Debüt „Sarcator“ (2020), das düstere „Alkahest“ (2022) und erst letztes Jahr den Brecher „Swarming Angels & Flies“ (2025) über Century Media. Ein wirklich beachtlicher Output, den SARCATOR seit 2020 an den Tag legen, ehe nun mit „The Ones We Follow“ bereits Streich Nummer vier auf meinen Tisch flattert! Auf „The Ones We Follow“ sollen alle bisherigen Strömungen zusammenlaufen, man möchte sich in keine Schubladen mehr zwängen, sondern der Frage folgen: Was dient dem Song? Es soll also die Philosophie von SARCATOR sein, auf sich selbst zu vertrauen und dem eigenen Instinkt zu folgen. Für „The Ones We Follow“ greifen die Schweden also in einen Musiktopf und ziehen Punk, Gothic-Vibes, klassischen Heavy Metal, raue Americana und schwarzmetallische Aggression heraus – tada, fertig ist die Platte. Ob „The Ones We Follow“, das in einer Western-Kulisse spielt und Outlaws, verlassene Orte sowie endlose Horizonte zum Thema hat, zündet, habe ich mir für euch angehört. Also, Gringo, auf in den Wilden Norden, wo zehn Tracks darauf warten, gehört zu werden. Produzent des Albums ist übrigens Marko Tervonen und das Cover-Artwork stammt von Affe Piran. Jetzt aber auf und davon (auch wenn das aus Superman stammt).
Bereits im Opener ‚The Ones We Follow‘ catchen mich SARCATOR mit ihren Western-Vibes, den maximalen Wutbrettern aus der Schießbude und den Gitarren samt den rohen Vocals aus der Kehle von Mateo Tervonen. Passend dazu geht’s im Lied um Aufbruch und Neuanfang – der wäre gemacht! Goth-Rock ist das treibende Element in ‚The Underground Streets‘, einer imaginären Welt erschaffen von SARCATOR, gespickt mit schwedischer Musikkultur und der Mythologie-Symbiose verschiedener Genres. ‚You Gotta Possess Me‘ ist ein weiterer Nackenrüttler, während mit ‚In Search of Oblivion‘ eine Power-Ballade angefeuert kommt, die sich um radikale Selbsterkenntnis, verbrannte Erde und den Befreiungsschlag durch das eigene Nichts („purging void“) dreht. Das Gefühl, alle Brücken hinter sich abzureißen und die eigene abgründige Seite ungeniert zu umarmen, wird hier in einen hymnischen Song gegossen, ohne dass die Schweden dabei auch nur eine Sekunde weniger geil klingen als zuvor – im Gegenteil! Deutlich intensiver und roher geht’s in ‚Rotting Chapels‘ zu, der geneigte Western-Fan bekommt in ‚Bleeding Ages‘ seine volle Breitseite ab und kann sich in den markanten Riffs suhlen. Schneller, punkiger und rotziger ist ‚Volatile Insight‘ geraten, die Goth-Rock-Note muss lobend erwähnt werden und natürlich auch die steigende Kreativität der nordischen Metaller, die in ‚Ain’t Fit to Live‘, einer bockstarken Hommage an die Bob-Rock-Ära von MÖTLEY CRÜE sowie METALLICA Mitte der 90er-Jahre, die letzten Gedanken eines Outlaws und sein Sich-Fügen in das eigene Schicksal erzählen, unmittelbar bevor er zum Galgen geführt wird. Wenn ihr die ruhigeren Töne von ‚Wasteland Strider‘ hört, ist das ein Zeichen dafür, dass es jetzt Clean Vocals zu genießen gibt – und das meine ich ernst: Die klaren Vocals klingen so wunderbar und passen 1a zum Lied – wie ein Whiskey in den Saloon, ein Reiter aufs Pferd oder der Strohballen in eine Geisterstadt. Klasse Goth-Rocker der Schweden! Zum Schluss gibt’s ‚Wanderlust‘ und so ein bisschen erinnert mich das Ganze an IRON MAIDEN und ‚The Writing On The Wall‘, das aber nur zu Beginn und auch nur die Americana-Rock-Parts – der Rest föhnt euch das Pony vom Kopf oder bei genügend Lautstärke auch den Nachbarn vom Sofa!
Mit „The Ones We Follow“ liefern SARCATOR ein erfrischend vielseitiges und bockstarkes Album ab, das Laune macht. Was die Schweden hier raushauen, hat Hand und Fuß, Mähne und Huf: Sehr geile Gitarrenleads, tolle Riffs, wuchtige Drums und Bässe sowie Mateo Tervonens vielseitiger Gesang gehören zu den absoluten Highlights der Scheibe. Als Anspieltipps brennen sich vor allem der knackige Opener ‚The Ones We Follow‘, der goth-rockige Trip ‚The Underground Streets‘, die emotionale Power-Ballade ‚In Search of Oblivion‘, der galgenreife Stampfer ‚Ain’t Fit to Live‘ und das mit wunderbaren Clean Vocals veredelte ‚Wasteland Strider‘im Gedächtnis ein. Die schiere Abwechslung macht das Werk zu einem echten Allrounder für etliche Gelegenheiten und spricht Fans unterschiedlichster Genres an – und ja, selbst Freunde der Mundharmonika kommen hier voll auf ihre Kosten! Wer Bock auf ein mutiges, extrem abwechslungsreiches und mitreißendes Stück Metal hat, sollte hier definitiv reinhören.
Tobi Stahl vergibt 8,5 von 10 Punkten


